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Fahrzeuge/Oldies

Fiat Panda

Ein kleiner Italiener

Fiats Panda feiert 30-ten Geburtstag

Es ist eine Binsenweisheit: Wir werden alle nicht jünger. Manche bemerken das daran, dass die Kinder (oder Enkel) immer größer werden, Schule und Studium hinter sich bringen. Andere (wie der Autor dieser Zeilen) bemerken das an den Autos. Vor allem an denen, die langsam, aber sicher aus dem alltäglichen Straßenbild verschwinden. Eines davon ist der Fiat Panda. Der wird heuer 30 Jahre „alt“ – also schnell noch eine kleine Hommage an den kantigen Italiener, bevor das Jahr 2010 sich endgültig dem Ende zuneigt.

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Als wir noch jung waren, fuhr den meine damalige Freundin Marlis (es war die Zeit, als man noch nicht von „temporären Lebensabschnittsbegleiterinnen“ sprach). Ihr alter 128-er Fiat, günstig gebraucht erworben, war endgültig unrettbar dem „braunen Gold“ zum Opfer gefallen. Was Neues musste her, für den täglichen Weg zur Bank, wo das Mädel damals arbeitete. Die Wahl fiel auf den neuen Fiat Panda, seinerzeit als „tolle Kiste“ vermarktet. Erstmals vorgestellt wurde der Panda, der nicht von Bambus lebt, auf dem 1980-er Automobilsalon in Genf. Damit wird die Kiste heuer 30 Jahre alt. Kinners, wie die Zeit vergeht.

Er hatte was vom Citroën 2CV, der legendären Ente. Mit Platz für vier Personen und Gepäck machte er Mobilität bezahlbar. Und trat in der Klasse von Ente und R4 an, die – wie man in Turin freimütig zugab - zu den Vorbildern des Panda gehörten. Kein Wunder, dass er so etwas wie das italienische Gegenstück eines „Volkswagens“ wurde. Für machen Kunden war er auch so etwas wie ein Symbol für einen anderen, einen alternativen Lebensstil. Auch das hat er mit der Ente gemeinsam.

Gezeichnet von Giorgetto Giugiaro sieht Fiats Kleinwagen so aus, wie ein Kind ein Auto malt. Kantig, geradlinig, wie mit dem Lineal gezeichnet. Klare, glatte Linien, ohne jeglichen überflüssigen Schnickschnack. Sein Schöpfer sah ihn als eine Art „Haushaltsgerät auf Rädern“. Ebenso zweckmäßig war das Autochen ja möglicherweise. Allerdings zeigte sich das braun lackierte Exemplar von Marlis erheblich weniger zuverlässig als ihr Kühlschrank oder ihre Waschmaschine. Immer wieder mal blieb er liegen – mit verdrecktem Vergaser. Was beim ein oder anderen sonntäglichen Ausflug in die Eifel oder an die Ahr zu einer vorübergehenden Zwangspause am Straßenrand führte, wo der kleine Italiener röchelnd strandete. Nach einigen Werkstattbesuchen und letztlich energischem Auftreten tauschte der ortsansässige Händler schließlich den Tank. Der war innen lackiert – allerdings nicht mit spritfestem Lack. Und so wanderten immer wieder Lackpartikel in Richtung Vergaser und legten diesen lahm. Mit neuem Tank zeigte sich das Italo-Mobil dann recht zuverlässig. Trotz der blattgefederten Hinterachse war der Italo-Kleinwagen recht kommod zu fahren – und mit seinen 45 Pferdchen aus rund 900 ccm Hubraum durchaus flott unterwegs. Die angegebenen 140 km/h Spitze schaffte er immer locker. Kein Wunder, bei gerade mal 700 Kilo Leergewicht.

Praktisch war er obendrein. Die Bestuhlung hatte eine auffällige Ähnlichkeit mit Campingstühlen. Die kam nicht von ungefähr. Angeblich soll der Designer auf die recht bequemen Stahlrohrmöbel mit waschbarem Stoffbezug durch den Anblick eines Liegestuhls auf dem Balkon seines Ferienhauses gekommen sein. Recht dünne Bezüge hatten die Sitze, dafür waren sie aber vielfach verstellbar. Zusammen mit der Rücksitzbank konnte man aus den umgeklappten Fahrer- und Beifahrersitzen ein wunderbar großes „Doppelbett“ bauen. Was Fiat auch in der wunderbar gelungenen und humorvollen Werbung immer wieder keck und frech vermarktete.

Da steht etwa ein Panda in südlichen Gefilden, deutlich zu erkennen an den Palmen im Hintergrund. Im Fenster des Panda spiegelt sich der leuchtende Schriftzug eines Nobelhotels. Dazu gibt es den Spruch: „Dass kein Zimmer frei war, störte uns wenig. Der Portier versprach immerhin, das Frühstück ans Auto zu bringen“.

