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Morgan Plus E

Über-Morgan

„The factory“ präsentiert in Genf den Elektro-Roadster Plus E

Ab und an ist man doch verblüfft. Bentley versucht sich an einem SUV, und die altehrwürdige „Factory“ aus dem britischen Malvern Link setzt auf Elektro-Antrieb. Und zeigt auf dem Genfer Automobil-Salon 2012 den Plus E, einen „stromernden“ Roadster, der wie ein Plus 8 ausschaut.

Manches ist einfacher, in einer kleinen Firma, in der nicht erst Controller und Marketing-Menschen über alle Pläne erst mal brüten – und langwierige Entscheidungsprozesse in Gang setzen - müssen. In Malvern geht so was ganz einfach, wie Technikchef Steve Morris sagt. Bei Morgan wollte man wissen, ob und wie viel Spaß ein elektrisch betriebener Sportwagen machen kann. „Wir haben einen gebaut, um es herauszufinden", so Morris.

Die Basis war da, in Gestalt des Plus 8, den mittlerweile in seiner Neuauflage ein weiß-blauer V8 mit 4,8 Litern Hubraum von BMW antreibt. Satte 367 Pferde lässt der bayerische Benzinmotor antraben, da hören sich die 70 kW / 95 PS des Elektromotors von Zytek beim „E“ vergleichsweise harmlos aus. Bei einem Blick aufs Drehmoment sieht das schon anders aus, hier bringt es der E immerhin auf 300 Nm. Vom Start an. Zum Vergleich: Der Vau-Acht bringt es auf 490 Nm. Mit 1.250 Kilogramm ist der Plus E rund 150 Kilogramm schwerer als der Plus 8. Die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h ist etwas schlechter, statt 4,5 Sekunden wie der Benziner braucht der E-Roadster rund sechs Sekunden bis zum Erreichen des Landstraßen-Tempos. In der Spitze bleibt der Strom-betriebene Roadster mit 185 km/h deutlich gegenüber dem mit Benzin befeuerten Modell zurück, das eine Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h schafft. Aber wie sagt Technikchef Steve Morris: „Der Plus E verbindet traditionelle Optik mit einer High-Tech-Konstruktion und einem Antrieb, der bei jeder Geschwindigkeit spontan reichlich Drehmoment zur Verfügung stellt." Recht hat er. Und damit der Fahrspaß nicht auf der Strecke bleibt, hat Morgan dem Plus E sogar ein Fünfgang-Getriebe spendiert. Auch wenn der E-Motor das eigentlich nicht gebraucht hätte. Aber das Fünfgang-Getriebe war halt ohnehin vorhanden, und passte auch zusammen mit dem E-Motor noch unter die klassisch-schöne Karosserie mit ihren geschwungenen Linien. Außerdem ist man bei Morgan davon überzeugt, dass die kurze Übersetzung in den unteren Gängen (nicht nur) sportlichen Fahrern mehr Spaß am Fahren bereiten dürfte. Und Zytek-Chefmanager Neil Heslington ergänzt: „Ein Mehrgang-Getriebe macht es dem E-Motor möglich, häufiger in seinem 'Sweet Spot' zu laufen. Dabei wird - besonders bei hohen Geschwindigkeiten – weniger Energie benötigt“. Etwas kurios ist, dass der Fahrer im Plus E die Kupplung zwar zum Schalten, aber nicht beim Anfahren braucht. Das steckt der Elektromotor völlig klaglos weg.

Lohn der Mühen, die sich die Factory gemacht hat: Eine Reichweite von rund 200 Kilometern und ein CO2-Ausstoß von 0,0 g/km. Und ein Morgan, der per Stromkabel betankt wird – es ist mehr als ein Gag, dass der entsprechende Anschluss dort liegt, wo üblicherweise der Tankstutzen verbaut ist.

Quelle: Gerhard Prien