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Reisemobile/Sonstige

VW 60 Jahre Freizeitfahrzeuge

Volkswagen Nutzfahrzeuge

60 Jahre mobile Freizeit und Sonderwagenbau

Zur diesjährigen Techno Classica in Essen (vom 30. März bis 3. April 2011) blickt Volkswagen Nutzfahrzeuge auf sechs Jahrzehnte automobiles Reisen zurück und zeigt in Halle 7 gleich vier Bullis. Schon 1951 setzt die Campingbox im VW Bus den Startschuss zu einer Fahrzeuggattung, die ausziehen wird, um zunächst Europa, später die ganze Welt zu entdecken. Nicht weniger alt ist der Sonderwagenbau bei VW. Egal ob Feuerwehr, Polizei oder Krankenwagen, bereits früh entstehen im hauseigenen Servicecenter diverse Spezialfahrzeuge. Eines davon ist der unter einer Hecke gefundene, unrestaurierte Sanka (Sanitätskraftwagen) aus dem Jahre 1956.

Wir schreiben das Jahr 1951. Die Bundesrepublik Deutschland und die D-Mark sind drei Jahre alt. Arbeitslosigkeit, Kriegsgefangene und Wohnungsnot beherrschen die Schlagzeilen der Zeit. Auf der politischen Bühne bewegt sich Konrad Adenauer, "der Alte", als Bundeskanzler und Außenminister. Sein erster offizieller Staatsbesuch: eine Reise nach Italien. Vorreiter einer Massenbewegung? Nein, noch nicht! Einem Arbeiter von Volkswagen stehen zwei Wochen Urlaub zu. Er verbringt sie daheim, möglicherweise im eigenen Garten oder besucht vielleicht die erste IAA in Frankfurt. 

Deutschland steht am Anfang der Massenmotorisierung. Am Anfang der 1950er-Jahre kommt auf 100 Bundesbürger gerade mal ein Auto. Kein Wunder also, dass der Gedanke zur automobilen „Zweckentfremdung“ vorerst nicht in den eigenen Reihen reift. Vielmehr ist es ein britischer Offizier, der bei Westfalia eine Wohneinrichtung für seinen Volkswagen Transporter ordert: Die Campingbox. 1953 gibt es bereits eine Millionen Personenwagen in der Republik, die Absatzkurve steigt stetig an. Im Jahre 1957 nimmt Volkswagen den "VW-Campingwagen", wie er jetzt heißt, ins eigene Lieferprogramm auf. Den Ausbau gibt es weiterhin von Westfalia. Gerade mal weitere zwei Jahre später feiert man das erste Jubiläum: 1.000 Volkswagen Campingwagen.

Im Sommer 1967 präsentiert Volkswagen die neue Generation des Transporter. Vor allem die Amerikaner begeistern sich für das kompakte Freizeitfahrzeug aus Germany. Er passt in die Zeit der Hippies und Blumenkinder. 1969 verlässt der 50.000-te Campingbus das Band, zwei Jahre später rollt bereits der 100.000-te vom Band. Ab 1976 gibt es den Campingbus mit dem Namen Berlin, er nimmt bereits den mittlerweile schon "klassischen" Grundriss des heutigen California vorweg. Klapp-Schlafbank im Heck, links auf der Fahrerseite Küchenzeile und Kleiderschrank, Kühlschrank, Spüle und Kocher.

Die dritte Generation gewinnt in jeder Beziehung an Format und wächst in Höhe und Breite. Ausbauer Nummer eins bleibt Westfalia, das herausragende Campingfahrzeug der achtziger Jahre ist der Joker. Aber er ist alles andere als billig. Mit einem dicken Rotstift und einer deutlich größeren Serienproduktion in Aussicht speckt die Ausstattung des Joker 1988 von Volkswagen ab. Erfolg dieser Diät: Ein Einstiegspreis von nur 39.900 Mark. Der Name des neuen Campingbusses: California.

Im Sommer 1990 präsentiert Volkswagen auf dem Messegelände in Hannover den neuen Transporter, den T4. Volkswagen bricht mit allen Traditionen: Motor und Antrieb sind vorn, das quer eingebaute Triebwerk mit Getriebe ruhen unter einer kurzen Haube. Zwei Jahre nach dem Start wird das Programm der Reisemobile um California Coach (kurzer Radstand) und die langen Varianten California Tour und California Club mit unterschiedlichen Grundrissen ergänzt. 1994 kommt ein drittes, halbhohes Dach ins Programm. Gleichzeitig startet der California Exclusive mit langem Radstand und Hochdach.

Die Wachablösung erfolgt 2003, mit dem neuen Transporter setzt Volkswagen Nutzfahrzeuge auch auf den werkseigenen Bau des Reisemobils. Fortan entsteht der California in Hannover. Der bewährte Grundriss bleibt bestehen. Einzig die Variationsvielfalt reduziert sich auf die meistgebaute Variante mit Aufstelldach. Eine Version mit Hochdach wird 2005 ins Programm aufgenommen. Auffällig ist das neue Interieur auf Pkw-Niveau. Das aus Alu-Sandwich-Platten gebaute Mobiliar wirkt mit geschwungenen Formen modern und hebt sich damit wohlwollend von den bis dahin bekannten „Schreinerlösungen“ ab. 

Noch vielfältiger ist die Entwicklung der Krankentransportfahrzeuge. So wirken die ersten Fahrzeuge zur medizinischen Erstversorgung nicht weniger rustikal wie seinerzeit die Campingbox. Einen kleinen Einblick gibt der unrestaurierte Sanka aus dem Jahre 1956, der seiner Innereien zwar beraubt ist, aber dennoch gut zeigt, mit welch vergleichbar einfachen Mitteln gut zehn Jahre nach dem zweiten Weltkrieg Leben gerettet wurde. 


Quelle: Gedrhard Prien