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Fahrzeuge/Paradiesvögel

Benarrow PB5

Very British Deutsches Sport-Coupé der Extraklasse

Ein Unternehmen wird nicht alle Tage hundert Jahre alt. Die ein oder andere Firma spendiert sich zu solch einem Anlass ein besonderes Geburtstagsgeschenk. So auch Benninghoven aus dem beschaulichen Mülheim an der Mosel. Dort gönnte man sich die Produktion eines eigenen Sportcoupés – und steigt jetzt unter dem Markennamen Benarrow ins Segment der GT, der sportlichen Tourer, ein.

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Ursprünglich sollte der neue Automobil-Hersteller ja Benero heißen. Ein Vorsatz, der so lange hielt, bis sich aus dem fernen Asien ein Geschäftsmann meldete. Der hatte sich just diesen Namen schützen lassen – um darunter Motorroller in Europa zu verkaufen. Es musste ein neuer Name her. Man kam auf den britisch anmutenden Name Benarrow. Ben steht für Benninghoven, den Familiennamen. Arrow (Pfeil) steht, mit britischem Einschlag, für den sportlichen Anspruch des Fahrzeugs.

Dabei ist das Mutterhaus Benninghoven eigentlich alles andere als sportlich. Gegründet wurde die Firma im Jahre 1909 im rheinländischen Hilden. Dort fertigte man zunächst Zahnräder und Pleuelstangen für Lokomotiven. In den Jahren und Jahrzehnten hat sich das Lieferprogramm etwas verändert. Heute stellt man mit über 500 Mitarbeitern mobile und stationäre Asphaltmischanlagen her und gehört in diesem Segment zu den führenden Anbietern auf dem Weltmarkt.

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In der Nachkriegszeit hat das Unternehmen auch als Zulieferer von Automobil-Firmen gearbeitet und hat Bohr- und Frässtraßen für Motorblöcke und Transportbänder aufgebaut. Mit Benarrow sind die Rheinland-Pfälzer wieder im Automobil-Bau angekommen. Diesmal sogar als eigener, seit kurzem beim KBA gelisteter Fahrzeug-Hersteller mit Firmenzentrale in Wittlich, unweit der A 48 Trier – Koblenz.

Der Projektstart des ersten Fahrzeugs, getauft auf den prosaischen Namen PB5, liegt im Jahr 2008. Der selbst formulierte Anspruch: Ein Fahrzeug auf die Räder zu stellen, das Leistung mit Luxus verbindet. In zeitlosem Styling, im britischen Understatement-Stil. Eine Kombination aus italienischer Grandezza und einem Schuß Britishness war gefragt, ein Ferrari Dino soll als Inspirationsquelle gedient haben. Umgesetzt wurde das Design dann in Großbritannien, an der Universität in Coventry, von einem Team unter der Leitung von Professor Chris Johnson. Basis des PB5 ist ein Audi S5. Der steuert auch das Antriebsaggregat bei. Einen Achtzylinder in V-Form mit 4,2 Liter Hubraum, der zu den Spezialisten von MTM in Wettstetten, unweit von Ingolstadt verfrachtet wird. Dort wird dem V8 ein wenig auf die Sprünge geholfen. Per Kompressor bringen das MTM- Team munteren 525 Pferdchen das Laufen bei, das maximale Drehmoment von 520 Nm liegt bei 3.800 Touren an. Das soll für eine Höchstgeschwindigkeit von gut 280 km/h reichen. Durchaus glaubhaft, denn das allradgetriebene Coupé geht – trotz knapp mehr als 2,1 Tonnen Leergewicht – mehr als anständig ab. Wem die 280 km/h nicht reichen sollten: Eine Leistungssteigerung soll auf Kundenwunsch möglich sein, die Rede ist von bis zu rund 700 PS. Im Serienzustand durcheilt der PB5 die 100 km/h-Marke in 4,5 Sekunden, 200 km/h sind nach 11,7 Sekunden erreicht. Damit die Leistung auch auf den Boden kommt, hat Benarrow dem PB5 20 Zoll-Alufelgen in der Optik eines Turbinenrads spendiert, aus dem Vollen gefräst. Für sichere Verzögerung sorgen ESP und eine Brembo-Hochleistungsbremsanlage mit 8-Kolben-Bremssätteln, für gute Straßenlage ein aus KW-Komponenten zusammengestelltes Fahrwerk.

