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Motorrad/Enduro

BMW R 1200 GS 2013

Rad-Dampfer: Die neue BMW R 1200 GS

Sie ist wahrscheinlich die beliebteste Reise-Enduro weltweit: Die R 1200 GS von BMW. Jetzt hat BMW den Bestseller mit Boxermotor für das Modelljahr 2013 mehr als gründlich überarbeitet.

Das Dickschiff ist für die Weiß-Blauen die Cash-Cow im Programm. Mit der R 80 G/S startete BMW im Jahre 1980 den Verkauf eines Motorrads für Straße und Gelände. In den folgenden Jahren etablierten sich die Bikes als eine Art "SUV" auf zwei Rädern zunehmend im Markt, weit vor den Wettbewerbern. Die bisherige R 1200 GS, die ab 2004 verkauft wurde, schlug dann gleich alle Rekorde. Mehr als 170.000 Exemplare wurden seit Markteinführung auf allen Kontinenten unter's fahrende Volk gebracht, damit ist die große GS die meistverkaufte Reise-Enduro - weltweit. Und für BMW damit entsprechend wichtig.

Kein Wunder, dass die neue GS von der Fangemeinde mit großer Spannung erwartet wurde. Dies um so mehr, als sie nach gut neun Jahrzehnten der erste Boxermotor von BMW sein wird, der mit Wasserkühlung zum Kunden kommt. Trotz Kühlung mit Wasser wird auch der Fahrtwind immer noch gebraucht, die neue 1200-er GS ist luft-/wassergekühlt und hat also auch künftig noch Kühlrippen. Unverändert bleibt - mit nach wie vor 1.170 ccm - auch der Hubraum des Zweizylinder-Boxermotors, die Leistung konnte von 110 auf muntere 125 Pferchen gesteigert werden. Dazu gibt es bei einer Drehzahl von 6.500 U/min (und damit 500 U/min höher als beim Vorgänger) ein maximales Drehmoment von 125 Nm - ohne Einbruch im Drehzahlbereich zwischen 5.- und 6.000 Touren.

Dank Wasserkühlung hält der moderne Boxer die künftig relevanten Grenzwerte bei Abgas und Geräuschemissionen ein. Das alles schafft der Motor mit 95-oktanigem Super, dem Antriebsaggregat des Vorgängers musste aus dem Tank Super Plus mit 98 Oktan spendiert werden. Gewöhnen müssen sich die Treiber der neuen Groß-Enduro von BMW allerdings an eine veränderte Optik des Motors. Die resultiert nicht nur aus der Wasserkühlung, sondern auch aus der veränderten Führung des Auspuffs. Bisher liefen die meist blau gefärbten Krümmer optisch dominant vor den Zylindern, beim neuen Modell werden sie unten in Richtung des Schalldämpfers geleitet. Der ist recht voluminös geraten, über das umfangreiche Zubehörprogramm bietet BMW als Alternative einen Pott von Akrapovic an. Die beiden Wasserkühler fallen kaum auf, sie sitzen unter den Verkleidungsteilen der neuen GS. Und noch eine weitere Änderung haben die Ingenieure dem Boxer-Bike mit auf den Weg gegeben: Der Sekundärantrieb mit der Kardanwelle liegt jetzt auf der linken Seite des Motorrads.

Der Normverbrauch der neuen GS liegt bei 5,6 Liter für eine Fahrstrecke von 100 Kilometern, bei einem Tankinhalt von unverändert 20 Litern sind damit anständig bemessene Reichweiten ohne Nachtanken drin. Gut für die Langstrecke, die Domäne einer Groß-Enduro. Diesem Einsatzzweck haben die Ingenieure von BMW auch an anderer Stelle Rechnung getragen. Die Fahrersitzbank ist nicht nur in der Höhe (Sitzhöhe zwischen 850 und 870 Millimeter) verstellbar, sondern auch in der Neigung. Das Sitzkissen für den Mitreisenden auf dem Soziusplatz kann in Längsrichtung verschoben werden, so lässt es sich enger aufeinander "hocken" oder auch mit etwas größerem Abstand. Wer alleine unterwegs ist, kann die Sozius-Fußrasten einfach demontieren.

