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Reisen

Albanien

Ausflug ins Land der Skipetaren! 2006

Die Sonne brennt am Himmel, in den grün besäumten Bergen direkt hinter uns stauen sich ein paar harmlose Quellwolken. Das kristallklare, blaue Meer schickt stetig kleine Wellen an den schier endlosen Kiesstrand. Wir schlürfen an unserem Kaffee und lassen unsere Blicke über den langen Strand schweifen.

So stellt sich wohl mancher seinen Urlaub in der Karibik oder der Südsee vor. Doch wir befinden uns mitten in Europa. In einem kleinen vergessenen Land - Albanien. Das Land der Skipetaren. Vergessen wurde dieses Land auf Grund der kommunistischen Regierung von Envar Hoxher. Er verstand es bestens, sein Land mit seiner Bevölkerung lange und vehement ruhig zu halten. Mit eiserner Hand und schätzungsweise ca. 700000 Bunkeranlagen, die nur teilweise vom Militär besetzt waren, schüchterte er das Volk fast 50 Jahre ein.

An unserem Strand erinnert nichts mehr an die schrecklichen Zeiten von damals. Es ist heiß und friedlich.
Die Albaner gelten als die Nachfahren der Illyrer, einem der ältesten Völker am Mittelmeer. Auf Grund dessen kann sich das Volk einer langen Geschichte nachsehen.
Ob nun die Griechen einmarschierten oder das osmanische Reich Albanien für 500 Jahre inne hatte.
Bekanntester Einwohner Albaniens dürfte der Volksheld Skanderberg aus dem 15. Jahrhundert sein. Wenigstens für kurze Zeit konnte er Teile Albaniens vor dem osmanischen Reich befreien. Aus seinem Familienwappen entstammt der schwarze, doppelköpfige Adler auf rotem Grund. Heute ist das die Nationalflagge Albaniens.
Im Vorfeld unserer Reisevorbereitungen wurden wir immer wieder gewarnt und darauf hingewiesen, wie gefährlich doch dieses Land sei!
Woher wussten sie das denn?
Wir haben jedenfalls feststellen müssen, das diesem Land kein guter Ruf vorauseilt!
Doch allen Warnungen zum Trotz, machte es uns eigentlich nur noch neugieriger auf dieses weitgehende unbekannte kleine Flecken Land am Mittelmeer.

Wir haben uns zwei alternative Einreisemöglichkeiten überlegt. Der eine Weg führt über Land durch Kroatien von Norden her über den Grenzübertritt Hani Hotti in das Land der Skipetaren.
Die entspanntere Alternative ist die Fährfahrt von Italien nach Griechenland. Dort wurde vor kurzem ein neuer Grenzübergang bei Kanispol, im südlichen Zipfel des Landes, eröffnet. Diesen wollen wir „testen“.

So packen wir unseren Unimog, versorgen unsren Hund mit den notwendigen Papieren und buchen die Fähre von Ancona aus. Wichtig war uns das „Camp on Bord“. Wegen unserer Mika eine prima Sache. Von Ancona aus beträgt die Fahrtzeit ca. 10 Stunden weniger als von Venedig. Der Hund ist zwar „seetauglich“, doch so eine lange Fahrt auf Schiff muteten wir ihr bis dato noch nicht zu.
Sie hat es prima gemeistert!

Der Hafen in Ancona ist gut ausgeschildert. 3 Std. vor Abfahrt checken wir ein und reihen uns gleich in die wartenden Fahrzeuge.
Nach Ankunft der Fähre wird die Ladung an Fahrzeugen schnell gelöscht und wir sind an der Reihe. Routiniert wird das Beladen binnen 2 Std. erledigt. Wir haben einen offenen Fensterplatz.
Rauhe See begleitet uns bis in die Morgenstunden.
Ein wolkenloser Morgen ist in Sicht als wir unsere Köpfe aus dem Seitenfenster unseres Aufbaus strecken. Wir frühstücken kurz und ehe wir uns versehen heißt es aus den Lautsprechern: „Alle an ihre Fahrzeuge, das Schiff legt gleich an!“

Hell blitzen die an der Meeresoberfläche reflektierenden Sonnenstrahlen. Der Hafen von Igoumenitsa liegt eher verlassen vor uns. Da es eine innereuropäische Fähre ist, fahren wir einfach aus dem dicken Bauch des Schiffes und orientieren uns Richtung Stadtmitte. Die ersten Cafés am Straßenrand locken mit frischem Kaffeeduft.

