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Reisemobile/Sonstige

TSL

Der Garagenwagen:

Rockwood Classic Royal 1100 QB/SO

Ja, es ist ein Reisemobil, eindeutig. Auch wenn man das dem in Blau-Silber-Metallic lackierten MAN TGA 18.400, geziert von einem Chrom-Bügel mit vier mächtigen Scheinwerfern auf dem Fahrerhausdach ganz weit oben, nicht auf den ersten Blick ansieht. Gut 3,70 Meter ist er hoch, satte 2,55 Meter breit, obendrein gute elf Meter lang. Fast ebenso lang wie das (T)Raumschiff ist seine Modellbezeichnung ausgefallen: Rockwood Classic Royal 1100 QB/SO heißt das gute Stück. Werfen wir einen zweiten Blick auf – und in - das Schiff.

Gebaut hat die Landyacht, die auf einem Campingplatz vermutlich für massives Aufesehen und den ein oder anderen akuten Neidanfall sorgen dürfte, das rund 20-köpfige Team um Jürgen Landsberg. Der lässt mit seiner Firma TSL in der Nähe der ehemaligen Bundeshauptstadt Bonn seit rund zwei Jahrzehnten mobile Träume wahr werden. Und diese fallen meist etwas üppiger aus, in jeder Hinsicht etwas größer als normalerweise üblich. So ist es auch beim 1100er Royal, der mit „Camping“ so viel zu tun hat wie ein Walfisch mit einem Zierfisch im heimischen Aquarium.

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Der künftige Fahrer braucht auf alle Fälle einen Lkw-Führerschein, der „normale“, der zum Lenken eines schnöden Pkw berechtigt, tut es hier nicht. Für Landsbergs Kunden ist das in der Regel kein Problem, denn viele kommen aus dem Speditionsgewerbe und verfügen bereits über die Lkw-Fahrerlaubnis. Und wenn nicht, dann wird der Führerschein eben schnell gemacht, in einer Ferien-Fahrschule sind die Kunden in einer Woche damit durch. Und meist dann sehr erleichtert, dass sie den schweren Brocken dann auch legal bewegen dürfen. Denn der Royal wiegt leer bereits schlappe 13,5 Tonnen, so ungefähr. Hier kommt es ja nicht aufs Kilo an. Denn der Rockwood hat ja andererseits auch ein zulässiges Gesamtgewicht von achtzehn Tonnen, da bleibt noch hinreichend Luft für das umfangreiche Reisegepäck, inklusive der Abendgarderobe für festliche Anlässe. Und für die Füllung der Tanks – auch die sind, wie könnte es anders sein, reichlich dimensioniert. Der Frischwassertank fasst (die Fahrer von ausgebauten Kastenwagen sollten jetzt vielleicht besser nicht weiter lesen, oder ganz, ganz stark sein) runde 600 Liter, das langt dann auch schon mal für ausgedehntes längeres Duschvergnügen. In den Abwassertank passen 300 Liter (der Fäkaltank mit seinen 200 Litern Inhalt sei am Rande erwähnt), obendrein gibt es einen 116 Liter fassenden Gastank. Die Sorge um eine mitten in der Nacht entleerte Gasflasche dürfte damit der Vergangenheit angehören. Beim Volltanken des Kraftstofftanks freut sich jeder Tankwart ein Loch in den Bauch: 400 Liter Diesel gluckern rein, ehe der Tank gefüllt ist. Das dauert seine Zeit, da kann es schon fast einmal passieren, dass noch während des Tankvorgangs der Mineralöl-Konzern den Dieselpreis erhöht. Insgesamt kommt der Classic Rockwood also, wenn alle Tanks gefüllt sind, auf mehr als anderthalb Tonnen Flüssigkeiten und Brennstoffe an Bord.

