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Fahrzeuge/Oldies

Mahari Replica

French Open

Mehr als drei Jahrzehnte liegt meine erste Begegnung mit einem Citroën Dyane 6 Mohair nun zurück. Aber die Erinnerung ist noch so frisch, als sei es gestern gewesen. In Südfrankreich düste die offene Kiste durch die Hafenstädte, entweder besetzt mit Fischern, Bauern und Handwerkern - oder mit sonnenhungrigen Profis, Urlaubern und Touristen.

Basis des offenen Fahrzeugs mit seiner Kunststoff-Karosserie war Citroëns Dyane bzw. der 2CV, die legendäre Ente. Als Namensgeber musste - trotz der eher bescheidenen Antriebsleistung des 602-Kubikzentimeter-Motors und der daraus resultierenden "überschaubaren" Endgeschwindigkeit - ein Renndromedar herhalten. Rund 145.000 Exemplare des Méhari dürften zwischen Mai 1968 und Oktober 1987 gebaut worden sein, etwa 1.200 davon als Modell AYCE sogar mit traktionsförderndem Allradantrieb. Hinzu kommen etwa 15.000 Einheiten, die für den Einsatz beim französischen Militär gefertigt wurden, und etwa 5.000 Allradversionen mit der Modellbezeichnung A4x4 und dem stärkerem Motor vom Visa, ebenfalls für die französische Armee. Der offene Wagen mit seiner charakteristischen Wellblechoptik rollt auf den typischen schmalen Reifen, aufgezogen auf Dreiloch-Felgen. Ursprünglich als kleines Nutzfahrzeug geplant, erobert sich der Méhari (dessen Namenszusatz Diana 6 übrigens zu Anfang der 1970-er Jahre entfällt) rasch auch einen Platz als Freizeit-Mobil. Während der ein oder andere Méhari speziell im Süden Frankreichs - etwa an der Côte d'Azur zwischen St. Tropez und Nizza - durchaus noch im alltäglichen Straßenbild zu sehen ist, gehört er in Deutschland eindeutig zu den Exoten. Denn hierzulande wurde er nie offiziell verkauft - seine Karosserie aus Kunststoff soll zu leicht brennbar gewesen sein, daher wurde ihm eine Allgemeine Betriebserlaubnis angeblich verweigert. Die wenigen in Deutschland fahrenden Méhari sind von ihren Besitzern über Einzelabnahmen zugelassen worden - Kenner der Szene schätzen, dass in Deutschland gerade mal ein paar Dutzend Exemplare zu finden sind. Und die werden nur entsprechend selten auf dem Gebrauchtwagen-Markt offeriert.

Das durfte auch der Düsseldorfer Kfz-Mechaniker Mario Malzkorn erfahren, der während eines Urlaubs auf Formentera Bekanntschaft mit dem Enten-Ableger machte und fortan gerne auch in Deutschland einen Méhari bewegt hätte. Und kurzerhand einen Umrüstsatz mit dem Namen "El Cid" entwickelte, mit dem aus einem 2CV das kultige Spaßmobil mit knappem Zeltverdeck werden kann. Die Strand-Ente als Replika gewissermaßen - und verdammt dich am Original und dessen typischen Merkmalen. Die Flanken weisen die typischen "Rillen" auf, die Motorhaube wird von Gummispannern und Lederriemen gehalten und die "Türen" haben - genau wie beim Original - eher eine Alibifunktion. Die Karosserie ist aus GfK (glasfaserverstärktem Kunststoff) gefertigt - dadurch ist sie immerhin so stabil, dass man sich auch mal ans Fahrzeug lehnen kann, und sie brennt schlechter als das ABS, das beim Original zum Einsatz kommt. Obendrein gibt es, für die Sicherheit der Insassen, einen Überrollbügel mit einer Halterung für die Dreipunkt-Sicherheitsgurte. In etwas weniger als einer Minute soll es auf Landstraßen-Tempo 100 km/h kommen, das "Renn"Kamel, unter dessen Motorhaube ein 0,6 Liter Zweizylinder-Boxer werkelt. Um das rund 600 Kilogramm wiegende Wägelchen anzutreiben, müssen sich die nicht mal 30 Pferdchen schon ganz gehörig ins Zeug legen. Bis zu 110 km/h sollen laut Malzkorn möglich sein.

Im spartanischen Innenraum fühlen sich Enten-Freaks sofort heimisch. Tacho, Revolverschaltung und Einspeichen-Lenkrad sind hinter der fast senkrecht stehenden Scheibe angeordnet. Wir "früher" gibt es auch ein "Verdeck" mit Gestänge, Zurrösen und Spannriemen. Dennoch darf einen auch beim "El Cid" der ein oder andere eindringende Regentropfen nicht stören.

Während gut erhaltene Méharis - je nach Zustand - zwischen 7.000 und über 20.000 Euro kosten, gibt es Malzkorns "El Cid" als Fertig-Fahrzeug ab 9.420 Euro - inklusive einer Ente als "Spender"-Fahrzeug. Gegen Aufpreis liefert Malzkorn ein verzinktes Chassis, die handlaminierte Kunststoff-Karosserie ist in RAL-Farbtönen eingefärbt. Mit vollverzinktem Rahmen und überholter Technik kostet der Spaß dann rund 12.000 Euro. Wer selbst Hand anlegt - oder eine Ente anliefert - kommt bei einem vormontierten Bausatz bereits mit 6.000 Euro hin. Weitere Infos: www.mm-mehari.de.

Quelle: Gerhard Prien