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Der Einstieg vorne ist überraschend bequem und problemlos möglich – um auf einen der beiden hinteren Sitze zu gelangen, sollte man schon ein wenig gelenkig sein. Die beiden hinteren Sitze sind einzeln umklappbar, der Kofferraum ist recht geräumig. Kein Wunder, denn die Heckpartie hat gegenüber dem „Organspender“ Audi S5 um 18 Zentimeter in der Länge zugelegt. Was auch teilweise erklärt, warum der „handgemachte“ PB5 – trotz Verwendung von Alu und Kohlefaser als Baumaterial – nicht gerade ein Leichtgewicht ist. Kohlefaser kommt zum Beispiel für die Verkleidungsteile im Motorraum oder auf der Unterseite des Kofferraumdeckel zum Einsatz und wird auch für den angedeuteten Heckdiffusor verwendet.

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Man sitzt gut und bequem im PB5, hier wird der Anspruch deutlich, einen echten GT, einen Reisewagen bauen zu wollen. Alle Instrumente liegen gut im Blick. Gestartet wird per Knopfdruck, die Edelstahl-Auspuffanlage mit handgearbeiteten Abschlussblenden entlässt sanftes, gedämpftes Brubbeln, das sich bei einem kurzen Gasstoß zu einem sonoren Grollen steigert. Kurz, der Klang ist geil, die Abstimmung der Auspuffanlage und ihrer Akustik ist gelungen. So soll ein Vau-Acht klingen. Das Sechsgang-Getriebe lässt sich leicht und präzise schalten, wahlweise ist eine Automatik zu haben. Ein echter Hingucker ist der Schaltknauf, dessen äußeren Kranz ein Zahnrad ziert. Eine Reminiszenz an die Anfänge des Unternehmens. Das Zahnrad als Designelement wird an etlichen Stellen am und im Fahrzeug wieder aufgenommen. Etwa in den Armaturen als Aufhängung der Zeiger, rund um die Belüftungdüsen, als zentrales Bedienelement in der Mittelkonsole oder eingeprägt in die Prallplatte des lederbezogenen Lenkrads. Selbst bei den Verriegelungen der Motorhaube findet sich das Stilelement. Oder auch mittig im Kofferraumdeckel, als Firmenlogo. Legt man den Rückwärtsgang ein, klappt das Logo auf und die eingebaute Rückfahrkamera projiziert das rückwärtige Bild auf den Bildschirm in der Mittelkonsole. Üblich in der Klasse, in der Benarrow mit dem PB5 antritt: Der Kunde macht im Hinblick auf die Farbe des Fahrzeugs und die Lederausstattung im Innenraum (ein- oder zweifarbig, etliche –zig Farben stehen zur Auswahl) die Vorgaben. Ein wenig störend fürs Auge sind die Bedienelemente in der Mittelkonsole. Die stammen auch aus dem Audi-Regal und wirken etwas deplatziert. Hier würde man sich stilgerechte, nett gefräste Alu-Schalter oder Kipphebel wünschen. Und wenn dann noch die Armaturen einen schlichten, weißen Hintergrund bekommen könnten?

Aus Chronistenpflicht noch ein paar Daten: Der Kraftstoffverbrauch innerorts liegt bei 17,8 Liter auf 100 Kilometer, außerorts bei 9,2 Liter, kombiniert soll der PB 5 12,4 Liter schlucken. Was CO2-Emissionen von 298 g/km (kombiniert) entspricht. Zwei bis drei Fahrzeuge im Monat will Benarrow in Großbritannien bauen, und von Wittlich aus in alle Welt verkaufen. Drei Exemplare sind gebaut, eines davon ist nach Bukarest verkauft. Für Fans exklusiver Sport-Coupés bietet die Eifel jetzt ein Reiseziel mehr. Und die Kunden von Benninghoven können sich, passend zur Asphaltmischanlage, einen GT im Understatement-Look kaufen. Zum Preis von 215.000 Euro, plus Mehrwertsteuer.


Quelle: Gerhard Prien