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Fahrzeuge/Oldies

VW Typ 3 (1500/1600)

Ein halbes Jahrhundert VW Typ 3 (1500/1600)

Es gibt Autos, zu denen hat man eine ganz besondere Beziehung. Eines davon ist für mich der VW Typ 3, auch als 1500-er und 1600er bekannt. Mit einem himmelblauen Exemplar waren wir – ein befreundetes Pärchen, meine damalige Freundin und ich – Mitte der 1970-er Jahre unterwegs zum Zelturlaub in Richtung Südfrankreich. Da passt es gut, dass im VW gleich zwei Kofferräume zur Verfügung standen. Einer vorne, einer hinten – für jedes Pärchen einer.

Ausreichen Platz im Innenraum gab es obendrein, allerdings leider nur zwei Türen. Mit vieren wäre der Einstieg auf die Rückbank bequemer gewesen. Die zwei Türen hat der Typ 3 vom Käfer geerbt. Der läuft Mitte des vergangenen Jahrhunderts immer besser – er läuft und läuft und läuft, und die verkauften Stückzahlen steigen und steigen. Aber in der Chefetage in Wolfsburg ist klar, dass es mit dem rundlichen Krabbeltier nicht ewig weitergehen wird. Außerdem will Volkswagen auch Kunden an sich binden, die mit dem Käfer nichts anfangen können. Im Deutschland des Wirtschaftswunders beschließen die VW-Bosse: Der beliebte Käfer wird weiter gebaut. Außerdem geben sie grünes Licht für einen weiteren, einen größeren Volkswagen. Größer als der Käfer ist er tatsächlich, das machte sich seinerzeit auf dem Weg an die Cote d’Azur positiv bemerkbar. Mit dem sagenumwobenen Wolfsburger Erfolgsmodell hat der Typ 3 allerdings einige technische Gemeinsamkeiten: Der Motor bleibt ein Boxer, das Antriebsaggregat wird weiterhin im Heck verbaut und mit Luft gekühlt. Luft friert nicht, Luft kocht nicht. Was sich im sommerlich-warmen Südfrankreich seinerzeit durchaus als Vorteil erwies.

Mit den technischen Vorgaben der Chefetage machten sich die – ansonsten mit der stetigen Modellpflege am Käfer beschäftigten – Entwickler an ihre Arbeit. Sie brachten eine Limousine der Mittelklasse zu Papier, mit Stufenheck, wie es seinerzeit
Im Trend war. Das Fahrzeug orientierte sich an zeitgenössischen Wettbewerbern und brachte stilistisch keine großen Überraschungen, getreu der Maxime von Kanzler Adenauer: „Keine Experimente“. Dieses Motto gilt nicht nur für das Design, sondern auch für den Antrieb. Der klassische luftgekühlte Boxermotor des Käfer wird aufgebohrt und bringt es auf 1.500 ccm Hubraum. Das langt für 45 Pferdestärken, die bei der größeren Karosse und dem damit verbundenen Mehrgewicht durchaus angebracht sind. Anders als beim Käfer steht das Gebläse aber nicht auf dem Motor, es wird an der Kurbelwelle angeflanscht. Anderthalb Liter Hubraum gelten seinerzeit als Standard in der automobilen Mittelklasse der anerkannte Standard. So führt auch das neue Modell von VW den Hubraum im Namen. Der im Heck untergebrachte so genannte Flachmotor hat nur eine relativ geringere Bauhöhe. Das sorgt für ein Novum in der neuen Limousine aus Wolfsburg: Sie besitzt die erwähnten zwei Kofferräume: Einen vorne, einen hinten. Auch bei den Türen bleibt es bei zweien. Und da die Hebebühnen und Arbeitsgruben der Volkswagen Werkstätten auf den Radstand des Käfer eingestellt sind, bleibt es auch beim 1500-er beim Käfer-„Normmaß“ von 2.400 mm.

