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Fahrzeuge/Oldies

Scheinwerfer

LICHT GESTALTEN

Da schlenderst Du beim AvD Oldtimer-Grand-Prix durch die Boxengasse, schaust Dir in aller Ruhe die Fahrzeuge an. Quer durch alle Jahrzehnte stehen sie da, es wird an ihnen geschraubt, sie werden rennfertig gemacht. Und dann fallen Dir die Schweinwerfer auf – an denen kannst Du viele Modelle einwandfrei erkennen. Sie sind so was wie Erkennungszeichen für viele – wenn auch nicht für alle – Automobile. Aber einen Hundeknochen-Escort, doch, den kann man locker an seinen Scheinwerfern erkennen, ebenso ein BMW Coupé.

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Du weißt, die Geschichte des Autoscheinwerfers ist so alt wie die Geschichte des Automobils. Und die Anfänge liegen im Kutschenbau. Mit Kerzen bestückte Laternen lotsen die Fahrer mehr schlecht als recht durch die Nacht. Mit der Konsequenz, dass die Chauffeure ihre Motorkutschen in der Dunkelheit am liebsten nicht bewegen. Heute geraten die Scheinwerfer, dem Diktat des Windkanals folgend, immer kleiner, flacher, windschnittiger.

Außer Kerzen kommen in den Anfangsjahren des Automobils auch Acetylenbrenner und Petroleumlampen zum Einsatz. Die Acetylenscheinwerfer, die den Automobilsten heimleuchten, sind auch als Karbidlampen bekannt. Sie gelten als fortschrittlich – verbrauchen aber bis zu 35 Liter Gas pro Stunde. Dann tauchen elektrische Scheinwerfer auf, die von Batterien gespeist werden. Die liefern den benötigten Strom – aber nur für kurze Zeit, bis die Batterie „leer“ ist. Das Problem lösen Dynamos, die den notwendigen Strom erzeugen. Bis nach dem Ersten Weltkrieg gibt es noch ein Nebeneinander von elektrischen und petroleum- oder acetylenbetriebenen Scheinwerfern.

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Aus dem Schwabenland kommt im Jahre 1913 das „Bosch-Licht“, ein komplettes System mit Scheinwerfer, Lichtmaschine und Lichtmaschinen-Regler. Das elektrische Licht setzt sich in der Automobiltechnik durch. Der Lampenspezialist Osram erfindet 1924 die Zweifaden-Glühlampe, die so genannte Biliux-Lampe. Sie vereint Abblend- und Fernlicht in einem Reflektor und erzeugt zwei verschieden starke und unterschiedlich geneigte Strahlenbündel. Im Jahre 1956 entwickeln die Techniker eine asymmetrische Lichtverteilung mit nach rechts ansteigender Hell-Dunkel-Grenze. Im Jahre1962 feiert die Halogen-Glühlampen als H1-Lampe ihr Debüt, zunächst in Zusatzscheinwerfern von Hella. 1965 zieht diese Lampentechnik in die Hauptscheinwerfer ein. Das Bi-Focus-Reflektorsystem mit zwei H1-Glühlampen für Abblend- und Fernlicht macht den Bilux-Lampen Konkurrenz. Die Halogenlampen haben einen großen Vorteil, sie verlieren mit steigender Zahl von Betriebsstunden ihre Leuchtkraft nicht. Den Durchbruch bringt die Zweifaden-Halogen-Glühlampe mit der Bezeichnung H4. Sie besitzt in ihrem Innern zwei Glühwendeln, die obere Wendel wird mit einer Kalotte - als Abblendlicht - abgeschirmt. Die ersten Hauptscheinwerfer werden 1971 mit der H4-Zweifadenlampe ausgerüstet.

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Mit der Technik unterliegt auch die Form der Scheinwerfer und Reflektoren einem Wandel. Anfang der 1960-er Jahre sorgen die ersten rechteckigen Scheinwerfer für Licht auf den Straßen. Der DE-Projektionsscheinwerfer stellt 1983 einen weiteren Fortschritt dar. Nach dem Prinzip eines Diaprojektors bringt er das Licht auf die Straße. Bei kleinerer Austrittsfläche wird so eine höhere Lichtausbeute erzielt. 1991 präsentiert Mercedes die ersten Xenon-Scheinwerfer mit Gasentladungslampen. Das Leuchtgas Xenon und Spuren verschiedener Metallsalze dienen in Quarzglaskörpern als Lichtquelle. Durch einen kurzzeitigen Spannungsimpuls erzeugt ein elektronisches Vorschaltgerät einen Plasma-Lichtbogen zwischen den Elektroden der Lampe, der die Glühwendel bisheriger Lampen ersetzt. Bi-Xenon-Lampen gehen 1999 erstmals in Serie. Scheinwerfer mit Gasentladungslampen dienen bei Bi-Xenon-Lampen nicht nur als Abblendlicht, sondern auch als Fernlicht. Eine Blende schiebt sich ins Lichtbündel des Fernlichts und deckt einen Teil davon ab, wenn auf Abblendlicht ungeschaltet wird.

Mittlerweile gibt es Kurvenlicht, Abbiegelicht, Autobahn- und Landstraßen-Licht. Und die zeit frei stehender Scheinwerfer ist offenbar ebenso vorbei wie die von aufrecht im Wind stehenden Kühlerfiguren. Und auch die einst so beliebten Klappscheinwerfer („Schlafaugen“), wie wir sie etwa vom Porsche 924, 944 oder 928, vom Mazda MX 5, vom Fiat X 1/9, BMW M1, vom Opel GT und etlichen Ferrari-, Maserati- und Lamborghini-Modellen kennen, sind vom Aussterben bedroht. Und irgendwann werden noch kleinere Scheinwerfer kommen – vermutlich mit LED-Technik. Die Fahrzeuge werden wieder ein Stück ihrer Unverwechselbarkeit verlieren. Und Young- und Oldtimer werden uns noch begehrenswerter erscheinen.

Quelle: Gerhard Prien