Lustig der wissbegierige Knirps, der in einen Panda hineinschaut, dessen Sitze deutlich erkennbar heruntergeklappt sind, und der sich zur Frage hinreißen lässt: „Was macht ihr da?“

Recht eindeutig auch die Szene, in der ein Panda zu sehen ist, vor dem ein Paar Pumps und ein Paar Herrenschuhe stehen. „Maria wachte auf. Sie lag in einem Bett. Und neben ihr lag ein Mann. Sie wusste nicht, wie sie in diese Situation gekommen war.“

Fehlen darf auch nicht mein absoluter Favorit. Der Panda im Vordergrund, im Hintergrund jede Menge riesiger Muldenkipper. „Es kam der Tag, wo er ihr zeigen wollte, womit sein Vater jede Menge Kies machte. Sie jedoch wollte endlich wissen, wie die umklappbare Rückbank funktionierte.“

Die funktionierte übrigens ganz einfach, wie eine Hängematte beinahe. Einfach eine Stange rechts und links aushängen, Rückenlehne flach legen, das war’s.

Mindestens ebenso pfiffig wie die Bestuhlung war die große Ablagefläche. Die spannte sich unterhalb des kantig-eckigen Armaturen„bretts“ über die gesamte Innenbreite des Fahrzeugs. Was da nicht alles reinpasste ... Zum Beispiel der ganze Kleinkram, den eine junge Frau wie Marlis damals brauchte, um im automobilen Alltagsdschungel zu überleben. Dazu gehörten etliche Musik-Cassetten – die brauchte man damals, als es noch keine MP3-Player gab, um die Musik zu hören, die einem gefiel. Gott, ist das lange her. Hin und her gab es nicht nur bei der Frage, welche Band bei längeren Autofahrten gehört werden soll, sondern auch beim Aschenbecher. Der war nicht nur richtig groß, sondern konnte auch auf der gesamten Breite der Ablage hin und her geschoben werden.

Der Panda von Marlis war einer der ersten Serie. Leicht erkennbar an seiner Blechnase und den in Fahrtrichtung links sitzenden zahlreichen Rippen, die statt eines Kühlergrills zum Einsatz kamen. Selbst einen Hauch Mercedes hatte Fiat dem Kleinen verpasst. Denn ebenso wie die ein Jahr zuvor erschienene S-Klasse, Top-Baureihe der Schwaben, zierten den Panda seitliche Kunststoffplanken und schützten ihn vor Parkremplern und Steinschlag. Praktisch für eine Frau wie Marlis, die sich mit ihrem Autochen ja immer wieder in die Parkplatzschlacht vor dem Einkaufscenter begeben musste. Wo sich bekanntermaßen – und das gilt bis heute – schon mal ein Einkaufswagen selbständig macht und gegen die Seitenwand eines parkenden Pkw rollt. Ein Malheur, das beim Panda – meist – ohne bleibende Folgen blieb.

Bereits drei Jahre nach der ersten Präsentation wird 1983 die bei Steyr-Daimler-Puch in Graz (später dann Magna Steyr) gebaute Allradvariante vorgestellt. Mit rund fünf Zentimetern mehr Bodenfreiheit, dazu einem Motor von Lancia, wird der Panda zur Bergziege. Und rund 150 Kilo schwerer als der Fronttriebler. Mit dem 4x4 Panda zeigt der ein oder andere Einheimische in den Alpen den Fahrern von großvolumigen, alles andere als kompakten Geländewagen (zu deren großen Verwunderung), wo der Barthel im Matsch und auf Geröll den Most holt.

Rund sechs Jahre rollt der Panda ohne Überarbeitung und Facelifting vom Band. Erst danach kommt ein sanft geliftetes Modell, mit einem Kühlergrill aus schwarzem Kunststoff statt dem aus Blech. Und neuen Motoren, den Fire-Aggregaten, mit 34 oder 45 PS. Fire steht für Fully Integrated Robotized Engine, also für von Robotern montierten Motoren. Ab 1987 gab es auch Einspritzung und Katalysator. Für den Einsatz in der Stadt spendierte Fiat dem Kleinen ein stufenloses CVT-Getriebe.

Zwischen 1980 und 2003 werden rund vier Millionen Panda gebaut. Preiswert ist der Panda der ersten Generation bis zum Ende seiner Laufbahn. Die spartanische Inneneinrichtung und das kantige Design machen eine günstige Produktion möglich. In Italien kostet ein neuer Panda im Jahr 2000 um die 5.000 Euro. Seit 2003 rollt die zweite Modellgeneration über die Straßen. Da war der Panda von Marlis schon längst Geschichte. