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Reisemobile/Sonstige

VW T1 der Reisebus

Der Reise-Bus

So kann es gehen im Leben. Man will eine Gleichung mit drei Unbekannten lösen und lernt die neue Freundin kennen, möchte ein Bier trinken gehen und sitzt schließlich im Kino – oder man will einen 5-er BMW kaufen und landet bei dem ewig gesuchten Traumwagen, einem VW Bus T1. So ging es Michael Brandt aus Schwerin, dem Geschäftsführer des Reiseportals Kurzurlaub.de.

Der schneeweiße 5-er mit bayerischen Genen war eigentlich als Familienwagen gedacht. Im Sommer 2012 stand er in Mannheim zum Verkauf. Vier Jahre alt, mit gerade mal 60.000 Kilometer auf der Uhr. Nach 600 Kilometern Fahrt von Schwerin stand Brandt in Mannheim vor einem Wagen mit Brandlöchern in den Sitzen, einem verkratzten Innenraum, Schlieren im Lack. Kurz: Er stand vor einem ungepflegten Wagen – und den wollte Brandt nun wirklich nicht (mehr) kaufen. Im Mietwagen und mit reichlich mieser Laune machte er sich zurück auf den Weg nach Schwerin. Dort angekommen, schaute er sich im Internet nach seinem eigentlichen Traumwagen um. Nach einem VW Bus der ersten Modellreihe, einem T1. Den fand er dann auch, in feuerrot und in der Preisklasse des runtergerittenen BMW. Damit begann für Brandt ein schwerer Kampf. Der Familienvater sah weiterhin eine Familienkutsche – doch da gab es noch die Stimme, die dafür plädierte, den T1 zu kaufen. Vielleicht wäre es ja die vielzitierte „einmalige Chance“. Und ein würdiger Nachfolger des T4, der Brandt beim Umbau seines Hauses treue Dienste geleistet hatte, aber inzwischen nur noch die Funktion eines Baustellenfahrzeuges erfüllte.

Also ging Brandt im August 2010 wieder auf die Reise, diesmal ins Ruhrgebiet. Dort wartete ein bereits restaurierter und in mattem Feuerrot lackierter T1, der nach seiner Erstzulassung im Jahre 1959 lange Zeit bei Löscheinsätzen der Feuerwehr im Dienst war. Schon die Probefahrt ist eine Offenbarung. Zwar hat der Bus keine Servolenkung, aber statt des serienmäßigen Motors lauert ein kräftiger T2-Motor mit rund 65 Pferdchen hinter der Motorraum-Klappe. Der Kauf des Busses stellte sich bereits auf der Heimfahrt als absolut richtige Entscheidung heraus. Brandet uns – noch mehr – sein T1 waren die Stars der Straße. Schließlich ist der VW Bus der ersten Generation mittlerweile ein absolutes Kultfahrzeug. Das beweist sein Einsatz in diversen Werbespots und in der Printwerbung. Jeder kennt den T1 und verbindet positive Assoziationen mit dem Oldtimer. Freiheit und Abenteuer, Meer und Berge, Freizeit und – Urlaub. Bei Brandt fiel der Groschen – oder der Cent. Und es war rasch klar: Der VW Bus kommt als BUSiness-Mobil zwischen Katalogen und Messeständen zum Einsatz, als Showfahrzeug und neues, rollendes Maskottchen von Kurzurlaub.de. Doch bevor dieser Traum in Erfüllung ging, gab es noch einiges zu tun.