Mittlerweile packt uns eine merkwürdige Sehnsucht nach diesem unbekannten Albanien. Wir beschließen, uns nicht wirklich lange in Griechenland aufzuhalten und uns auf der Straße Richtung Grenze zu halten.
Ein breites Teerband schlängelt sich Richtung Norden, es ist dort kaum Verkehr auf dieser Straße.
Schilder weisen uns auf die überdachten Grenzgebäude.
Die Formalitäten sind relativ schnell abgewickelt.
Wir fahren weiter auf dieser breiten Teerstraße, rechter Hand befindet sich ein Duty-Free-Shop, danach ein riesiges Rondell.
Wir fahren weiter, biegen um die Ecke..........

Und stehen auf einem schmalen Feldweg im Nichts.
Einige Container reihen sich dem Weg entlang. Am Ende ist ein kleiner Schlagbaum auszumachen.
Momentan sind wir die einzigen, welche die Grenze passieren wollen. Wir werden auch schon erwartet, da wir schon von weitem zu sehen und zu hören sind. Wir fahren an die Container, die links und rechts der Straße stehen ein, und halten. Wir stehen offensichtlich nicht richtig. Wir werden angewiesen weiter, auf eine nur zu erahnende Haltelinie vorzufahren.

Ein Polizist spricht uns an: „Hallo, wie geht es ihnen“ wir sind verdutzt und grüßen ebenfalls.
Er bittet uns auszusteigen.
„Erstes mal?“ ist seine Frage. Schon führt er uns zu seinem Kollegen, bei dem wir pro Person 10,-€ loswerden.
Auch hier spricht man etwas deutsch. Die Konversation läuft sehr freundlich ab. Der Grenzer erklärt uns, dass unser Fahrzeug bei der Ausreise 2,-€ pro Tag für die Straßenbenutzung kosten wird.
Noch der Schlagbaum hindert uns 300 m hinter der Grenze an der Einfahrt. Noch einmal will ein Beamter unsere Pässe sehen, nur von außen und öffnet anschließend per Hand die Schranke.

Die Landschaft, in der wir uns befinden, ist so gut wie gar nicht besiedelt, hügelig, wild und rauh.
Feinste Schotterpiste führt uns direkt nach Butrint. Butrint ist eine große Ausgrabungsstätte, für albanische Verhältnisse sehr modern ausgestattet.
Eine Besichtigung der unterschiedlichsten Epochen der Geschichte des Landes ist sehr zu empfehlen.

Doch bevor wir zu der Ausgrabungsstätte kommen, müssen wir über einen langen Wasserarm. Eine Brücke fehlt jedoch gänzlich. Umso abenteuerlicher ist die Pontonfähre, die sich knirschend und ächzend am Stahlseil zu uns ans Ufer müht. 3,- Euro wird für unser Fahrzeug verlangt. Wir kommen in den Genuss alleine die 2minütige Überfahrt an zu treten. Unser Unimog ist einfach zu schwer um noch andere Fahrzeuge an Bord zu nehmen.
Einen anderen Weg als über diesen Kanal gibt es nicht. Wer in den Norden will, muß die Fähre nehmen. Was jedoch mehr als ein Vergnügen ist.

Mittlerweile fahren wir auf Teer und die Dörfer werden immer größer. Unzählige Baustellen und halb fertig gebaute Häuser wechseln sich mit dem bunten Treiben auf den Straßen ab.
Die nächst größte Stadt, stellen wir auf der Karte fest, heißt Sarande. Viele hochgebaute Hotels reihen sich den Straßen entlang und erkämpfen sich die beste Lage zum Strand. Sie unterscheidet sich kaum von anderen europäischen Mittelmeerstädten. Die Stadt ist sauber, es gibt mittlerweile genügend Banken und Bankautomaten um ganz bequem an die einheimische Währung Lek zu gelangen.
Sarande verlassend, wird die Hauptstraße immer mehr zur Küstenstraße. Eher eng, kurvig und teils im schlechten Zustand zeigt sie uns einen schönen Aussichtspunkt nach dem anderen.
Wir entdecken am Meer entlang immer wieder einsame Buchten und lange Strände. Es ist wie eine Einladung, der wir gerne folgen. Holperig und langsam kriechen wir Richtung dem mittlerweile rotglühendem Meer entgegen. Es ist ein Gefühl der absoluten Freiheit, die uns beflügelt. Es ist Strandromantik pur!

