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Zubehör/Sonstiges

Kabinen-Roller

Irgendwann ist es – speziell für die Fahrer größerer Reisemobile – soweit. Um schnell mal in die Stadt zu fahren oder die Umgebung zu erkunden soll ein motorisiertes Beiboot her. Schließlich will man nicht immer mit dem Rad fahren, manche Strecken sind einfach zu groß. Denn motorisierte Zweiräder eignen sich besonders gut als Ergänzung des Reisemobils.

Die grundlegenden Fragen vor der Anschaffung eines motorisierten Zweirades sind beinahe immer gleich. Neben der Frage nach dem Kaufpreis ist wohl die nach dem erforderlichen oder vorhandenen Führerschein eine der wichtigsten. Gut dran ist, wer seinen alten 3-er Führerschein (für Pkw) vor dem Stichtag 01. April 1980 erworben hat. Denn mit diesem alten „Lappen“ darf man motorisierte Zweiräder bis 125 ccm Hubraum (diese gelten heute als Leichtkrafträder, die mit dem Führerschein der Klasse A1 gefahren werden dürfen) ohne weitere Fahrprüfung bewegen. Nicht nur diese Regelung ist der Grund dafür, warum die meisten am oder im Reisemobil mitgeführten motorisierten Zweiräder in der Klasse bis 125 ccm liegen. Die Bikes sind in der Regel auch noch recht leicht und handlich, und können so bei vielen Reisemobilen noch untergebracht werden, ohne dass es Probleme mit dem zulässigen Gesamtgewicht oder der (Hinter-)Achslast gibt. Und auch das Ein- oder Ausladen lässt sich noch ohne größeres Bodybuilding-Training – oder den Einsatz zahlreicher weiterer Helfer oder technischer Hilfsmittel - bewerkstelligen.

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Für jeden Zweck das richtige Bike

Dann gilt es noch einen Grundsatzentscheidung zu treffen: Zweitakter oder Viertakter. Unter Umweltgesichtspunkten ist ein Viertakter eigentlich erste Wahl, ein Zweitakter gewinnt das Rennen, wenn es um den simplen Motoraufbau und – im Falle eines Defekts – die entsprechend einfachen Reparaturen geht. Andererseits ist das charakteristische „Rängtängtäng“ der Zweitakter nicht jedermanns Sache. Der Klang nach Rasenmäher ist auch für die Nachbarn nicht gerade angenehm. Auch ist das Angebot an Zweitaktern in den letzten Jahren doch stark ausgedünnt worden, die Viertakter haben massiv aufgeholt und machen heute einen guten Teil der Produktpalette aus. Grundsätzlich gilt: Wer auch mal vom Stellplatz aus in die nächst gelegene Stadt fahren möchte, der sollte besser zu etwas mehr Hubraum greifen und lieber 125 als 50 ccm wählen. Denn die Fahrzeuge, die mit dem kleinen Versicherungskennzeichen bewegt werden dürfen, taugen wegen ihrer geringen Höchstgeschwindigkeit nur sehr bedingt für Überlandfahrten. Da ist man mit den hubraumstärkeren Modellen, die auf der Landstraße locker im Verkehr mitschwimmen können, eindeutig besser bedient. Und auch sicherer unterwegs, da man nicht ständig von Autos bedrängt wird.

Vom angepeilten Einsatzzweck hängt die Auswahl des Motorrad-Typs ab. Der Markt bietet – wie bei den „großen“ Maschinen auch – beinahe alles: Chopper, Enduros, Straßenmaschinen „nackt“ und mit Vollverkleidung, selbst (kleine) Gespanne, also Motorräder mit Beiwagen, sind zu haben. Wer entspannt cruisen will und die optischen Anleihen bei „Easy Rider“ mag, dem sei ein Blick auf die Chopper – die mittlerweile auch als Cruiser bezeichnet werden – empfohlen. Auch wenn echte Freaks der Auffassung sind, dass Hubraum – und Drehmoment – nun mal zwingend zu einem Chopper dazu gehören und deswegen über die „kleinen“ nur die Nase rümpfen. Denn mit gerade mal 125 ccm ist natürlich nur wenig zu reißen. Tropfentank, dickes Hinterrad und gestufte Sitzbank gehören dennoch dazu.

