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Isdera Autobahnkurier 116i

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Isdera Autobahnkurier 116i

Erinnern Sie sich an Isdera? Etwa an den legendären Mercedes CW 311 aus dem Spielfilm „Car-Napping“? Nach Nr. 036, dem konsequenten Spyder, nach dem Isdera Imperator 108i mit Achtzylinder und Flügeltüren und dem Isdera Commendatore 112i, dem eleganten, bis zu 348 km/h schnellen Supersportwagen folgt die Nummer 116. Bei Isdera ist es Tradition, dass man die Anzahl der Zylinder an der Konstruktionsnummer ablesen kann. Folglich wird der Isdera Autobahnkurier 116i von insgesamt 16 (in Worten: sechzehn!!!) Zylindern angetrieben.

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Schon Ende der 70-er Jahre des vergangenen Jahrhunderts reift im Kopf von Eberhard Schulz, dem Gründer des Ingenierbüros für Styling, Design und Racing (kurz: Isdera), die Idee für ein ungewöhnliches und extrem leistungsfähiges Automobil. Im Stil der 1930-er Jahre soll ein 2+1-sitziger Sportwagen entstehen, der im Design die klassische Stromlinienform aufgreift. Geplant ist ein zweisitziges Coupé mit einem zusätzlichen Notsitz quer zur Fahrtrichtung, ähnlich wie bei der Mercedes 280 SL Pagode. Mit der Konstruktion beginnt man bei Isdera im Jahre 1998. Durch zahlreiche Fremdaufträge für die Automobilindustrie und die steigende Nachfrage nach den eigenen Isdera Sportwagen wird die Realisierung des Autobahnkurier 116 i immer wieder verschoben. Sehr zum Leidwesen seines Schöpfers.

Erst nach Jahren kann sich das Isdera-Team um Eberhard Schulz wieder dem 116i widmen. Zwischenzeitlich verlegt das Unternehmen den Firmensitz vom schwäbischen Warmbronn ins niedersächsische Hildesheim, und damit in den Geburtsort von Schulz.

Formal unterscheidet sich der Autobahnkurier 116i schon auf den ersten Blick von seinen Geschwistern. Die sorgen mit ihren Flügeltüren und futuristischen Formen überall wo sie auftauchen für großes Aufsehen. Der 116i mit den geteilten Heckfenstern und der großen Heckfinne ist hingegen eine Hommage an vergangene Zeiten, an die automobilen Formen der 1930-er Jahre. Zwischen den großen, freistehenden Scheinwerfern thront, wie bei Rolls-Royce-Art, auf dem Kühler das Markenzeichen von Isdera, ein flügelschwingender Adler.

Im Lastenheft standen nur wenige, aber dafür eindeutige Vorgaben. Etwa die Realisierung eines absolut stilechten Designs der Streamline-Aera, verbunden mit den technischen Komponenten eines Mercedes W 126. Sprich: Die Ausstrahlung der 30-er Jahre in Verbindung mit den Annehmlichkeiten moderner, zuverlässiger Technik. Breite Reifen-Aufstandsflächen waren gefragt, außerdem heutige Selbstverständlichkeiten wie Servobremse und -lenkung, ABS, Klimaanlage mit automatischer Temperaturregelung, eine wirklich wärmende Heizung, elektrische Fensterheber und Sitzverstellung plus Sitzheizung. Realisiert werden sollte das alles in einem Fahrzeug ohne absturzgefährdete Computersysteme.

Knüller des 5,6 Meter langen Autobahnkurier mit den freistehenden Kotflügeln und den großen Scheinwerfern sind seine Antriebsaggregate. Jawohl, Aggregate, im Plural. Denn Schulz installiert unter der rund zwei Meter langen Motorhaube gleich zwei V8-Motoren von Mercedes mit je fünf Litern Hubraum und jeweils 300 Pferdestärken. Damit hat der vierradgetriebene Wagen satte zehn Liter Hubraum und 600 Pferdchen, dazu sagenhafte 900 Nm bei 2.700 U/min plus Fünfgang-Automatik. Und weil es so schön ist, hat der Isdera auch gleich zwei Anlasserknöpfe. Beide Triebswerke arbeiten voneinander unabhängig. Der vordere Motor treibt die Vorderräder an. Der zweite, hintere Motor treibt die Räder am Heck. So kann der Wagen wahlweise mit Vorderrad- oder mit Hinterradantrieb – oder mit Allradantrieb – bewegt werden. Das Isdera-Team verrät, dass der Antrieb ausbaufähig sei – etwa in Richtung Hybrid. Klar ist auch, dass die runden Anzeigeinstrumente der Isdera-Fahrzeugserie im Autobahnkurier Einzug gehalten haben, eingelassen in einem Marmor-Tableau. Und das ganze Instrumentarium ist in einem Armaturenbrett aus echtem, dickem Holz aufmontiert. Im Armaturenbrett fand auch ein Becker Mexico-Radio im Nadelstreifen-Design Platz. Mit jeder Menge Hightech, verpackt im stylishen Retro-Look. Weitere Daten: Der Tankinhalt liegt bei 140 Litern, der Heckkofferraum soll ein Fassungsvermögen von 333 Liter haben.

Der 5.651 mm lange, 1.950 mm breite und 1.560 mm hohe Autobahnkurier soll vollgasfest sein und eine Höchstgeschwindigkeit von 242 km/h erreichen. Ein mehr als anständiger Wert, immerhin wiegt das Gerät mit seinem Radstand von 3.610 mm ja auch satte 2.270 Kilo. Erstmals präsentiert wurde der Autobahnkurier, angelehnt an den Mitte der dreißiger Jahre gebauten Mercedes Autobahn-Kurierwagen, am 02. und 03. September 2006 zum Concours d´ Elegance des AvD am Schloss Schwetzingen.

Text: Gerhard Prien