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Fahrzeuge/Oldies

Mini-Wild-Goose

Platz ist in der kleinsten Hütte

Es ist ein ausgesprochen ungewöhnliches Exemplar der Marke Mini, das die BMW Group Classic ab und an im Rahmen von Klassiker-Ausfahrten auf die Reise schickt: Der 1965 gebaute Mini Wildgoose „Brent“ Super V. E. B., eines der ganz wenigen erhaltenen Exemplare des skurrilen Campmobils auf Basis des britischen Kleinwagens.

In einer Zeit, in der ein VW California als "kompakter" Camper gilt, darf ein Reisemobil auf Basis des klassischen Mini mit Fug und Recht als "klein" - oder eben als "mini" - bezeichnet werden. Die Wildgoose, die "wilde Gans", ist trotz der geringen Abmessungen ein Hingucker ersten Ranges. Und ein Beleg für die zahlreichen Karosserievarianten, mit denen der "alte" Mini immer wieder verschiedene, neue Kunden- und Käufergruppen ansprach. Auf der Basis des schicken und einst höchst revolutionären Kleinwagens in seiner Van-Version stellten vor rund einem halben Jahrhundert britische Karosseriebauer ein platzsparendes Campmobil auf die schmalen Reifen. Zwischen 1963 und 1968 sollen bei der Firma Wildgoose Ltd. in Worthing, Sussex, rund 60 der kleinen Wohnmobile gefertigt worden sein. Seriennummer 18 tritt in kleidsamem Elfenbein/Türkis an und erinnert in der Farbgebung ein wenig an die oftmals in Pastelltönen gehaltenen britischen Cakes und Plätzchen. Im Jahre 1965 wurde Nummer 18 produziert, als Mini Wildgoose „Brent“ Super V. E. B. stellte sie zu einem Preis von 998 Britischen Pfund seinerzeit das Topmodell der Mini-Mobil-Erbauer aus Worthing dar, die drei Ausführungen der Wildgans im Angebot hatten. Heute ist das Exemplar eines von schätzungsweise gut zwei Handvoll Exemplaren, die weltweit überlebt haben dürften. Für den Vortrieb sorgt ein Vierzylinder mit - aus heutiger Sicht - eher mageren 850 Kubikzentimeter Hubraum, die für eine Höchst"leistung" von 25 kW sorgen, was 34 Pferdestärken entspricht. Gekoppelt ist das Antriebsaggregat an eine Viergang-Schaltung, geführt über einen elend langen Schalthebel und mit unsynchronisiertem ersten Gang. Mit 34 Pferchen unter der Haube kann der Mini plus Aufbau zwar keine Bäume ausreißen, aber mit reichlich Anlauf und Geduld soll der Legende nach eine Höchstgeschwindigkeit von maximal 116 km/h möglich gewesen sein. Wenn der Fahrer sich und dem Vehikel dieses Tempo denn zumuten wollte. Denn die Wildgans von der Insel mag unpassende Hektik nicht wirklich. Kein Wunder bei einem Fahrzeug, dass ein bisschen so wirkt als sei es beim Rückwärtsfahren in einen Schuppen geraten - den es jetzt hinter sich herzieht.

Der wohl skurrilste aller Minis sollte bei einem Leergewicht von 940 Kilogramm doch tatsächlich vier Personen Platz bieten. Nicht nur während der Fahrt, sondern - kaum zu glauben - auch zur Nacht. So rein vom Hinschauen mag man es kaum glauben, dass vier Menschen in dem Wagen reisen, geschweige denn schlafen können. Aber da unterschätzt man den britischen Erfindungsgeist, der dem Motto "my home is my bastle" auch auf vier Zehn-Zoll-Rädern gerecht zu werden versucht. Spannend wird es für die Nachbarn auf dem Campingplatz, wenn die Wildgoose das Geheimnis ihres "Oberstübchens" lüftet. Mit einer Kurbel muss der Fahrer auf den ersten Zentimetern ein wenig nachhelfen, dann wuchtet ein Elektromotor über einen Kettenantrieb das Dachgeschoss in die Höhe. Die Aluminiumwände des Schlaffabteils klappen nach unten und werden dann mittels Spannhebeln arretiert, Gummidichtungen sollen das Dachgeschoss halbwegs gegen Regen und die Unbilden des britischen Wetters schützen. Das alles ist minutenschnell passiert, etwas länger dauert es dann, will man die diversen unterschiedlich geformten Poster-Puzzelstücke ordentlich zu Sitzgelegenheiten und Betten drapieren. Zwei Personen passen dann zur Ruhe auf den Boden des Mini, zwei ins Dachgeschoss. Ausgesprochen hilfreich ist es, wenn letztere das passende Alter für den Besuch eines Kindergartens noch nicht allzu weit hinter sich gelassen hat. Denn die Kojen für die Besatzung "im ersten Stock" befinden sich auf halber Höhe an der Seitenwand. Der Aufenthalt dort ist für größere - und schwerere - Personen nicht sonderlich empfehlenswert. Denn die könnten recht fix aus den Betten fallen - oder mit den Betten gen Boden entschwinden. Klar ist ohnehin, dass der Aufenthalt für vier Menschen im Mini-Camper voraussetzt, dass man sich mag - und keine große Angst vor körperlicher Nähe hat. Schließlich sind in der Wildgans Nummer 18 auch noch eine Spüle und ein zweiflammiger Gasherd untergebracht. Für die Tea-Time.

Quelle: Gerhard Prien