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Reisemobile/Basisfahrzeuge

Citan im Wintertest

Citan, der neue Stadtlieferwagen von Mercedes-Benz

Als Kastenwagen, Kombi und Mixto wird der neue Stadtlieferwagen von Mercedes-Benz, der Citan, ab Herbst 2012 in verschiedenen Längen- und Gewichtsvarianten angeboten. Mit dem Citan – einer Wortschöpfung, welche die Begriffe „City“ und „Titan“ kombiniert – erweitert Mercedes-Benz seine Transporterfamilie um eine zusätzliche Baureihe in der unteren Gewichtsklasse.

Galt das Segment der Small Vans bis Mitte der 1990-er Jahre noch als Nischenmarkt, ist es heute auf rund 700.000 europaweit verkaufte Einheiten angewachsen. In diesem Marktbereich will Mercedes-Benz Vans mit dem Citan, bei dem ESP zur Grundausstattung gehört, künftig einen Anteil von vier bis fünf Prozent erreichen. Potenzielle Kunden für den in Kooperation mit Renault gefertigten Stadtlieferwagen sehen die Schwaben im Dienstleistungbereich sowie bei Handel und Gewerbe. Beim Antrieb setzt Mercedes auf ein breites Programm von Diesel- und Ottomotoren – inklusive BlueEFFICIENCY-Paket. In Planung ist außerdem eine Version mit Elektro-Antrieb.

Vor Markteinführung muss sich der Citan seinen Stern jedoch erst noch verdienen. Etwa bei Wintertest-Prüfungen, bei denen Karosserie, Interieur, Antrieb und Fahrwerk zahlreichen Erprobungen bei eisigen Temperaturen unterziehen müssen. Bis zu minus 40 Grad Celsius, meterhoher Schnee links und rechts der Straßen, Schnee auf der Strecke, nur wenige Stunden Tageslicht, das ist der raue Winter in Nordschweden. Hier, unweit des Polarkreises, testet Mercedes-Benz Vans seit Jahrzehnten jedes neue Modell – und jetzt auch den Citan. In Arjeplog, einem kleinen Ort, hat Mercedes-Benz ein hermetisch abgeriegeltes, eigenes Prüfzentrum mit Werkstätten, Büros und Teststrecken eingerichtet. Der neue Stadtlieferwagen musste sich hier und auf weiteren Testpisten auf einem benachbarten See, auf einer anspruchsvollen Bergstrecke sowie bei Fahrten auf öffentlichen Straßen bewähren.

Getestet wurden das Kaltstartverhalten, Heizung und Lüftung, die Sitzheizung und die Entfrostung der Windschutzscheibe. Mercedes prüft auch das Materialverhalten bei extremen Temperaturen: Wie reagieren etwa die Türdichtungen? Denn bei eisiger Kälte verspröden Kunststoffe, sie können brechen oder reißen. Bei sich überlappenden Materialien treten unter Umständen Knarrgeräusche auf.

Das skandinavische Testzentrum ist mit seinen Eisflächen auch der richtige Ort, um Fahrwerk-Regelsysteme zu prüfen und abzustimmen. ESP ist beim Citan serienmäßig an Bord. Für den Citan gibt es ein ganzes Bündel an Regelsystemen, dazu gehören Antiblockiersystem, Antriebsschlupfregelung, Antriebs- und Bremsmomentregelung, Motorschleppregelung, Untersteuerkontrolle oder Rollmomentintervention. Alle wurden an Bord getarnter Versuchsfahrzeuge mit Messgeräten und Laptop intensiv getestet. Auf dem werkseigenen Testgelände in Arjeplog gibt es dafür etwa Strecken mit zehn, 15 und 20 Prozent Steigung: Auf der einen Seite belegt mit griffigem beheiztem Asphalt, auf der anderen Seite bedeckt von blankpoliertem Eis. Fachleute sprechen von µ-split, also von unterschiedlichen Reibbeiwerten links und rechts; Bedingungen, unter denen der Citan anfahren und ebenfalls heil hinunter kommen können muss. Pisten mit festgefahrener Schneedecke oder eine lange Bremsfläche mit einseitig griffigem Belag stehen für Bremstests aus hohen Geschwindigkeiten zur Verfügung.

Auf einem nahe gelegenen zugefrorenen See präparieren einheimische Profis – die Icemaker – exakt definierte Strecken, etwa eine Kreisbahn mit 500 Meter Durchmesser, außen schneebedeckt, in der Mitte aufgerauhtes Eis, innen spiegelblank poliert. Hier muss der Citan ebenso Grip und Fahrverhalten beweisen wie auf unterschiedlichen Handlingstrecken mit weiten und engen Kurven.

Die Geschäftsführung von Mercedes-Benz Vans machte sich im Norden von Schweden persönlich ein Bild von den Ergebnissen des diesjährigen Wintertestprogramms. Volker Mornhinweg, der Van-Chef, diskutierte dabei nicht nur die Testergebnisse und die daraus abzuleitenden Maßnahmen mit den Entwicklungsingenieuren, sondern testete selbst. Zwei Tage war er im eiskalten Arjeplog im Citan unterwegs – und er zeigt beeindruckt: „Unser neues Fahrwerk und unsere Regelsysteme sind mittlerweile perfekt auf einander abgestimmt. Das merkt man sowohl auf den verschiedenen Handlingkursen wie auch beim Anfahren und Bremsen. Mit den Änderunge im Interieur bin ich ebenfalls höchst zufrieden – sowohl in puncto Heizung, Lüftung und Klimatisierung als auch bezüglich der robusten Materialauswahl“. Und Mornhinweg ergänzt: „Der Citan ist nach allen Erprobungen und Arbeit unserer Entwicklungsingenieure nun ein echter Mercedes-Benz. Und damit reif für die Serie.“