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Reisemobile/Sonstige

Auszubildende bei Hymercar Projekt "Lady Camper"

Zugegeben, es ist ein ungewöhnliches - aber gerade deswegen auch höchst reizvolles - Vorhaben. Ein Dutzend junger Frauen, die beim Caravan- und Reisemobil-Hersteller Hymer ihre Ausbildung absolvieren, entwickeln völlig eigenständig ein Reisemobil. Im revolutionären Azubi-Projekt aus Bad Waldsee werden Verbesserungsvorschläge und Ideen von zwölf jungen Frauen gesammelt - und von der Planung bis zur Realisierung in einem Hymercar Cape Town auf Basis des VW T5 auch umgesetzt.

Oft ist ja die Rede von einer so genannten Schnaps-Idee, wenn es um ausgefallene Einfälle geht. Bei Hymers "Lady Camper" hingegen war absolut kein Alkohol im Spiel. Laura Blank, bei Hymer in der Ausbildung zur Industriekauffrau, sammelte ihre weiblichen Auzubi-Kolleginnen um sich. Denn ihr war aufgefallen, dass die holde Weiblichkeit bei der Konzeption und Ausstattung von Caravans und Reisemobilen ein klein wenig stiefmütterlich behandelt wird. Und das, obwohl seit Generationen, ach was, schon seit Jahrhunderten und Jahrtausenden das schöne Geschlecht wahre Heerscharen von Philosophen und Verhaltenforscher, Soziologen und Modemachern beschäftigt und um den Verstand bringt. Etliche Frauen-Magazine, Kosmetik-Konzerne und Mode-Unternehmen leben bis heute von "der Frau" - und ihrem Bedürfnis "gut" auszussehen.

Frauen, ihre Kleider, ihre Schuhe, ihre Kosmetik - für Männer ist das offenbar immer noch ein Buch mit sieben Siegeln. Und eines der letzten großen Rätsel der Menschheit. Nicht "nur" im Zusammenleben zwischen Mann und Frau. Auch in Freizeit-Fahrzeugen, so scheint es, wird hier und da etwas zu wenig an den weiblichen Teil der Besatzung gedacht. Das kann man ändern, dachten sich Laura Blank und ihre Kolleginnen in Bad Waldsee.

"Wir trafen uns dann öfter mal und sprachen darüber, was uns als Frauen beim Campen und auf Reisen besonders wichtig ist. Bei den Treffen wurde dann natürlich auch besprochen, was aus unserer Sicht bei der Ausstattung der Fahrzeuge und ihrer Einrichtung verbessert werden könnte", erzählt die 22-jährige. Es gab etliche Vorschläge, im Laufe der Zeit kam eine höchst umfangreiche Ideen-Sammlung zusammen. Die stieß auch bei Rainer Buck und Marcus Metzler, beide vom Geschäftsbereich Hymercar, auf großes Interesse. Die Herren zeigten sich äußerst angetan von der Idee der weiblichen Azubis und positiv überrascht von deren Ideen.

Rainer Buck, Leiter des Geschäftsbereichs Hymercar: "Ich bin jetzt seit gut 25 Jahren im Hause, aber ein derartiges Engagement unserer Auszubildenden, und dann auch noch in diesem Umfang, das habe ich bisher noch nie erlebt". Viel Herzblut und Verstand haben die jungen Frauen investiert, aus ihrer Idee wurde dann ziemlich rasch ein echtes und höchst "reales" Projekt. Denn Buck und Metzler schlugen vor, einfach mal so zu tun, als gelte es ein neues Modell zu entwickeln, das dann auch in Serie gehen soll.

Zwölf junge Frauen im Alter von 18 bis 25 Jahren, die bei Hymer unterschiedlichste Ausbildungen - etwa als Produktdesignerin oder Industriekauffrau - absolvieren, sind an dem Projekt beteiligt. Mit dessen Leitung wurde Laura Blank betraut. Seit Ende 2014 haben die jungen Frauen nun einen Hymercar Cape Town auf Basis eines Volkswagen T5 in der Mache. Von der Ideenfindung bis zur Umsetzung der einzelnen Entwicklungsschritte liegen alle Arbeiten in zarter, weiblicher Hand. Rainer Buck und Marcus Metzler halten sich dezent im Hintergrund, stehen als Ansprechpartner jedoch jederzeit zur Verfügung.

Nicole Kibler, derzeit bei Hymer in der Ausbildung zur Industriekauffrau: "Zunächst haben wir uns mal das Ausgangsfahrzeug ganz genau angesehen". Beim anschauen blieb es jedoch nicht. Das Team unternahm auch einige Testfahrten mit dem Cape Town. So konnten im Praxis-Test nicht nur Defizite aufgespürt und weitere Einfälle gesammelt werden, obendrein haben die Test-Fahrten auch Spaß gemacht. "Wir haben dann geschaut, welche Vorschläge sich auch umsetzen lassen. Und dann bekam jede von uns ihre ganz speziellen Aufgaben zugewiesen", so Nicole Kibler. Die reichen von der Konstruktion per CAD bis zur Fertigung von Möbeln in der Schreinerei, reichen von der Suche nach Lieferanten, dem Einholen von Angeboten über die Kostenkalkulation bis zur Budgetüberwachung und Organisation von Projekt-Meetings.

Bis zur Ravensburger Bildungsmesse Anfang Februar 2015 soll der "Lady Camper" fertig sein und erstmals öffentlich präsentiert werden. Verraten sei bereits jetzt, dass die jungen Frauen sich mehr Staumöglichkeiten für - wen wundert's - Schuhe, Taschen, Schmuck und Schminkutensilien wünschen. Allzu überkandideltes Pläusch- und Rüschen-Styling wird man jedoch vermutlich nicht im "Lady Camper" sehen. Wohl eher praxisgerechte Details, die auch den Männern Respakt abnötigen dürften.

Ganz ohne einen ziemlich deutlichen Hinweis auf seine Ideen-Geberinnen kommt der Cape Town als "Lady Camper" natürlich nicht aus. Als Emblem für das Logo, das künftig den Kühlergrill des Hymercar zieren wird, kommt ein stilisierter High Heel zum Einsatz. Was auch sonst?

Text: Gerhard Prien, Foto: Hymercar