Mittlerweile ist es Nacht. Die Wellen brechen sich rauschend am Kieselstrand. Hier wollen wir erst einmal bleiben.
Wir machen es uns am Strand beim romantischem Schein der Petromax-Lampe und mitgeführtem Prosseco gemütlich.

Die Sterne funkeln über uns, die Brandung bricht sich weiterhin sanft am Kiesstrand. Uns geht es gut! Der Prosseco tut sein übriges zur allgemeinen Müdigkeit und wir sinken bald hundemüde in unsere Koje.

Am nächsten Tag, die Sonne brennt am Himmel, in den grün besäumten Bergen direkt hinter uns stauen sich ein paar harmlose Quellwolken. Das kristallklare, blaue Meer schickt stetig kleine Wellen an den schier endlosen Kiesstrand. Wir schlürfen an unserem Kaffee und lassen unsere Blicke über den langen Strand schweifen.So stellt sich wohl mancher seinen Urlaub in der Karibik oder der Südsee vor. Doch wir befinden uns mitten in Europa. In einem kleinen vergessenem Land - Albanien. Das Land der Skipetaren.
Wir genießen den Tag mit schwimmen, lesen und faulenzen. Zwei Tage sollte uns der Strand noch mit seiner Brandung, dem Duft von Salzwasser und Sonnenuntergängen verwöhnen.

Wir wollen weiter zu einem versteckten Campingplatz, der als absoluter Geheimtipp gilt. Dieser liegt nicht beschildert und wirklich versteckt in einer kleinen wildromantischen Bucht. Duschen und Verpflegung ist auch vorhanden.
Auf dem steilen Weg der Küstenpiste merken wir schon von weitem, dass irgendwas anders ist.
Irgendwas stimmt dort unten nicht.
Beim genaueren Hinsehen sind wir erst einmal geschockt. Das Hauptgebäude ist eingestürzt. Einzelne Mauersteine liegen wild durcheinander, die Terrasse ein einziges Trümmerfeld.
Die Duschkabinen wie abgeknickte Zündhölzer, alles war ruhig. Etwas unheimlich.

Als wir durch die Trümmerhaufen fahren erblicken wir eine Menschenseele. Das Gesicht war freundlich, die grauen Haare stehen etwas wirr vom Kopf.
Als wir ihn fragen, was passiert war, erwiedert er uns nur das Wort: “Policia“.
Warum? Soweit reichen unsere Verständigungsmöglichkeiten leider nicht. Wir fragen, ob es ein Problem sei, wenn wir hier eine Nacht bleiben würden. Er erwidert: „ska Problem“ kein Problem.
Denn die einsame Bucht hat von ihrer wildromantischen Schönheit gar nichts verloren.
Und am späten Nachmittag sitzen wir mit Derwish gemeinsam bei Kaffee und selbstgebrannten Raki.
Unser kleines Albanisch-Wörterbuch hilft uns zumindest ein kleines bisschen über die schweigsamen Minuten hinweg.

Wir fahren die Küstenstraße weiter entlang nach Himare, als uns schon wieder eine kleine Bucht, diesmal bestückt mit einer Herde Ziegen, zum Verweilen einlädt. Hier ist gerade ein Campingplatz nach europäischem Vorbild am Entstehen. In der Hauptsaison lässt sich ein gutes Geschäft für albanische Verhältnisse vermuten.Außer uns sind noch 2 weitere Badegäste anwesend. Diese beiden, der griechische Besitzer und wir 2 werden wieder zum Kaffee und ... natürlich Raki eingeladen.
Wir erfahren, dass Himare mehr und mehr in griechische Hände fällt. Hier lässt sich auch ein griechisches Rentnerleben durchaus versüßen.
Wir verabreden uns für abends in ein modernes Cafe in Himare, welches vom Sohn des einen Badegastes betrieben wird. Modern deshalb, weil dieser in Manchaster studiert hat und durchaus das Moderne nach Albanien bringt.

Wir beschließen den Hund in unserem Unimog zu lassen und die ca. 5 km nach Himare-Zentrum zu Fuss zu bewältigen. Ein weiteres Abenteuer, wie sich herausstellt. Begleitet von wilden, bellenden und kläffenden Hunden, in völliger Dunkelheit, Schlaglöcher und Abbruchkanten inklusive, erreichen wir das Cafe.
Bei Cola und Bier können wir die Menschen ein bisschen beobachten. Man kennt sich, begrüßt sich überschwänglich und jeder hat etwas Zeit für ein Schwätzchen.