Aus dem Kraftstoffreservoir (Tank klingt doch irgendwie so schnöde und profan, bei dem Volumen) holt sich ein Selbstzünder der Bauart „groß und mächtig“ seinen Treibstoff, mehr als Maßkrug-groß ist jeder seiner sechs Zylinder. Insgesamt bringt es das Antriebsaggregat auf schlappe 10,5 Liter Hubraum, in der unromatischen und technisch-nüchternen Einheit kW bringt es der Selbstzünder auf 294 – was runden 400 Pferdestärken entspricht und in dieser Form und mit der schön runden Zahl ja auch erheblich besser klingt und mehr Emotionen weckt. Ganz gut hören sich auch die weiteren Daten der MAN-Basis an: 16 Gänge, EBS, ABS, ASR, Klimaanlage fürs Fahrerhaus, Luftfederung vorne und hinten, Hebe- und Senkvorrichtung, Intarder, Differenzialsperre an der Hinterachse, hydraulische Hubstützen und eine Anhängekupplung – falls mal der Platz im Fahrzeug nicht reicht, kann man noch einen Anhänger mitnehmen – bietet der MAN. So ausgestattet kommt schon alleine das Basisfahrzeug auf den Preis eines familientauglichen Reisemobils der Mittelklasse. Runde 65.500,- Euro (plus Mehrwertsteuer) sind für den MAN TGA 18.440 fällig. Obendrauf kommen noch die Kosten für die Verlängerung des Fahrzeug-Chassis von neun auf elf Meter, und ein bisschen Technik so hier und da. Etwa CB-Funk, Navigationssystem plus Monitor sowie Rückfahrkamera plus Monitor, montiert am bzw. im Armaturenbrett im Wurzelholzdesign. Da war doch noch was, ach ja, der komplette Auf- und Ausbau. Der kommt ja auch noch dazu.

Der Aufbau ist in GfK-Sandwichbauweise erstellt, mit 50 mm Wandstärke (Bodenplatte 60, im Dachbereich gar satte 120 mm), dazu gibt’s Thermo-Doppelglasfenster. Die Ver- und Entsorgungstanks liegen – gut beheizt – im Doppelboden, Wintercamping ist also absolut problemlos möglich. Die großzügig dimensionierten Unterflur-Stauräume sind übrigens allesamt beleuchtet.

Jetzt aber rein in die gute Stube, zu betreten über eine mittig angeordnete Einstiegstür auf der Beifahrerseite – und die beiden Türen des Fahrerhauses natürlich. Der Wohnbereich ist für bis zu vier Urlauber ausgelegt, auch wenn das Fahrzeug künftig hauptsächlich vom Eigner-Paar genutzt werden wird. Das darf dann während der Fahrt im Fahrerhaus des MAN auf luftgefederten, beheizbaren und mit Lendenwirbelstützen versehenen Sitzen Platz nehmen, zwei weitere drehbare Sessel stehen auf der Beifahrerseite für Mitreisende zur Verfügung. Zwischen den beiden Sitzgelegenheiten ist auch der Tisch installiert, hinter dem Fahrersitz ein Kühlschrank – für Getränkenachschub während der Fahrt. Nach hinten geht es übrigens ohne störenden Übergang oder Stolperfalle, der Fußboden der Wohnkabine liegt auf gleichem Niveau wie der Boden des Fahrerhauses.

Platz da: Der Erker

Für die größere Vorratshaltung steht „mittschiffs“, links der Einstiegstür, ein 175 Liter fassender Kühlschrank plus 31 Liter Frosterfach bereit. Das langt locker für etliche Tage Vorratshaltung. Die winkelförmig gestaltete Küche – in der selbst eine Spülmaschine nicht fehlt – liegt gegenüber auf der Fahrerseite. Was gibt’s ansonsten für Koch oder Köchin? Dreiflamm-Gaskocher, Mikrowelle mit Grill- und Backfunktion, alles wie Zuhause. Nein, doch nicht so ganz. Denn der komplette Küchenbereich fährt, plus einem sich ans Fahrerhaus anschließenden Längssofa, gegenüber der Sitzgruppe mit dem zwei Pilotensesseln, auf Knopfdruck leise summend aus. Wer hat das schon im Eigenheim? Aufpreis für den Raum schaffenden Erker: Runde 8.000,- Euro. Für das Geld gibt es den zusätzlichen Platz im Wohnbereich – und auch für die nächtliche Ruhe. Denn falls es doch mal mit vier Personen auf Tour geht finden hier nämlich zwei Mitreisende auf dem Sofa Platz; es lässt sich zu einer Schlaffläche von 190 x 120 cm ausklappen. Das dürfte für die Enkel ganz locker reichen, wenn die in den Ferien mal mit den Großeltern in Urlaub fahren wollen. Jürgen Landsberg über den Erker: „Der schafft Platz im Fahrzeug, auch unsere Kunden sehen das so. Mittlerweile gibt es kaum ein Fahrzeug, das wir ohne Erker ausliefern. Beliebt sind sie etwa im Bereich der Sitzgruppe, wir realisieren aber auch ausfahrbare Kleiderschränke. Wenn die ausfahren schaffen sie Platz für einen bequemen Durchgang. Selbst mehrere Erker sind an einem Fahrzeug machbar.“ Das dürfte dann so richtig Platz schaffen – aber rund elf mal zweieinhalb Meter Fläche, wie beim Classic Royal 1100, bieten ja auch schon ein wenig Raum, zum Reisen, und Leben.

