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Motorrad/Elektro

KTM präsentiert Elektromotorrad

Kleiner Stromer

Bisher haben etablierte Motorrad-Firmen den Einstieg in den Markt der Elektro-Bikes nicht so richtig vollziehen wollen. Dafür sei es noch zu früh, die Teile seien zu unzuverlässig, die Marktchancen zu gering – und was der Argumente mehr sein mögen. Bisher bieten lediglich kleine Hersteller, etwa Zero und Bremma aus den USA, E-Bikes an. Zu Preisen ab umgerechnet rund 5.600 Euro. Aber jetzt preschen die Österreicher vor, als einer der großen Motorrad-Hersteller hat KTM erste Elektro-Bikes avisiert.

Gleich zwei – serienreife - sportliche Modelle mit Akkuantrieb stellten die Mattighofener ausgerechnet auf der Tokyo Motorcycle Show 2010, im Land der vier großen Motorrad-Firmen, unter der Bezeichnung „Freeride“ vor. Die Supermoto- und auch die Enduro-Version treibt eine zum Patent angemeldete und gekapselte Batterie-Motor-Kombination an. Eigentlich ist es kein Wunder, dass KTM ausgerechnet jetzt den Eintritt in den ein wenig riskanten, da noch neuen und unbekannten Markt der Elektromotorrädern wagt. KTM ist Spezialist für die Segmente Offroad, Supermoto und sportliche Bikes. Das Unternehmen wirbt mit dem Slogan „Ready to Race“ und hat ein gutes Image als Seriengewinner in der Motorradwertung der Rallye Dakar. Mit diesem Hintergrund kann man keinen Elektro-Roller präsentieren. Andererseits laufen auch für KTM die Geschäfte, wie bei allen anderen Motorrad-Herstellern auch, na ja, sagen wir mal: suboptimal. Da schaut man sich dann schon mal nach neuen Kunden und Käuferschichten um und denkt über Diversifizierung nach. Dieses Nachdenken hält bei KTM schon etwas länger an. Denn der Motorradhersteller aus Österreich zeigte schon im Oktober 2008 einen Crosser mit Elektroantrieb. Zugegeben, „damals“ waren noch viele Fachleute der Auffassung, es handele sich um einen Marketing-Gag, eine kleine Fingerübung der Mattighofener Ingenieure. Daneben getippt.

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Schon im kommenden Jahr will KTM die Supermoto und die Enduro mit Elektroantrieb bauen. Ab Frühjahr 2011 sollen beide Modelle zu kaufen sein, für die Supermoto soll eine Straßenzulassung möglich sein. Die Geländemaschine soll deutlich leiser als ein herkömmliches Motorrad sein, und völlig emissionsfrei dazu. Der Vorstandsvorsitzende von KTM, Stefan Pierer, sieht die Situation recht eindeutig: „Emissionsfreie Fortbewegung mit dem Motorrad bringt kurzfristig vor allem für den Offroad-Sport neue Impulse und eröffnet völlig frische Perspektiven, deshalb sind wir hier in doppelter Hinsicht gefragt". Er setzt auf die E-Strategie und erhofft sich - neben einer deutlichen reduzierten Geräuschkulisse bei Elektro-Rennen und damit eine deutlich bessere Akzeptanz für stadtnahe Enduro- und Motocross-Strecken: – vor allem neue Rennklassen. „Wenn die Anwendung des Sportgerätes lautlos näher an 'zu Hause' rückt, können neue Zielgruppen erschlossen werden." Pierer gibt eine mutige Prognose ab und schätzt, dass über einen Zeitraum von zehn Jahren rund ein Drittel der Enduro-Maschinen von Elektromotoren vorangetrieben werden dürfte.

Die Supermoto soll wie auch die Geländeversion von einem Block aus Lithium-Ionen-Batterien, der für die Stromversorgung zuständig ist, angetrieben werden. Für gut 45 Minuten fahrt soll der „Saft“ des Akku-Packs ausreichen, dann muss der Akku etwa 90 Minuten aufgeladen werden. Rund 500 Ladungen sind derzeit laut KTM realisierbar, was etwa dem normalen Lebenszyklus eines Enduro-Motorrades entsprechen soll. Der E-Motor dürfte bereits ab 500 Umdrehungen pro Minute für ein Drehmoment von 45 Nm gut sein, der E-Motor soll bis zu 22 kW / 30 PS bringen. Damit sollen einer 125 ccm-Zweitakt-Maschine vergleichbare Fahrleistungen realisiert werden können. Bei einem Fahrzeuggewicht von gerade mal 90 Kilogramm müsste eine Spitzengeschwindigkeit von rund 70 km/h locker zu realisieren sein. Für die Steuerung sorgt ein Drive-by-Wire-System. Das leitet in Verbindung mit einem eigens entwickelten Controller die Impulse elektronisch an den Motor. Erstmals setzt KTM in einem Paket gekoppelt eine EInheit von Akku und elektrischem Synchronmotor ein. Die Kombination soll die speziell bei Cross-Maschinen üblichen Verschleiß-, Schmutz- und Wasser-Probleme deutlich reduzieren.

KTM positioniert sich mit den Freeride-Modellen deutlich abseits der großen japanischen Hersteller. Die setzen, wenn überhaupt, auf den Roller-Markt. BMW denkt über ein eigenes, langfristiges "Elektro-Konzept für die urbane Mobilität" nach. Der Wettbewerb dürfte eher in Firmen wie den amerikanischen Herstellern Brammo oder Zero liegen. Beim Preis könnte die KTM den US-Modellen Paroli bieten. Er soll bei unter 10.000 Euro liegen, und damit auf dem Preisniveau einer konventionellen Sport-Enduro von KTM. Weitere Infos: www.ktmfreeride.com! (Stand: April 2010)

Quelle: Gerhard Prien