Der Heimweg ist nicht weniger abenteuerlich. Der Verkehr hat abgenommen, dafür scheinen die Hunde mehr geworden zu sein. Irgendwie wirken sie auch näher.
Mika wartet bestimmt schon auf uns. Allerdings der nächtliche Wachhund des Campingplatzes auch. Mit lauten Gebell und flotten Bewegungen kommt er uns entgegen. Wir hören nur ein Pfiff vom Besitzer und alles hat sich wieder beruhigt
Wir wollen uns vom Meer verabschieden und in der Karte einen Pistenverlauf Richtung Landesinneren erkunden. Nach einigem Suchen finden wir schließlich den Abzweig im Dorf von der Küstenstraße. Schon nach kurzer Zeit hört der Teerbelag auf und wir schlängeln uns durch die enge Gasse bis zum Dorfende.
Die Piste wird breiter und bleibt geschottert. Vorbei an sprudelnden Quellen, teilweise durch dichte Wälder, abwechselnd mit saftigen grünen Wiesen. Die Region wird immer einsamer und immer schöner.
In der Abgeschiedenheit dieser Region stoßen wir schließlich auf ein Dorf.

Reges treiben auf dem Dorfplatz. Im Augenwinkel bemerken wir einen unformierten Dorfpolizisten. Wir schnallen uns augenblicklich an. Denn sogar in Albanien wird mittlerweile darauf geachtet. Doch es nutzt nichts. Der Polizist überholt uns mit seinem Motorrad und lässt uns schließlich mitten auf der Straße anhalten.

Ich kurbele das Fenster herunter und wir werden per Handschlag begrüßt.
Unser Hund ist pflichtbewusst und bellt was das Zeug hält. Nachdem wir Mika unter Kontrolle haben werden wir nach irgend was gefragt. Wir verstehen nur leider nichts. Dann fällt das Wort „Karta“! Horst zuckt die Landkarte und zeigt ihm unseren geplanten Weg.
Aber das meinte er wohl nicht. Sein Gesichtsausdruck zeigt deutlich, dass er unseren Weg wohl nicht wissen wollte.
Mittlerweile herrscht hinter uns ein lautes Hupkonzert und eine Menschentraube hat sich um unser Fahrzeug gebildet. Wild gestikulierend und diskutierend verhalten sich die Leute. Wir bahnen uns einen Weg an den Straßenrand.
Ein zweiter Mann nähert sich unsrem Fenster und hält uns eine Art Visitenkarte unter die Nase. Mit Passbild und Name. Schön. Doch wir können nichts davon verstehen.
Der Polizist redet wieder auf uns ein. Die einzigen Worte die wir dabei verstanden haben, waren: „Bum bum!“
Horst verneint vehement.
Der Sprachbarriere zum Trotz reden sie weiter auf uns ein. Doch lassen sie uns nach einer Weile wieder fahren. Wir werden sogar per Handschlag wieder verabschiedet. Das einzige was uns dabei klar geworden ist: Das hatte überhaupt nichts mit dem Anschnallen zu tun!

Mit einem komischen Gefühl im Bauch fahren wir noch ein gutes Stück weiter, bis wir ein Übernachtungsplatz gefunden haben. Wir fahren rückwärts in einen Feldweg und Host stellt den Motor ab. Als sich plötzlich ein Wagen nähert und sich vor die Ausfahrt stellt. Wie in einem alten Gangsterfilm öffnen sich alle Türen und es steigen 5 Männer in Anzug und Krawatte aus. Einige haben noch Sonnenbrillen auf andere ziehen sich die Hosen zurecht und zünden sich eine Zigarette an.
Ups!
Der Fahrer kommt zielstrebig mit der Hand unterm Jacket auf uns zu, während die anderen in gewissem Abstand folgen. Am Fahrerfenster angekommen zückt er einen Ausweis uns stellt sich mit „Policia Forrestale“ vor. Wir schlucken.
Auf englisch versuchen wir zu fragen, ob es denn verboten sei, hier zu übernachten?
Das einzigen was erwidert wurde war das Wort „Karta“.
Aha! Bereitwillig zückt Host wieder die Landkarte und erklärt ihm unser Vorhaben der nächsten Tage.
Doch auch diesem Herren scheint es egal zu sein wohin wir fahren. Er verlagt nach dem Passport und bekommt ihn auch. Nach kurzem Durchlesen gibt er ihn mit dem Wort „Controlla“ wieder zurück.

