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Reisemobile/Sonstige

Dethleffs Evan

Van-tastisch

Etwas zurückhaltender als in früheren Jahren zeigen sich die Hersteller von Reisemobilen auf der Stuttgarter CMT 2012. Die Zahl der Neuheiten ist nicht mehr ganz so groß wie sie es einmal war – die wirklich überraschenden Innovationen sind eher selten. Eine davon: Der „Evan“ von Dethleffs.

Okay, noch ist der „Evan“ eine (allerdings bereits recht seriennahe) Studie. Wie man vom Hersteller aus Isny hört, will Dethleffs mit dem Evan zunächst einmal das Interesse potenzieller Kunden testen. Die Allgäuer zeigen sich optimistisch und selbstbewusst. Sie sehen die Fahrzeugstudie gar als Fahrzeug, das ein neues Segment begründen könnte. Und haben damit möglicherweise nicht einmal unrecht. So sieht es auch der Designer des Evan, Michael Studer, der seit zehn Jahren exklusiv für Dethleffs Freizeitfahrzeuge entwirft. Studer erfüllte sich mit dieser Innovation ganz nebenbei einen höchst persönlichen Wunsch. Der Designer ist fest davon überzeugt, dass die Zeit für ein neues Fahrzeug-Konzept reif ist. Studers Zielvorstellung: „Ein flexibles, kompaktes Fahrzeug, dass die Vorteile unterschiedlicher Reisemobilkonzepte miteinander kombiniert.“ Mit diesem Anspruch hat Studer ein kompaktes und zeitgemäß multifunktionales Fahrzeug entworfen, das irgendwo zwischen kompakten Campingbussen und Reisemobilen mit eigenem Wohnaufbau angesiedelt ist. Studer zu seinem neuen Mobilitätsanspruch: „Für mich heißt Reisemobil, reisen zu können und mobil zu sein. Mobil auf der Reise - und im Alltag.“

Für die Alltagstauglichkeit sprechen die kompakten Abmessungen. Der auf der Basis des Fiat Ducato (Radstand: 3.450 mm) aufbauende Evan ist gerade mal 565 Zentimeter lang, 215 cm breit und 275 Zentimeter hoch. Damit ist er recht handlich geraten. Für ordentliche Fahrleistungen sorgt ein Dreiliter-Diesel mit 6-Gang-Handschaltung, der muntere 177 Pferdchen traben lässt. Sportlich wirkt der Evan durch Reifen der Dimension 255/55 R 18, aufgezogen auf 18 Zoll-Felgen.

In Stuttgart steht der Evan in einer Zweifarb-Lackierung, in schwarz und silber, mit einem farblich nicht ganz glücklich gewählten Zierstreifen, der mit seinem Holzton ein wenig deplaziert wirkt. Aber die äußere Gestaltung des kantig gezeichneten Mobils kann man für die Serie ja noch mal überarbeiten. Die Form an sich ist zwar nicht besonders futuristisch, aber praxisorientiert. Die Front mit der geschwungenen Scheinwerferpartie, dem LED-Tagfahrlicht und dem freundlich „grinsenden“ Kühlergrill bildet einen gelungenen Kontrast zum eher wie mit dem Lineal gezeichneten Heck, das geschwungene Linien und schmale Rückleuchtenkörper auflockern. Auffallend am Evan sind seine große Hecktür und die mittig angeordnete Einstiegstür in den Wohnbereich.

Zur Alltagstauglichkeit gehören sechs Sitzplätze, verteilt auf drei Sitzreihen. Im Wohnbereich gibt es für die Mitfahrer längs – und teilweise auch quer – verschiebbare Einzelsitze. Die hinteren Einzelsessel sind ordentlich konturiert und bieten damit ausreichend Seitenhalt, zudem lassen sich die Lehnen in der Neigung verstellen. Fahrer und Beifahrer gelangen über je eine eigene Tür zu ihren Sitzplätzen. Der Grundriss des Evan ist so geschnitten, dass voluminöses und langes Ladegut – oder auch Sportgerät – im Innenraum verstaut werden kann. Zurrschienen sorgen für die sichere Fixierung der Ladung.

Links der Hecktür ist der in zwei Stufen erweiterbare Toilettenraum angeordnet, der über ein herausnehmbares Porta Porti, Waschbecken und Duschmöglichkeit verfügt; rechts der Hecktür ist ein deckenhoher Heckschrank untergebracht. Bei größerem Platzbedarf – etwa auf der Urlaubsreise - erweitert ein Faltregal das Stauraumangebot. Zur Front hin schließt sich auf der Beifahrerseite der Küchenblock mit 135 cm breiter Arbeitsfläche an, ausgestattet mit Spüle und zwei Kochern, die per Gaskartusche befeuert werden und auch im Freien nutzbar sind. Das Frischwasservolumen liegt bei 40 plus 15 Litern, der Abwassertank fasst 90 Liter. Griffgünstig hochgesetzt findet der 88 Liter fassende Kühlschrank seinen Platz auf der Fahrerseite zwischen dem Sanitärabteil und den vier Einzelsitzen der Sitzgruppe.

Der Evan bietet vier Schlafplätze, zwei davon im vom Fahrerhausdach absenkbaren Hubbett, das eine Liegefläche von rund 190 x 150 cm aufweisen soll. Ein Aufstelldach bietet eine weitere Schlafstatt mit einer Größe von 205 x 142 cm. Der Knüller der zwei Liegestätten: Sie stehen ohne aufwändigen Umbau der Sitzgruppe zur Verfügung. Damit der Evan auch in der kälteren Jahreszeit genutzt werden kann, ist unterflur eine Diesel-betriebene Heizung verbaut.

Mit der Mischung aus Elementen eines Integrierten - wie dem Wohnaufbau und dem absenkbaren Hubbett - und Komponenten eines Campingbusses – wie dem Aufstelldach – hat der Evan durchaus Chancen auf dem Markt. Seine Flexibilität könnte ihn zu einem vielfältig nutzbaren Fahrzeug für Urlaub, Freizeit und Beruf machen.

Quelle: Gerhard Prien