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Fahrzeuge/Oldies

VW Typ 181

Favorit der Militärs und Flower-Power-Generation

Vom Jagd- und Militärfahrzeug zum Kultobjekt: Während seiner mittlerweile mehr als vier Jahrzehnte währenden Karriere macht der VW 181 eine erstaunliche Entwicklung durch. Generationen von Wehrdienstleistenden lernen ihn als Einsatzfahrzeug der Bundeswehr kennen, später erfreut sich der spartanische Viersitzer vor allem unter Studenten, Alternativen und automobilen Individualisten großer Beliebtheit. Vor allem in den Vereinigten Staaten von Amerika genießt er Kultstatus: In der hippen Surfer- und Lifestyle-Szene Kaliforniens heißt der 181 bis heute liebevoll und schlicht „The Thing“: Das Ding.

In Deutschland hört der Volkswagen 181 auf den Rufnamen „Kübel“. Kein Wunder, er gilt als Inbegriff des „Kübelsitzwagens“, also als der typischste Vertreter der offenen viersitzigen Militärfahrzeuge mit markant geformten und namensgebenden Schalensitzen. Volkswagen selbst nannte ihm schlicht „Kurierwagen“ oder „Kurierfahrzeug“. Was kaum jemand weiß: Eigentlich ist der Typ 181 ein Australier. Dort gibt es in den 1960-er Jahren Bedarf für einen offenen Jagdwagen. Den schaffen australische Volkswagen-Ingenieure in und speziell für „Down Under“. Der kantige Jagdwagen wird für den Einsatz im Outback fast 1.000 Mal gebaut.

Hilfegesuch der Bundeswehr als Geburtsstunde

Der Startschuss zur Serienentwicklung des offiziellen Volkswagen 181 fällt Ende der 1960-er Jahre. Die Bundeswehr ist auf der Suche nach einem Nachfolger für den DKW Munga, dessen Produktion Ende 1968 eingestellt wird. Volkswagen überträgt das Konzept des australischen Jagdwagens auf Europa und entwickelt das Outback-Modell weiter. Durchaus erfolgreich, denn das Unternehmen kann die Anforderungen des Lastenheftes für das geforderte „Führungs- und Verbindungs-Kraftfahrzeug“ mit dem
Typ 181 – bis auf eine Ausnahme – erfüllen: Statt über alle vier wird er nur über die Hinterräder angetrieben. Die Militärs akzeptieren die Interimslösung, und so gehen zwischen 1969 und 1979 insgesamt 15.275 Einheiten des 181 als „Pkw 0,4 t tmil 4x2“ (Pkw mit 0,4 Tonnen Nutzlast, teilmilitarisiert und Zweiradantrieb) an die Streitkräfte.

Kurze Entwicklungszeit dank Modellbaukasten-Prinzip

Die Produktion des Volkswagen 181 startet 1968, seine öffentliche Weltpremiere feiert der offene Viersitzer im September 1969 auf der Internationalen Automobil-Ausstellung in Frankfurt. Die Wolfsburger Ingenieure greifen tief ins Regal, um das neue Modell auf seine 165 Millimeter schmalen Räder zu stellen. Als Chassis dient die leicht modifizierte Plattform des Karmann Ghia Typ 14, der Antriebsstrang inklusive des 44 PS starken Boxermotors stammt aus dem Käfer 1500. Getriebe und die angetriebene Hinterachse steuert der bis 1967 gebaute Typ 2 T1 bei. Bis auf kleinere Modifikationen im Detail bleibt es bis zum Produktionsende im Jahr 1980 bei diesen grundlegenden technischen Spezifikationen. Insgesamt verlassen bis dahin 140.768 Volkswagen 181 die Produktionsstätten.

Die Zivilversion des 181 erfreut sich vor allem an der Westküste der USA großer Beliebtheit. Um den amerikanischen Markt zu bedienen schafft Volkswagen zwischen 1970 und 1971 zunächst sogenannte CKD-Bausätze (für Completely Knocked Down = komplett zerlegt) über den großen Teich. 1972 startet die Produktion im mexikanischen
Puebla, die zu rund 80 Prozent für das nördliche Nachbarland bestimmt ist.

Zweite Karriere: Knallbunt statt olivgrün

Als die ersten Bundeswehr-„Kübel“ vom Dienst befreit werden und in private Hände wechseln, entwickelt sich der Volkswagen 181 auch hierzulande zum Kultmobil. Auf den Universitäts-Parkplätzen und vor angesagten Szene-Lokalen taucht das vielleicht offenste aller Cabrios nicht in olivgrüner Tarnfarbe, sondern zumeist knallbunt und im Einklang mit dem persönlichen Geschmack seines Eigners auf. Eine äußerst passende Charakterisierung des 181 lieferte unlängst Alf Cremers in der Fachzeitschrift „Motor Klassik“: „Viel später zeigte er dann als Spaßauto für Späthippies seine wahre Persönlichkeit. Dann ging er aus sich raus, lief rot, gelb oder orange an, fuhr voll besetzt in die Sommernacht, die Windschutzscheibe blieb unten und hinten auf dem Klappsitz spielte einer Gitarre. Es war ein Buggy mit vier Türen.“ Dank seiner einfachen, robusten Technik wird der Volkswagen 181 diese ihm auf den markanten Leib geschnittene Rolle noch viele Jahre spielen können.

Quelle: Gerhard Prien