Zugelegt hat die große GS beim Gewicht. Gegenüber dem Vorgängermodell bringt sie mit 238 Kilogramm (inklusive serienmäßigem BMW Motorrad Integral ABS, E-Gas und elektronischer Geschwindigkeitsregelung) fahrfertig vier Kilo mehr auf die Waage. Das ist mehr als akzeptabel in Anbetracht der verbauten neuen Technik und ein Resultat der konsequent betriebenen Gewichtsreduzierung. Dennoch, ein Leichtgewicht ist die neue GS sicher nicht.

Erstmals kommt jetzt bei einer GS ein E-Gas-System zum Einsatz. Ein Sensor des Gasdrehgriffs gibt die Befehle des Fahrers an die Motorsteuerung weiter, diese steuert die Drosselklappe entsprechend elektronisch an. Dosierbarkeit und Ansprechverhalten wurden somit verbessert. Obendrein hat der Fahrer die Möglichkeit, die Motorcharakteristik anhand von fünf Fahrmodi (Sonderausstattung) an die jeweiligen Fahrsituationen anzupassen. Die frei wählbaren fünf Fahrmodi („Rain“, „Road“, „Dynamic, „Enduro“ und „Enduro Pro“) sind mit drei unterschiedlichen E-Gas-Abstimmungen und damit Motorcharakteristiken hinterlegt. Daran gekoppelt ist auch die Automatische Stabilitätskontrolle ASC (Automatic Stability Control) mit spezieller Endurokonfiguration. Ordert der Kunde diese Sonderausstattung, sind auch ABS, ASC und - wenn vorhanden - das semiaktive Fahrwerk auf die jeweiligen Einsatzprofile dieser fünf Modi abgestimmt. Das neue semiaktive Fahrwerk BMW Motorrad Dynamic ESA (Electronic Suspension Adjustment) erfasst über je einen Federwegsensor vorne und hinten mehrere Parameter, darunter die senkrechte Bewegung der jeweiligen Radführung, und stellt automatisch die Dämpfung in Abhängigkeit von Fahrzustand und Fahrmanövern auf die ermittelten Gegebenheiten ein. Dabei erfolgt die Anpassung der Dämpfung vorne und hinten über elektrisch angesteuerte Regelventile. Auf Wunsch ist auch eine elektronische Geschwindigkeitsregelung lieferbar.

Die neue GS ist darüber hinaus weltweit das erste Motorrad, das ab Werk mit LED-Hauptscheinwerfer mit integriertem Tagfahrlicht (als Sonderausstattung) angeboten wird. Das neu entwickelte Windschild bietet besseren Wind- und Wetterschutz bei gleichzeitig verringerten Windgeräuschen. Die Verstellung geschieht über ein Einstellrad rechts vom Cockpit und ist damit dummerweise von der Gashand zu bedienen.

Optisch ist der Reisedampfer mit dem blau-weißen Markenemblem immer noch unverkennbar eine GS. Die Umrisse und Konturen ähneln denen der Vorgängerin, das Design wurde eher moderat überarbeitet. Die neue GS ist stylischer, wirkt dynamischer, bleibt aber unverkennbar eine Groß-Enduro von BMW. Unverwechselbar eben. Die GS bleibt eine GS, auch mit Wasserkühlung. Man muss kein Prophet sein, um auch der neuen 1200-er in ihrem Segment weiterhin gute bis beste Verkaufszahlen zu prognostizieren. Sie wird, wie schon ihre Vorgänger, an den entlegensten Winkel unserer Welt auftauchen. Vier Farben - Alpinweiß uni, Racingred uni, Bluefire uni und Thundergrey metallic - stehen zur Auswahl. Bleiben noch die Preise: Die R 1200 GS Advente ist mit 15.600 Euro gelistet, die R 1200 GS Adventure Triple Black kostet 15.760 Euro und für die R 1200 GS Adventure „90 Jahre BMW Motorrad” muss der Kunde 15.950 Euro locker machen.

Quelle: Gerhard Prien