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Fahrzeuge/Oldies

Mercedes Benz Modell W17

Vor acht Jahrzehnten

Hans Nibel und der „Käfer“ von Mercedes

Er prägt als Chefkonstrukteur von Benz & Cie. – und später der Daimler-Benz AG – maßgeblich die Produkte beider Unternehmen: Der Ingenieur Hans Nibel, geboren am 31. August 1880 in Olleschau/Mähren, gestorben am 25. November 1934 in Stuttgart. Zu den von ihm konstruierten Fahrzeugen zählen etwa der „Blitzen-Benz“ (1909), damals das leistungsstärkste und schnellste Automobil der Welt. Er wird 1909 erstmals vorgestellt und setzt 1911 schließlich mit 228,1 km/h die Weltrekordmarke für das schnellste Automobil. Der Rekord bleibt bis 1919 ungebrochen. Nibel hat auch den „Großen Mercedes“ Typ 770 (1930), den Mercedes-Benz 170 (1932) und den Silberpfeil-Rennwagen W 25 (1934) konstruiert. Und einen Mercedes, der dem legendären VW Käfer recht ähnlich ist.

Nibel tritt mit Beschluss der Interessengemeinschaft von Benz & Cie. und der Daimler-Motoren-Gesellschaft (DMG) im Jahr 1924 tritt Nibel in den Vorstand der DMG ein. In einem gemeinsamen Konstruktionsbüro ist er gleichberechtigt neben Ferdinand Porsche tätig. Porshe arbeitet seit April 1923 in Stuttgart als Leiter des Konstruktionsbüros und Vorstandsmitglied der Daimler-Motoren-Gesellschaft. Als Vorstandsmitglied ist Nibel außerdem Befürworter und Mitgestalter der Fusion von Benz & Cie. und der Daimler-Motoren-Gesellschaft (DMG) zur Daimler-Benz AG im Jahr 1926. Nach dem Unternehmenszusammenschlusses zieht er in den Vorstand der neuen Daimler-Benz AG ein. Ebenfalls 1926 verlegt er seine Tätigkeit endgültig ins Untertürkheimer Konstruktionsbüro des neuen Unternehmens.

Zum 1. Januar 1929 wird Nibel – in der Nachfolge von Ferdinand Porsche – verantwortlicher Technischer Direktor. Seine Verbesserungen machen aus dem Mercedes-Benz 8/38 PS Typ Stuttgart 200 (Baureihe W 02) ein erfolgreiches Auto, das der Marke in Zeiten der damaligen Weltwirtschaftskrise beachtliche Stückzahlen beschert. Auch die sportlichen Typen S, SS, SSK und SSKL (W 06, 1926 bis 1934) sowie die noble „Nürburg“-Reihe (W 08, 1929 bis 1939) verbessert Nibel. So können sich die einen im internationalen Sportgeschehen, die anderen im internationalen Markt der Luxusautomobile behaupten.

Mit Nibel kommen auch der Konstruktionschef Max Wagner und der Versuchschef Fritz Nallinger aus Mannheim. Nibel und Wagner haben sich bereits früh mit fortschrittlichen Fahrwerkkonstruktionen vertraut gemacht. Jetzt setzen beide ihre Vorstellungen und Erfahrungen in die Praxis um.

Ihr erstes Projekt ist die – heute kaum noch bekannte – Baureihe W 17. Von diesem Versuchstyp entstehen 1931, also vor acht Jahrzehnten, zwölf Versuchsfahrzeuge. Darunter ist auch der ganz frühe Prototyp mit einer Versuchskarosserie. Sie ähnelt verdächtig einem überdimensionalen Kohlenkasten auf Rädern. Es entsteht jedoch auch ein ausgesprochen seriennaher und optisch recht gefälliger Versuchswagen. Der weist formal diverse verblüffende Ähnlichkeiten zum – Jahre später erscheinenden – VW Käfer auf. Die ersten drei Prototypen des KdF-Wagens (VW Käfer) werden von der „Dr. Ing. h. c. F. Porsche Gesellschaft mit beschränkter Haftung, Konstruktionen und Beratungen für Motoren und Fahrzeugbau“ mit Sitz in der Stuttgarter Kronenstraße 24 in den Jahren 1935/36 gebaut. Neben den stilistischen sind auch einige grundlegende technische Ähnlichkeiten mit dem (späteren) Käfer verblüffend. So besitzen auch die Fahrzeuge der W 17-Baureihe einen im Heck angeordneten luftgekühlten Vierzylinder-Boxermotor. Die Antriebsaggregate haben 1,2 Liter Hubraum und eine Leistung von 18 kW / 24,5 PS. Damit sind grob auch die technischen Eckdaten des späteren – und weltweit höchst erfolgreichen - VW Käfer umrissen. Die Mercedes-Modelle sind bei weitem nicht so erfolgreich. Sie kommen nicht einmal bis zum Serienstart. Denn bei der Baureihe W 17 ist das Arbeitsgeräusch des Motors zu laut. Die Konsequenz: Das Konzept wird nicht weiter verfolgt. Es bleibt bei den zwölf Versuchsfahrzeugen.