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Zubehör/Sonstiges

Automöbel

Altes Blech kräftig aufgeMÖBELt

Das Auto ist des Deutschen liebstes Kind – manch einer macht es seinem „heilig’s Blechle“ recht kommod in der Garage, bis hin zum Teppichboden. Und der ein oder andere möchte sein favorisiertes Fahrzeug gar in der Wohnung haben. Als Leuchte oder Hocker, als Schreibtisch oder sogar als Bett. Möglich macht das Martin Schlund aus Mundlingen – er ist Automöbel-Designer.

Schlund baut Möbelstücke für PS-Enthusiasten - aus allem, was Räder und einen Motor hat. Kunden sind beispielsweise Geschäftsleute, die für ihre Firmenräume auf der Suche nach etwas Ausgefallenem sind. Oder die Hausfrau, die ihrem Ehemann eine Freude machen möchte. Aber es sind auch die „ganz normalen“ Auto-Freaks, sagt Schlund, die bei ihm einen Käfer für Schläfer bestellen – oder einen chrom- und lackglänzenden Schreibtisch aus der Front eines alter Mercedes. Oder eine Bar aus dem Heck eines Trabi. Oder einen Hocker aus einem Motorrad.

An einem runden Geburtstag überkam den studierten Archäologen die Eingebung, dass es in seinem Leben noch etwas anderes geben müsste. Der Neuanfang kam mit einem aus einem Mini Cooper gefertigten Sideboard. Mittlerweile kann Schlund von seinem einstigen Hobby leben. Er baut Betten im Look des legendären „Herbie“-Käfers, Schränke aus Cadillacs, Bars aus einem Manta A. Schlunds bisher größter und wohl auch bedeutendster Auftrag kam vom „V8“-Hotel im Meilenwerk Böblingen, für das der Kreative die Innenausstattung mehrerer so genannter „Themenzimmer“ übernahm. Jetzt können Automobil-Fans im „V8“-Hotel in Werkstatt-, Nostalgie- oder Rennsport-Atmosphäre nächtigen. So ein Auftrag, gibt Schlund zu, „kommt nicht alle Tage“. Die Realisierung und Umsetzung habe aber auch „viel Schweiß gekostet“, so Schlund, der für seine Werke stundenlang lackieren, schrauben und schweißen muss. Nach der Planungsphase stecken in einem Käfer-Bett noch rund 80 Stunden Arbeit. So viel Zeit und Handwerk hat natürlich seinen preis – hinzu kommen die Materialkosten. So werden für einen 280-er Mercedes selbst in schrottreifen Zustand noch um die 2.000 Euro aufgerufen. Schlund nutzt zwar das Internet für seine Recherche und seine Käufe, dennoch bekommt auch er sein Arbeitsmaterial nicht umsonst. Zusammen mit der Arbeitszeit kommen Summen für seine Automöbel heraus, die nichts für Spontan-Käufer sind. Schlunds Möbel sind etwas für Liebhaber seiner Handwerkskunst. Ein paar Preisbeispiele: Für 5.500 Euro kann man im Käfer-Bett nächtigen, ein Mercedes 280 S bringt es als Liegestatt auf einen Preis von 6.250 Euro. Als Sideboard kostet ein Mercedes 280 SE ab 4.900 Euro, auf Basis eines Manta A sind 3.750 Euro zu bezahlen. Für einen Mercedes W 123 als Schreibtisch muss man mit 3.400 Euro rechnen, knapp 2.000 Euro kostet ein Trabant Sideboard, ein Mini Mayfair als Sessel steht mit 3.300 Euro in der Preisliste. Günstiger geht es mit Garderoben aus Zylindern, Stehlampen aus einer Motorrad-Front oder Schlüsselbretter, gefertigt aus dem Heckspoiler eines 911-er Porsche. „Die Kunden haben oft illusorische Vorstellungen davon, wie viel ein Automöbel kosten darf“, so Schlund. Etliche Anfragen müsse er ablehnen, Anfragen von Interessenten, die bei Betten aus Schrott nicht gleich an eine größere Investition denken. Der Künstler selbst nächtigt natürlich auch automobil, in seinem VW-Käfer-Bett, feuerrot lackiert. Außerdem ziert ein grüner Mini-Cooper-Sessel seine Wohnung. Damit, so Schlund, soll es aber auch genug sein. Weitere Infos: www.automoebeldesign.de.

Quelle: Gerhard Prien