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Fahrzeuge/Oldies

Mercedes-Benz L 319

Neustart bei den leichten Transportern

Mercedes-Benz L 319

Das Segment der leichten Nutzfahrzeuge liegt - seit dem Auslaufen des L 1100 im Jahr 1941 – bei Mercedes-Benz brach. Es schien an der Zeit zu sein, sich dieses großen, in der Nachkriegszeit entstandenen Marktes anzunehmen. Als erster waschechter Transporter geht der L 319 im Jahr 1956 der in Serie. Bei der Vorstellung im Jahr zuvor auf der Frankfurter Automobil-Ausstellung hatte er die Fachwelt skeptisch gestimmt, aber die Kundschaft begeistert.

Den Kunden kam die rustikal-robuste Machart gerade recht: Ein simples Fahrwerk mit Starrachsen und Blattfedern, dazu wahlweise ein 1,8-Liter-Dieselmotor mit zurückhaltenden 32 kW / 43 PS oder ein 1,9-Liter-Ottomotor, der immerhin 48 kW / 65 PS bietet. Grundsätzlich gibt es ein Vierganggetriebe, es schickt die treibende Kraft an die Hinterräder. Die Starrachsen sind vorne wie hinten mit sogenannten Halbfedern versehen, gebremst wird hydraulisch. Eine Servounterstützung gibt es nur gegen Aufpreis.

Der Kleine hat seine pfiffigen Seiten: Die weit nach vorn gezogene Vorderachse erlaubt einen niedrigen und bequemen Einstieg. Mit diesem Konstruktionsprinzip steht er Modell für den später außerordentlich erfolgreichen Leicht-Laster L 608 und dessen Abkömmlinge. Obendrein hat der L 319 eine durchgehende Windschutzscheibe. Beim Design gehört er zu den ersten Nutzfahrzeugen von Daimler-Benz, die das fortan stilbildende Motiv des Breitband-Kühlers, wie es die Sportwagen schon haben, aufgreifen.

Der Kastenwagen bietet eine Nutzlast von 1.625 bis 1.915 Kilogramm, bei der Version mit erhöhtem Dach sind es zwischen 1.610 und 1.900 Kilogramm. Beim Pritschenwagen (in zwei Radständen zu haben) gibt es jeweils 1.700 Kilogramm Zuladung, beim Tieflader-Pritschenwagen (jeweils mit extra Rahmen versehen) 1.845 bis 2.135 Kilogramm. Beim Kastenwagen übernimmt der Aufbau eine mittragende Funktion. Alle Angaben gelten sowohl für die Version mit Otto- wie auch mit Dieselmotor. Die zweite Gewichtsangabe bezieht sich auf die verstärkte Fahrzeugversion.

In bester alter Nutzfahrzeug-Tradition bringt Daimler-Benz auch eine auf der gleichen Basis fußende Omnibusvariante. Als O 319 kommt ein Omnibus, der in drei Ausführungen vorgesehen ist: Benziner, Diesel und Luxusbus – der Radstand beträgt jeweils - wie beim Kastenwagen – 2.850 Millimeter.

Das Werk in Sindelfingen baut die Lastfahrzeuge, während die Busse aus Mannheim kommen. Ab Herbst 1961 löst ein 37 kW / 50 PS starker Diesel mit zwei Liter Hubraum den leicht schwachbrüstigen Premieren-Motor ab, wenig später befindet sich die Produktion der Transporter und Busse unter einem Dach. Sie entstehen fortan in Düsseldorf, die getrennten Produktionslinien in Sindelfingen und Mannheim enden im Jahre 1962.

Im Jahr 1963 tauft das Werk die Fahrzeuge um: Aus dem L 319 D wird der L 405, der L 319 mit Ottomotor hört von nun an auf den Namen L 407. Der Omnibus LO 319 bleibt bei seiner Bezeichnung. Im Zuge der Umbenennung erhöht sich die Zahl der Varianten: Stärkere Federn und bessere Bremsen machen zum Beispiel eine Nutzlast von zwei Tonnen möglich, auch gibt es eine Doppelkabine, die vor allem in der Baubranche beliebt ist.

Bereits im September 1965 kann Daimler-Benz die Produktion des 100.000-sten Exemplars der Baureihe feiern, die sich insgesamt 123.234 Mal verkauft. Fast 19.000 Teilesätze verschickt das Werk außerdem zur Montage nach Spanien, im Januar 1967 kommt der Nachfolger T1 auf den Markt.

Quelle: Gerhard Prien