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Zubehör/Veranstaltungen

Erwin Hymer Museum

Zeigt die Geschichte des Caravaning

Das Erwin Hymer Museum

Im Sommer 2011 wird das Erwin Hymer Museum in Bad Waldsee mit seiner umfangreichen Wohnwagen-, Reisemobil- und Oldtimersammlung eröffnet. Das erklärte die Erwin Hymer Stiftung,Träger des Fahrzeugmuseums, auf der Reisemesse CMT in Stuttgart.

Das Erwin Hymer Museum soll in erlebnisorientierten Ausstellung die erfolgreiche Geschichte des Caravanings und mobilen Reisens präsentieren. Die branchenübergreifende Fahrzeugsammlung des Stifters Erwin Hymer wird die Entwicklung der Fahrzeuge in der industriellen Produktion zeigen. Zu sehen gibt es auch faszinierende Eigenbauten oder Einzelproduktionen.

Bereits seit vielen Jahren sammelt der Reisemobil-Pionier Erwin Hymer historische und außergewöhnliche Fahrzeuge, die im Museum, das seinen Namen trägt, ausgestellt werden. Die Besucher der diesjährigen CMT in Stuttgart sind aufgefordert, ihre Geschichte mit dem Caravan oder Reisemobil mit Fotos, Filmen und Reiseaccessoires zu erzählen. Die spannendsten und schönsten Geschichten sollen Bestandteil der Ausstellung werden.

In Stuttgart ist als eines von Hymers Sammelstücken die Sportberger Land-Yacht L6 zu sehen. Die Land-Yacht L6 ist einer der wohl ungewöhnlichsten Wohnwagen der 1950-er Jahre. Der Inhaber der seinerzeit größten deutschen Wohnwagenfabrik, Hans Berger, hat den Caravan selbst konstruiert und monatelang erprobt. Durch die eigenwillige Formgebung sollte Gewicht eingespart werden. Denn die Mehrzahl der Zugfahrzeuge waren damals eher schwach motorisiert, die Anhängelasten nicht besonders hoch und ein niedriges Gewicht des Caravans daher sehr wichtig.

Die Erhöhung in der Mitte der Land-Yacht, der „Turm“, war als Aufenthaltsraum gedacht, die Schlafalkoven befanden sich im flachen Bug und Heck. Serienmäßig gab es lediglich die zwei Bettpritschen mit darunter liegenden Stauräumen, Vorhängen für die Fenster und acht Kleiderhaken. Aus dem Sportberger Katalog konnte weiteres Zubehör geordert werden. Wegen der spärlichen Ausstattung sprach das Modell besonders Umsteiger an, die vom Zelt kamen – und das Fahrzeug mit bereits vorhandenen Campingutensilien ausstatten konnten. Im Jahr 1953 kostete der leer 360 Kilo wiegende Caravan (zulässiges Gesamtgewicht 700 Kilogramm) 1.950 DM. Hinzu kamen 162,60 DM für die Reifen, die waren im Grundpreis nicht enthalten. Auf dem Markt konnte sich das Modell trotz seines verhältnismäßig günstigen Preises nicht durchsetzen. In den Jahren 1953 und 1954 verließen nur sehr wenige Exemplare das Sportberger-Werk in Rothschwaige bei München. Das skurrile Aussehen der Land-Yacht sorgte für verschiedene Spitznamen. In Großbritannien wurde sie als „Sumarine“ (U-Boot) bekannt, in der Schweiz und in Frankreich wurde sie als „Wüstenschiff“ bezeichnet. Die hier gezeigte Land-Yacht wurde erstmals 1953 auf ein Steuerberatungs-Unternehmen in Stuttgart zugelassen. Nach der Stilllegung 1968 verkaufte die Firma den Wohnwagen im Jahre 1971 nach Karlsruhe. Später wurde sie dann von Herrn Alfred Steidle über Jahre hinweg für seinen Freund Volker Muskat aufbewahrt. Nach dessen frühem Tod überließ Alfred Steidle das mit Deichsel 530 cm lange Fahrzeug (Breite 160 cm, Höhe 220 cm) dem Erwin Hymer Museum.

Ab Jahresmitte soll die Ausstellung vor den Toren der Kurstadt Bad Waldsee im Museumsbau, direkt an der B 30, zugänglich sein. Noch steht der genaue Eröffnungstermin nicht hundertprozentig fest. Geschäftsführerin Susanne Hinzen erklärt: „Im Frühsommer sicher nicht, wir brauchen noch etwas Vorlauf“. Die 44-jährige weiter: „Das Museum wird eine gewaltige Attraktion für die Stadt Bad Waldsee“. Mit dem Bau des Museums wurde Anfang 2008 begonnen. Im Mai 2010 wurde das Gebäude von den ersten Mitarbeitern bezogen, sie arbeiten jetzt am Konzept der Ausstellung. Parallel dazu werden in der Werkstatt des Museums die Fahrzeuge restauriert, die Caravaning-Pionier Erwin Hymer zusammentrug. Zu Baubeginn war von einem Fundus von 80 Fahrzeugen die Rede, mittlerweile heißt es, dass die Fahrzeugsammlung rund 200 Exponate umfasst. Ein großer Teil von ihnen soll auf einer Ausstellungsfläche von rund 6.000 Quadratmetern gezeigt werden. Neben Wohnwagen und Reisemobile werden Oldtimer ebenso zu sehen sein wie Motorräder und Camping-Zubehör. Die Exponate dokumentieren die historische Entwicklung der Freizeitfahrzeuge aus dem frühen 20. Jahrhundert (1930) bis heute. Ältestes Ausstellungsstück ist ein Schäferwagen aus dem Jahr 1856. Zu sehen gibt es außerdem restaurierte Unikate aus der ehemaligen DDR und zahlreiche internationale Einzelstücke. Nicht fehlen darf natürlich der Mini-Caravan „Ur-Troll“. Mit dem Troll sorgte Oberschwabe Erwin Hymer 1957 für großes Aufsehen und legte den Grundstock sein Unternehmen.

Das Museum an der B 30 in Bad Waldsee besteht aus zwei Gebäuden. Sie sind einem stehenden und einem liegenden Caravan-Fenster nachempfunden. Das kleinere, eingeschossige Gebäude ist 75 Meter lang, 50 Meter tief sowie elf Meter hoch, es hat eine hinterleuchtete Glasaußenhaut. Im großen, zweigeschossigen Hauptgebäude (60 Meter lang und tief sowie 19 Meter hoch), dem „stehenden“ Caravanfenster, ist die Dauerausstellung des Museums untergebracht. Die Nord- und Südfassaden sind komplett verglast, die Ost- und Westseiten glänzen mit einer geprägten Edelstahlfassade. Im Zwischengeschoss finden sich die Verwaltung sowie Räume für Tagungen und Sonderausstellungen. Rund acht bis zehn Millionen Euro sind in den Gebäudekomplex investiert worden.

Quelle: Gerhard Prien