ha! Dieses Wort verstehen wir. Horst steigt aus und öffnet die Aufbautür. Der Hund übt pflichtbewusst seine Aufgabe aus und bellt aus Leibeskräften. Dem Polizisten scheint das überhaupt nicht zu beeindrucken. Er steigt die kurze Stiege hoch und blickt in den Aufbau.
Mit verwundertem Gesichtausdruck diskutiert er mit seinen Kollegen.
Er wendet sich wieder Horst zu und erwähnt die schon gehörten Worte: „Bum bum!“, unterstreicht seine Worte mit der eindeutigen Gestik des gekrümmten Zeigefingers!
Wieder nimmt Horst einen verneinende Körperhaltung ein.
Der Polizist läuft um das Fahrzeug und zeigt auf den leb- und mittlerweile farblos hängenden Gummigockel im Zugmaul unseres Unimogs!
Erstaunt kommt Horst dazu, greift nach dem Gummitier und drückt es ein paar mal kräftig. Das Resultat war ein sofortiges quiken aus dem Bauch des Gockels.
Im selben Augenblick wichen den 5 Herren die finsteren Minen. Sie blicken ganz verwundert und lachen.
Mit einem Mal wird auch uns nun wird einiges klar.

Man vermutete bei unserem Gummigockel eine Jagdtrophäe! Die Polizisten glaubten, dass wir zum Jagen nach Albanien gekommen sind und wollten unsere Jagderlaubnis sehen. Nicht unsere Landkarte.
Wo die Anspannung nun auf beiden Seiten gefallen ist war die Antwort auf unsere Frage bezüglich des Übernachtungsplatzes:„ska Problem!“

Wir wollen als nächstes zu Schwefelquellen bei Permet. Wir stellen uns alles mögliche vor, wie das dort aussehen mag. Wir sind sehr gespannt. Der Abzweig von der Straße schlängelt sich in ein Tal hinein. Erst breit führt er immer enger und unscheinbarer weiter hinein. Dieser Weg verdient die Bezeichnung „Offroad“.
Auf einmal öffnet sich vor uns dieses Tal. Dem Geruch nach zu urteilen sind wir am Ziel angekommen. Wir machen einige Dampfwolken aus, die sich mit dem Abenddunst vermischen. Der Fahrweg ist hier zu Ende. Eine mittelalterlich anmutende Steinbogenbrücke schmiegt sich harmonisch in das Landschaftsbild.

Diese kann man nur zu Fuß überqueren und führt den Läufer an ein mit Steinen natürlich eingefasstes Naturbecken. Dort sprudelt warmes Schwefelwasser und einige kleine Frösche haben es sich hier gemütlich gemacht. Entspannt lassen wir die Füße im Becken baumeln und genießen das herrlich warme Wasser. An den Geruch haben wir uns schon gewöhnt. Nur das mit dem Müll will man hier noch nicht ganz in den Griff bekommen.

Berat heißt unser nächstes Ziel. In unserem Reiseführer steht: Wer Berat nicht gesehen hat, hat Albanien nicht gesehen! Wir sind gespannt. Unser Weg entpuppt sich als wildromantische, ewig dauernde Höhenstraße. Natürlich geschottert und offroad vom Feinsten. Wir werden stetig mit Ausblicken besonderer Schönheit belohnt. Weite Flussauen und kunstvoll gestaltete Felder, die sich wie aus Luftaufnahmen präsentieren. Immer am Hang entlang. Natur pur, soweit das Auge reicht.

Wir übernachten in einem lichten Laubwäldchen auf der Passhöhe. Unerwartet bekommen wir Besuch. Jeden Tag fährt ein Linienbus, in Europa ausgemusterte Busse von ca. 1970, zwischen Berat und die zahlreichen Dörfchen. Ohne Allrad meistert der Fahrer Tag für Tag die Strecke. Als er uns bemerkt, hält er auch prompt an.

