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Fahrzeuge/Oldies

Horch 830 BL Sanitätskraftwagen

August Horch Museum zeigt historischen Horch Sanitätskraftwagen

Noch bis zum März 2011 zeigt das August Horch Museum in Zwickau einen äußerst seltenen Horch 830 BL Sanitätskraftwagen. Das Fahrgestell wurde 1937 in den Werkhallen des Luxusherstellers in der Muldestadt montiert, der Aufbau stammt von der Fahrzeugbau Schumann GmbH in Werdau.

Beim Namen Horch denkt man an majestätische Limousinen, elegante Kabrioletts oder rassige Sportwagen. Liefer- oder gar Lastkraftwagen kommen einem weniger in den Sinn. Die Zahl der überlieferten Fahrzeuge lässt sich an einer Hand abzählen. Doch auch - und gerade - Nutzfahrzeuge waren eine wichtige Domäne des Zwickauer Nobelherstellers. Schon 1909 lieferte das Unternehmen erste Fahrzeuge aus, die weniger repräsentativ, dafür aber praktisch waren. Es sind Krankenwagen gewesen, mit denen Horch in diese Sparte einstieg. Sie brachte dem Werk durch ein über Motorleistung und Aufbauvarianten breit gefächertes Programm nicht nur einen profitablen Geschäftszweig, sondern außerdem Anerkennung durch Zuverlässigkeit, Leistung und komfortablen Transport. Bei der Fertigung arbeitete man rationell und verwendete Personenwagen-Baugruppen, die entsprechend dem Bedarf und den Anforderungen angepasst wurden. Dies änderte sich mit dem Bau von Lkw-Chassis, die wesentlich mehr Nutzlast tragen konnten. Noch vor dem Ersten Weltkrieg konnten ganze Lastzüge angeboten werden, die mühelos zehn Tonnen Zuladung beförderten. Der Krieg ließ dann die Nutzfahrzeugfertigung durch Heereslieferungen bis an die Kapazitätsgrenzen anwachsen. Mit seinem Ende lief sie stückweise bis 1923 aus. Wenn auch zukünftig die Produktion von Liefer- und Krankenwagen nie ganz aufhörte, spielte sie doch eine untergeordnete Rolle.

Mit dem Zusammenschluss von Audi, DKW, Horch und Wanderer zur Auto Union AG änderte sich an dieser Einstellung recht wenig. Dennoch vernachlässigte das Unternehmen den Bau von Nutz- und Sonderfahrzeugen nicht. Dies zeigt sich schon daran, dass der aufstrebende sächsische Konzern die angebotenen Autos auf DKW-, Wanderer- und Horch-Grundlage etwa zur Berliner Automobilausstellung in der Lastwagenhalle präsentierte. Zunächst zog man allerdings den Umbau von Gebrauchtfahrzeugen vor. Dabei stand das häufig vorhandene Modell 350 im Mittelpunkt. Generalüberholt trat es „fabrikneuwertig“ fast ausschließlich als Krankenwagen den Weg zum Kunden an. Mit dem Grundsatz „Für den Kranken ist das beste gerade gut genug!“ setzte die Verkaufsabteilung ab 1935 wieder ganz auf Neuwagen. Als Chassis fand der durch Zuverlässigkeit, Straßenlage, Federung und Laufruhe perfekt geeignete Horch 830 BL mit dem V-8-Motor Verwendung. Die Wagen mit moderner Innenausstattung – und ohne Blaulicht – schätzten unter anderen die Universitätsklinik Jena, die AEG Hennigsdorf, das Krupp-Grusonwerk Magdeburg oder die Ruhrstahl AG. Dennoch blieb die Auslieferung bis 1938 mit etwa 30 Fahrzeugen jährlich bescheiden.

Um so erfreulicher und interessanter ist die Tatsache, dass bis Ende März 2011 nun im August Horch Museum ein Horch Sanitätskraftwagen gezeigt werden kann. Er wurde 1937, mit der Karosserie der Firma Schumann in Werdau versehen, ausgeliefert. Das komplett restaurierte Fahrzeug aus Privatbesitz hat seinen Weg aus Norddeutschland an die einstige Geburtsstätte aus eigener Kraft zurückgelegt.

Ebenso seltene Exponate sind gleichzeitig nur noch bis Anfang Dezember in der Sonderausstellung „Ein Wanderer und kein Anderer!“ zu bestaunen. Noch ein Grund mehr zum Gang ins Museum, denn in einer faszinierenden Mischung aus der traditionsreichen Geschichte – vom Hochrad aus dem Jahr 1886, über eine Fräsmaschine von 1900, die älteste Continental Schreibmaschine (1904) bis hin zu Motorrädern und dem legendären Wanderer „Puppchen“ – wiederspiegelt sich die Entwicklung einer Weltmarke. Besonderer Akzent liegt auf der Fahrzeugsparte und deren enger Verbindung zum Zwickauer Automobilbau.