Eine der drängenden Fragen: Wie kommt die Urlaubsstimmung, passend zum T1 und seiner historischen Ausstrahlung, auf den Bulli? Sprich: Welches Motiv ist passend? Etliche Skizzen wurden entworfen – und verworfen. Zu schrill, zu neuzeitlich, zu bunt, zu schrill, zu unpassend. Als – im wörtlichen wie im übertragenen Sinne – passend stellten sich dann Werbemotive aus den 1950-er und 60-er Jahren, aus der Blütezeit des T1, heraus. Dann kam der Hinweis auf Danny, einen Airbrusher und Inhaber und Gründer von Schrammwerk. Und Danny hatte den Bus sogar schon mal in den Fingern gehabt - und ihn bereits auf einem VW Treffen mit Pinstripes, per Hand mit dem Pinsel gezogenen Linien, verschönert. Aber schon das erste Treffen mit ihm hat es in sich. „Klar, das kriegen wir hin“, so Dannys erste Reaktion. Er zückt ohne Vorwarnung das Schleifpapier. „Finger weg“, schreitet Brandt ein. „Der Lack bleibt dran.“ Der Künstler sieht das anders, er könne auf den matten Lack gar nichts sprühen. „Wenn es ein Meisterwerk werden soll, dann muss die Lackierung ab.“ Tage später kommt der rettende Anruf. Endlich. „Moin, hier ist Danny. Ich habe eine Idee. Ich pinsele es einfach drauf, zeichne das Motiv mit einem Pinsel auf den Bus. Das müsste gehen.“ Die „Pinsel-Idee“ sollte sich als grandios herausstellen und wie gemacht für ein Retro-Motiv. Danny hat den Kurzurlaub mit all seinen Emotionen im Stil der 1950-er Jahre auf die Karosse des Oldtimers gezeichnet, ohne den Lack und damit den Charme der ehemals roten Feuerwehr anzukratzen. Die Karosserie des Busses hatte also ihr Aussehen im Retro-Look – doch auch im Innenraum musste dringend noch etwas geschehen.

Zu einem richtigen „Reise-Bus“ gehören nun mal eine Lounge Bar, Hightech-Ausstattung vom Feinsten und etwas Gemütlichkeit. Das alles musste irgendwie unter ein Bus-Dach zu kriegen sein. Eine echte Herausforderung. Schließlich wollen ein iPad für die Navigation, ein Mac Mini mit Tastatur und Drucker sowie LED-Monitore und diverse Anschlüsse für Zusatzgeräte irgendwo untergebracht werden. Als ideal stellte sich eine Konsole zwischen Fahrerbank und Rückraum heraus; die gesamte Technik ist dezent und beinahe unsichtbar verbaut. Installiert hat die komplexe Technik BS Car Audio ais Bad Oldesloe. Alex und sein Team verbauten diverse Akkus und -zig Meter Kabel, eine 12-Volt-Anlage, ein Alpine-Marine-Radio, diverse Endstufen, den Mac Mini auf 12 Volt Basis und das iPad und USB-Anschlüsse in den Seitenkonsolen. Drei Flachbild-Monitore passten in die Türen und fanden damit, ebenso wie ein Megaphon, ihren Weg in den Bus.

Für den gemütlichen Teil, etwa bei Messebesuchen, musste das Heck herhalten. Zwei Mini-Kühlschränke sorgen für wohltemperierte Getränke, dazu gibt es diverse Gläser in eigenen Halterungen, indirekte Beleuchtung, einen Holzfußboden, einen Tisch und Sitzgelegenheiten. Fertig ist die lauschige Cocktailbar.

Geklärt werden musste jetzt noch die Farbe des Sitzleders. Mit hellem Alcantara – Farbe: Helios – wirkt der Innenraum des T1 deutlich größer. Für die Sitzgelegenheiten wird Nappaleder in den Farben Naturbraun, Helios und Terra in Karos aufgeteilt. Jetzt sollte nur noch das Rot der Wagenfarbe irgendwo, irgendwie auftauchen. Aber woher kommt das kräftige Feuerwehr-Rot? Von Lamborghini, denn dort wird das Rot verwendet. Schließlich gehört auch die legendäre italienische Marke inzwischen zur VW-Familie – ebenso wie der „Reise“-Bus.

Informationen zum Fahrzeug

Modell: T1

Ehemaliges Feuerwehr-Sonderfahrzeug

Spitzname: Bulli

Baujahr: 1959

Motorart: Benziner, 1.500 ccm Hubraum, Leistung ca. 65 PS