Viel will er von uns wissen. Mit ein bisschen italienisch, englisch und Händen und Füßen können wir uns einigermaßen verständigen. Was wir hier machen, will er wissen. Er kann nicht glauben, dass man in seinem Heimatland Urlaub machen will. Wo es hier doch gar nichts gibt. Eben – deswegen, meinen wir.
Sein größter Wunsch ist, dass seine Strecke nach Berat mit Teer bedeckt ist. So dass es für ihn nicht mehr so anstrengend ist diesen Weg zu meistern.
Das wir uns wünschen, dass diese Strecke so lange wie möglich Piste bleibt, behalten wir lieber für uns.

Der weitere Verlauf der Strecke führt noch lange durch die Berge. Und ein schöner Aussichtspunkt nach dem anderen wechseln sich ab.
Durch abgelegene kleinster Bergdörfer führt unser Weg. Ein Pulk von Eseln am Dorfeingang verrät uns, dass gerade Markttag ist. Trotz der Abgeschiedenheit nehmen Familien, Händler und dergleichen die Mühen auf sich, um Geschäfte zu machen, das nötigste an Nahrungsmittel und Grundausstattungen zu kaufen oder einfach sich mit Gleichgesinnten zum Kaffee treffen.
Wir bahnen uns langsam einen Weg durch das Getümmel. Keiner ist böse. Es wird gewunken und gegrüßt. Ein Gewirr an Stimmen und Geräuschen dringt in unser Fahrzeug.
Menschen kommen mit Eseln oder Maultieren und bringen noch Waren, während andere schon fündig wurden und weiter ziehen.

Nun säumen links und rechts des Weges immer mehr Häuschen und Baustellen unseren Weg. Es geht bergab und nach einigen Kurven blicken wir in einen Talkessel. Wie eine Käseglocke liegt Dunst über der pulsierenden Stadt Berat.
Envar Hoxar hatte Berat bei seiner sozialistischen Säuberung verschont. So sind hier noch Bauwerke aus mehreren Jahrhunderten erhalten. Nicht um sonst heißt es: Wer Berat nicht gesehen hat, hat Albanien nicht gesehen!“
Die Burg und ihre Mauern beherbergen heute noch viele hundert Menschen. Zur Zeit der Osmanen war der Burghügel ausschließlich der osmanischen Bevölkerung vorbehalten. Heute kann dort jeder wohnen, der es versteht sich auf Du und Du mit dem Nachbarn zu stellen. Durch die wunderschönen, mit unzähligen Fenstern gespikten Erkern, hat die Stadt auch ihren Namen erhalten. „Stadt der 1000 Fenster“!

Wir nutzen die Gelegenheit, Berat bei einem Einkaufsbummel kennen zu lernen. Gemüse kaufen wir auf dem Markt. Wir machen auch einen kleinen modernen Supermarkt aus, der sehr europäisch in der Einrichtung wirkt.
Beim Verpacken unserer Einkäufe im Unimog hält hinter uns ein Volvo. Eine seltenste Automarke in Albanien. Der Fahrer stellt sich auf Deutsch mit den Namen Ermali vor. Er beherrscht das Deutsch sehr gut. Er lädt uns zu sich in sein Restaurant auf einen Kaffee ein. Wir nehmen dankend an.

Das erste, was uns daraufhin angeboten wurde, war der Raki. Und da man Raki nicht einfach so trinkt, wird erst einmal der Tisch gedeckt. Ermali hat jahrelang in Griechenland in der Gastronomie gearbeitet, ist mit einer Schwedin verheiratet und hat es dadurch verstanden, sein Lokal sehr gepflogen und einladend zu gestalten. Es gibt leckere griechische Gerichte. Es wurde ein herrlicher Abend, an dem sehr viel erzählt und Erlebnisse ausgetauscht wurden.
Gegen später kommt eine Horde Polizisten in das Lokal. Wie sich herausstellt, ist der Kommandant sein Onkel. Wir werden von der Mannschaft freundlich begrüßt. Viele Touristen verirren sich noch nicht in Berat uns so sind wir natürlich eine kleine Sensation.
Sie haben heute Nachtschicht und kommen erst einmal zum Essen. Dabei fließt einiges an Raki, doch den Jungs scheint das nichts auszumachen.
Zur späteren Stunde bekommen wir ein einmaliges Erlebnis dargeboten.
Die Polizisten fangen an zu singen. Und zwar mehrstimmig bieten sie uns alte Volkslieder zum Besten. Wir sind begeistert. Schade dass wir nichts verstehen. Alle haben viel Spaß dabei.
Es war ein interessanter und herrlicher Abend. Uns wird noch zugesagt, dass sie mehrmals durch die Straße patroulieren werden, so dass wir ganz ohne Sorge neben dem Restaurant im Unimog schlafen können. Ermali, vielen Dank für alles!