Nach längerer Entwicklungszeit erblickt der Volkswagen 1500 – Wolfsburgs erster Versuch in der Mittelklasse – schließlich auf der IAA 1961 das Licht der Autowelt.
Neben der konservativen 1500 Limousine kommt ein Kombi auf den Markt, der erstmals bei Volkswagen unter dem Namen Variant in die Schaufenster der Händler kommt. Der hat auch den doppelten Kofferraum, eine umlegbare Rücksitzbank
Macht den Kombinationskraftwagen recht variabel. Damit taugt der Variant für Handwerker und Gewerbetreibende ebenso wie für Familien auf der Fahrt in die Freizeit oder den Urlaub.

Schon knapp zwei Jahre nach seinem Erscheinen erfährt der Typ 3 eine Überarbeitung der Karosserie. Beim Facelift bekommt er größere Rückleuchten und
vorne horizontale Blinker, dazu spendieren ihm die Wolfsburger eine Chromleiste am vorderen Kofferraumabschluss.

Bei rein optischen Veränderungen bleibt es nicht. Im Jahre 1963 erscheint mit dem 1500 S eine stärkere Version. Der mit Doppelvergaser bestückte Motor bringt es auf 54 Pferdestärken, und besser ausgestattet ist er obendrein. Zwei Jahre später legt Volkswagen noch eine Schippe Leistung drauf. Der 1600 bringt es als Nachfolger des 1500 S auf 1,6 Liter Hubraum. Er ist, bei gleich bleibender Leistung, bis 1973 im Programm der Wolfsburger zu finden. Ebenso lange steht der 1600 A mit dem 1.493 ccm großen Einstiegsmotor mit seinen 45 PS in den Preislisten.

Der 1600 TL mit zweitüriger Schrägheck-Karosserie erscheint 1965. Eigentlich ist der Wagen mit dem Fließheck – im Volksmund als Traurige Lösung verspottet – als Nachfolger der Stufenhecklimousine gedacht. Da sich die Limousine aber weiterhin unverändert gut verkauft, bleiben bis zum Produktionsende des Typ 3 alle drei Karosserievarianten im Programm.

Die Wolfsburger Designer verpassen dem Typ 3 im Jahre 1969 einen aktualisierten Auftritt: Ein senkrechter Frontabschluss vergrößert den Kofferraum und gibt dem Wagen zusammen mit den Kastenstoßstangen und den großen Blinkern ein modernes Gesicht. Die Heckleuchten wachsen und büßen ihren Chrom ein, der TL bekommt einen kantigeren Abschluss.

Eine weitere – vierte – Karosserievariante hätte es beinahe vom Start weg geben können. Beim Karosseriebauer Karmann in Osnabrück hat man – in bester Käfer Cabriolet-Tradition – auch den 1500 aufgeschnitten und zum viersitzigen Cabriolet gemacht. Die Prospekte sind schon gedruckt, als man sich in Wolfsburg gegen das weitere, offene Modell entscheidet.

In der zwölfjährigen Karriere des Typ 3 stechen aus den zahlreichen Maßnahmen zur Modellpflege technisch zwei besonders hervor: Da wäre zum einen die gegen Aufpreis erhältliche elektronisch gesteuerte Kraftstoffeinspritzung (1600 LE und TLE). Sie soll bei gleicher Leistung den Verbrauch senken und die Abgase sauberer verbrennen. Und ab August 1968 werden alle 1600-er mit der Doppelgelenk-Hinterachse versehen, die für die Automatic-Version entwickelt wurde. Damit verbessert sich beim Kurvenfahren die Richtungsstabilität.

Nach zwölf Jahren Bauzeit endet die Produktion des Typ 3 im Juli 1973. Beinahe 2,6 Millionen Exemplare werden gebaut, fast die Hälfte davon rollt als Variant vom
Fließband. Beim Nachfolger, dem Passat, ist die Kombi-Version später mindestens ebenso erfolgreich. Der zweite Kofferraum ist beim Passat allerdings futsch.

Quelle: Gerhard Prien