Eine Enduro eignet sich mit ihren verhältnismäßig langen Federwegen und ihren Stollenreifen recht gut für Touren abseits befestigter Wege. Durch die relativ große Sitzhöhe sind Enduros jedoch für Zeitgenossen mit eher kurzen Beinen nur bedingt geeignet. Mit den klassischen Straßenmaschinen macht man für die meisten Einsatzzwecke nichts verkehrt, problematisch kann es allerdings mit den vollverkleideten kleinen „Renn-Maschinen“ werden. Denn mit den Verkleidungen passen die kleinen Bikes nur bedingt in die Heckgaragen, außerdem sind die Verkleidungsteile immer latent bruchgefährdet. Und ein Bruchschaden ist dann entsprechend ärgerlich, und kostspielig.

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Bequem und mit Wetterschutz: Motorroller

Wer häufiger zu zweit – und dann möglicherweise auf längeren Strecken – unterwegs ist, der sollte auf ein komfortables Fahrzeug mit bequemer Sitzbank zurückgreifen. Für viele Reisemobilisten stellen in dieser Hinsicht offenbar Motorroller das Nonplusultra dar, das belegt zumindest die hohe Zahl dieser Fahrzeuge auf den Heckträgern. Die Roller bieten üblicherweise recht breite, große und komfortable Sitzbänke, mit ihren Beinschilden einen guten Wetterschutz – der durch serienmäßige oder nachzurüstende Windschutzscheiben noch gesteigert werden kann – und in aller Regel auch ausreichend Stauraum, sei es unter der Sitzbank oder in – meist aufpreispflichtigen - Topcases oder Packtaschen. Durch diese Anbauten geraten Roller jedoch leider etwas voluminös. Damit passen sie bei einigen Reisemobilen nicht mehr in die Heckgarage, und auch die Unterbringung auf dem Motorradträger ist nicht immer möglich. Auch hier gilt also: Vor einem Kauf auf die Abmessungen achten und im Zweifel nachmessen, ob der Scooter auch auf - oder ins – eigene Reisemobil passt.

Keine Platzprobleme gibt es mit Falt- oder Klapp-Mokicks, die allerdings nur noch selten neu zu finden sind. Besonders bliebt unter Reisemobilisten waren und sind die Dax, Monkey und Gorilla von Honda, die auf dem Gebrauchtmarkt mittlerweile recht üppige Preise erzielen. Die Nachbauten aus Fernost, die immer wieder bei uns angeboten werden, kommen in Qualität und Haltbarkeit leider nicht an die Originale heran. Doch es gibt Alternativen: Beinahe unschlagbar in Sachen kompaktes Format ist die Di Blasi, die auch noch als Neufahrzeug zu bekommen ist. Es handelt sich bei ihr um ein faltbares 50 ccm-Mokick, das bereits seit 1974 gebaut wird. Gedacht war – und ist - das Teil für den Boots- und Campingbereich. Das Konzept ist relativ einzigartig. Die gerade mal knapp 30 Kilo wiegende Di Blasi bringt es auf rund 45 km/h, zusammen geklappt misst sie lediglich 78 x 37 x 61 Zentimeter. Damit passt das Mokick notfalls auch in einen VW Bus, in wenigen Sekunden lässt es sich zusammen- und wieder auseinander klappen, ohne dass etwas montiert oder geschraubt werden muss. Die Standardausführung (R7E) besitzt Rahmen-Bestandteile aus mit Polyesterpulver beschichtetem Karbonstahl, für die Verwendung in Meeresumgebungen gibt es die Ausführung (R7ES) mit Rahmen und Bolzen in Edelstahl AISI 304. Das kleine Ding lässt sich auch aufrüsten, etwa mit ausziehbarem Gepäckträger und Einkaufstasche, eine Aufbewahrungstasche gibt es auch als Zubehör. Will das reisende Paar gemeinsam motorisiert zweiradeln, ist der Kaufpreis doppelt fällig, denn die Di Blasi ist ein Einsitzer.

Es ist für alle was dabei, in den kleinen Hubraumklassen, bei den Herstellern aus Europa, Japan und Deutschland. Vom Klapp-Mokick bis zum Dreirad-Roller. Da sollte für – fast – jeden das passende Beiboot zu finden sein. Na, und wenn nicht hier, dann spätestens ein paar Hubraumklassen höher.

Quelle: Gerhard Prien