Von Berat aus halten wir uns wieder in Richtung Mitte des Landes. Albanien ist zwar ein recht kleines Land, doch auf Grund der schlechten Straßen und der einmaligen Schönheiten, schaffen wir es nicht, gleichzeitig den Norden zu bereisen. So beschließen wir uns, noch mal abseits der Hauptstraße in die Berge zu fahren. Laut Karte steht uns eine Passüberquerung bevor.
Plötzlich kommen uns, schwer mit Holz beladene LKW´s entgegen. Da mittlerweile die Dämmerung hereinbricht, beschließen wir uns ein hübsches Übernachtungsplätzchen zu suchen. Es ist einfach zu gefährlich meterweise im Dunkeln rückwärts zu fahren, bis die schweren Laster an uns vorbei kommen können.
Bis spät in die Nacht fahren wagemutige junge Männer die schweren Brummis ohne oder nur mit spärlicher Beleuchtung Richtung Tal. Keuchend, quietschen und knirschend quälen sie sich Stück um Stück bergab.

Glänzend reflektieren die gelb, rot und braunleuchtenden Blätter der Laubwälder die strahlende Sonne am anderen Tag. Solche Bilder kennen wir nur aus Büchern über den Indian-Summer. Ganze Hänge mit dieser prächtigen Farbvielfalt verzaubern uns. Bei der Weiterfahrt kommt uns kein LKW mehr entgegen. Doch von weiten hört man Bäume zu Boden krachen. Je höher wir hinauffahren desto dichter werden nun die Wolken und ein paar Regentropfen kullern die Windschutzscheibe hinunter.
Innerhalb kürzester Zeit fängt es nun richtig zu regnen an und der Weg verwandelt sich in eine schmierige Rutschbahn.
Und dann passierte das, was wir uns nicht vorstellen mochten. Uns kam der erste, schwer beladene LKW entgegen. Schon eine ganze Weile kam keine Ausbuchtung oder Abzweig mehr! Uns bleibt nichts andres übrig als den Rückwärtsgang einzulegen und los geht’s. Langsam und behutsam lenkt Horst sein Fahrzeug Stück um Stück wieder den Berg hinunter - rückwärts!
Mehrere hundert Meter müssen wie dir schmale Strecke wieder zurück. Und es regnet weiter.
Endlich finden wir eine Stelle an der der Laster an uns vorbei ziehen kann.
Sie lachen und winken uns freundlich zu. Doch halten sie neben uns an. Als sie uns irgendwas entgegenrufen kurbeln auch wir unser Fenster herunter. Mit Händen und Füßen geben sie uns zu verstehen, dass die Straße wohl bald zu Ende sei. Na prima!
Wir beschließen den Tag und werden im strömenden Regen das Risiko nicht auf uns nehmen zu versuchen, irgendwie das andere Ende des Passes zu erreichen. Zumal uns immer wieder Holzlaster entgegenkommen.

Über Nacht beginnt es auf einmal zu schütten, das ist noch gelinde ausgedrückt. Es fängt an zu kübeln!
In anbetracht der Tatsache, dass der ausgetrocknete Boden in den steinigen Hängen nicht viel Wasser aufnimmt, war die Gefahr vorhanden an Hangrutschen vor dem Aus zu stehen. Also beschließen wir mitten in der Nacht, nicht erst am Morgen hinunter zu fahren. Jetzt gleich.
Eine Nachtfahrt ist eigentlich auf diesen Pisten nicht ratsam.
Die Pfützen die bei der Herfahrt zu sehen waren sind zu stattlichen Tümpeln angewachsen. „Aufregend“ meine ich, Horst findet es auch nicht weiter schlimm. Der Untergrund ist aufgeweicht, unter unserer Last schmiert der Boden ab.
Der Morgen begrüßt uns wieder mit gewohntem Sonnenschein. Wir machen auf der Karte eine andere Piste ausfindig, die sehr vielversprechend gekennzeichnet ist.
Wir genießen wieder die Landschaft und die Aussicht in die Bergwelt.
Schottrig und gemütliche kurven wir auf der Höhenstraße entlang, schlängeln uns durch dichte Laubwälder und überqueren kleine Bäche.
An einer Weggabelung biegen wir ab. In der Karte ist die folgende Piste als „landschaftlich schöne Straße“ gekennzeichnet. Wir sind gespannt.

