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Fahrzeuge/Oldies

Opel Flugzeugmotoren

Vor 100 Jahren: Opel geht in die Luft

Der Automobil-Hersteller Opel schlägt mit dem Bau seines ersten Flugmotors vor genau einem Jahrhundert ein neues Kapitel in der Firmengeschichte auf. Auftraggeber ist der luftfahrtbegeisterte Ernst-Ludwig, Großherzog von Hessen und bei Rhein. Er wendet sich an Opel, da sich das Unternehmen einen guten Ruf beim Bau zuverlässiger Motoren erworben hat.

60-PS-Vierzylinder für den „Gelben Hund“

Der stehende Motor mit Wasserkühlung, der seit Jahren im Automobilsektor bewährt ist, scheint die Antwort auf die Frage nach einem für die Luftfahrt geeigneten Antrieb zu sein. Das bestätigen Erfolge bei Überland- und Dauerflügen in ganz Deutschland. Die vier Zylinder des Antriebsaggregats sorgen bei 1.250 Umdrehungen für eine Dauerleistung von 60 PS. Die maximale Leistung der Maschine liegt bei rund 70 PS. Wie bei Flugmotoren üblich erfolgt der Antrieb direkt. Während eines achtstündigen Testlaufs verbraucht der Benzinverbrauch 17,4 Liter und 0,8 Liter Öl pro Stunde, für die damalige Zeit sehr günstige Werte. Die weiteren Vorteile des Aggregats: Es ist hervorragend verarbeitet, hat ein gutes Leistungsgewicht und lässt sich durch Anwerfen mit dem Propeller schnell und unkompliziert starten. Im Jahre 1911 beileibe keine Selbstverständlichkeit. Eingebaut wird der Opel-Flugmotor in die „Euler Flugmaschine – Zweidecker – Type Hessen“, auch „Gelber Hund“ genannt. Ihr Konstrukteur August Euler hat zuvor als erfolgreicher Kaufmann Automobile von Opel in Russland bekannt gemacht. Ein Jahr zuvor erhielt er als Erster in Deutschland das „Internationale Flugzeugführerpatent Nr. 1“ und führte den ersten deutschen Überlandflug - von Darmstadt nach Frankfurt - durch.

Gerade mal fünf Jahre, nachdem der erste Flugmotor die Opel-Hallen verlassen hat, fertigt das Unternehmen in Lizenz den 200 PS starken und 314 Kilogramm schweren „As III O“. As steht für den Kraftfahrzeug- und Motoren-Hersteller Argus und O für Opel. Die sechs Zylinder des Triebwerk laufen mit 1.470 Umdrehungen pro Minute. Ein vor wenigen Jahren aufwändig restauriertes Exemplar kann heute übrigens im Rahmen der Werkstour in der Rüsselsheimer Opel Oldtimer-Werkstatt besichtigt werden. Der aus fein gemasertem Holz nachgebaute Propeller mit einem Durchmesser von rund zweieinhalb Metern verleiht der Antriebseinheit ein imposantes Aussehen. Bis 1919 produziert Opel in Lizenz insgesamt mehr als 2.200 Motoren der Typen „As III O“ und „BMW IIIa O“. Die Rüsselsheimer verfügen über die technischen und personellen Ressourcen, um die damals benötigten Stückzahlen ohne Zeitverzögerungen in Großserie herstellen zu können. Monatlich liefert das Rüsselsheimer Werk bis zu 130 Triebwerke liefert. Eingebaut wird der „As III O“ vornehmlich in Aufklärungsflugzeuge.

Der erste öffentliche bemannte Raketenflug der Welt: Opel RAK

Den Höhe- und zugleich Schlusspunkt der Entwicklung von Flugtriebwerken bei Opel bildet das RAK-Programm. Fitz von Opel zündet am 30. September 1929 auf dem Flughafen Frankfurt-Rebstock in einem Hochdecker mit doppeltem Leitwerk, den Julius Hatry speziell für den Raketenflug entwickelt hat, nacheinander sechzehn Feststoffraketen.

Im Beisein zahlreicher internationaler Medienvertreter hebt das Flugzeug ab. Es bleibt etwa 80 Sekunden in der Luft und erreicht in einer Höhe von 20 bis 30 Metern eine Geschwindigkeit von rund.100 km/h: Fritz von Opel schreibt mit seinem bemannten Raketenflug Geschichte. Zugleich suchen die Opel-Ingenieure nach neuen Herausforderungen. Diese finden sie – in der Entwicklung von Flüssigtreibstoff-Raketen für ein Flugzeug, mit dem Fritz von Opel einen Flug über den Ärmelkanal plant. Dazu kommt es jedoch nicht mehr. In der Weltwirtschaftskrise konzentriert sich Opel auf seine Kernkompetenz, den Bau von Automobilen.

Quelle: Gerhard Prien