Klar gegliederte Funktionsbereiche

Der Wohnbereich und die Küche lassen sich zum Fahrzeug-Heck hin per Schiebetür abtrennen. Ausgesprochen praktisch, denn so entstehen räumlich eindeutig und klar getrennte Funktionsbereiche. Direkt hinter der trennenden Tür liegt der Sanitärbereich. Rechts der Tür ist das Porzellan-Spül-WC montiert, links die halbrunde Runddusche mit großer, durchsichtiger Duschabtrennung, mittig im Fahrzeug findet sich ein großer Waschtisch mit Spiegelschränken und reichlich Stauraum drum herum. Rechts und links des Waschtischs geht es in Richtung Schlafgemach, hier sind deckenhohe Kleiderschränke und – auf der Beifahrerseite – gar eine Waschmaschine installiert. Der Durchgang fällt beidseitig ein wenig schmal aus, vom Kunden so gewollt. Das ermöglicht einerseits ein üppig ausgefallenes Längsbett im Heck, 200 x 160 cm Liegefläche sind reichlich bemessen. Unter dem Heckbett findet das motorisierte „Beiboot“ Platz. Auch das fällt ein wenig größer aus als die Fahrräder, oder Motorroller, die üblicherweise zum Brötchenholen und den Ausflug in die nächste Stadt im Reisemobil mitgeführt werden. Im Falle des Classic Royal wird per Seilwinde ein Fiat Panda mit Allradantrieb an Bord gezogen. Heckklappe auf, Schienen verlegen, Fahrzeug rein oder raus fahren. Die Schau in Tüten, umstehende Passanten sind jedes Mal platt bei dem Schauspiel. Die Kosten für Garage, Seilwinde, Auffahrschiene und Garagentor: Runde 15.000,- Euro. Ach ja, ohne den Panda übrigens. Der geht extra, das fällt aber nicht weiter ins Gewicht. Nicht nur preislich, sondern - bei rund vier bis viereinhalb Tonnen Zuladung des Reisemobils – auch vom tatsächlichen Gewicht her.

Doch der Panda ist ohnehin nur das bekannte Tüpfelchen auf dem viel zitierten „I“. Die Kunden, die zu Jürgen Landsberg nach Swisttal-Heimerzheim kommen, suchen das Besondere. Etwa im Möbelbau. Den erledigen für TSL Amerikaner, in Massivholz. „Da ist nichts furniert“, so erklärt der Chef stolz und mit echter Begeisterung, „alles echt, alles massiv“. Bis hin zu den Fensterrahmen ist alles in Birke hell Massivholz gearbeitet, in handwerklich gekonnter Ausführung, ohne Fehl und Tadel. Per Mail gehen die Zeichnungen in die USA, dort werden sie dann akkurat gefertigt und verpackt, per Container kommen die Möbel nach Deutschland. „Die Zusammenarbeit klappt schon seit langen Jahren super“, so Landsberg. Und auch – oder gerade – wegen dieser Möbel kommen die Kunden zur 1987 gegründeten Firma TSL nach Swisttal-Heimerzheim, in die Nähe von Bonn.

Die Preise dürfen die potenziellen Interessenten nicht schrecken, Sie sind, ebenso wie die Fahrzeuge, außergewöhnlich. Im Falle des gut elf Meter langen Royal Classic 1100 werden 259.000,- Euro als Grundpreis aufgerufen; beim Testwagen steigerten einige Extras die Gesamtsumme auf genau 438.923,60 Euro. Es war eben schon immer etwas teurer, ein besonderes Fahrzeug bewegen zu können.

Quelle: Gerhard Prien