Es wird nicht zuviel versprochen. Wir sind sprachlos. Ein ganz anderer Charakter der Landschaft begleitet uns. Die Konturen sind weicher, die Hügelformationen sind sanfter. Diese Piste soll uns direkt nach Tirana bringen, der Hauptstadt Albaniens.
Wir haben gehört, dass es ziemlich hektisch und chaotisch in Tirana zugehen soll. Wir wollen mitreden können und wagen dieses Abenteuer.
Schon aus der Ferne sehen wir dicken Nebel und Dunst über dieser lebendigen Stadt. Noch ruhig geht es durch die Vororte, die Bauten machen einen moderneren Eindruck. Und auf einmal stehen wir vor dem ersten „Nadelöhr“. Was für ein Geschiebe, Gedränge und Gehupe! Für Horst grenzt es fast an Streß. Die bestehenden Ampeln haben nicht wirklich eine zwingende Funktion. Die Polizisten, die auf den Kreuzungen stehen haben hier das Sagen. Einfach stehen zu bleiben, um z.B. einen Parkplatz zu suchen, ist nicht möglich. Wir werden durchgewunken, geschoben und angehupt.
Mit einem Mal öffnet sich unsere Straße und es geht von zwei Spuren sechsspurig auf den bekannten
Skanderbergplatz. Es geht flott weiter. Man wird förmlich mitgerissen. Trotz scheinbarem Chaos geht es zügig voran und durch gegenseitige Rücksichtnahme kommt es kaum zu Verkehrsunfällen.

Unser Weg führt wieder Richtung Küste. Über den bekannten Llogara-Paß. Herrlich kurvenreich hat man mit dem Spiel der Wolken einen grandiosen Ausblick auf das glitzernde Meer.
Unter uns bilden sich immer mehr Wolken zu einer dicken Suppe, während wir auf ca. 700m mit Sonne nur so verwöhnt werden. Hier bleiben wir um am nächsten Tag wieder hinunter zum Strand zu fahren.

Die Sonne brennt am Himmel, in den grün besäumten Bergen direkt hinter uns stauen sich ein paar harmlose Quellwolken. Das kristallklare, blaue Meer schickt stetig kleine Wellen an den schier endlosen Kiesstrand. Wir schlürfen an unserem Kaffee und lassen unsere Blicke über den langen Strand schweifen.
Gegend Abend sehen wir schon von weitem, dass ein Fahrzeug in unsere Richtung hält. Und tatsächlich. Es ist ein Angler der in der Abenddämmerung auf guten Fang hofft.
Und da die Albaner ja für ihre Freundlichkeit bekannt sind hat er uns 2 frisch gefangene Meerbrassen geschenkt. In Alufolie gegrillt schmeckten diese sehr köstlich.

Der letzte Tag wird mit faulenzen und baden abgerundet. Es war eine ereignisreiche Fahrt in einem ereignisreichen Land. Die Heimreise fällt uns schon ein bisschen schwer.
In Butrint setzen wir wieder mit der schnuckeligen Potonfärhe über und rollen Richtung Kanispol, wo wir auch wieder ausreisen werden.
Völlig unspektakulär gestaltet sich die Ausreise. Pro Tag werden uns nun vier Euro pro Tag abgeknöpft. Aber das finden wir in Ordnung.
Griechenland hat uns wieder.
Breit windet sich das makellose Teerband Richtung Meeresküste Igoumenitsa.





Schlusswort:

Albanien ist bemüht den Anschluss an den Rest Europas zu finden. Die wunderschöne Küstenstrasse wird stetig ausgebaut. Noch ist, vom Süden her bis Himare, die Strasse in ihrem ursprünglichen Zustand. Der Ausbau wird aber rasant fortgeführt. Hauptstrassen und wichtige Verbindungspisten werden geteert. Dennoch bleibt für einen absehbaren Zeitraum in den Bergen ein spektakuläres Schotterwege- uns Pistennetz erhalten.
Der Pauschaltourismus findet auch in Albanien Einzug.
Albanien darf als eines der letzten Abenteuer in Europa gelten. Frei zugänglich für Jedermann! Lediglich die Medien machten aus Albanien ein „Angstland“! Zu keiner Zeit unserer Reisen fühlten wir uns bedroht! Dabei waren wir größtenteils immer alleine unterwegs.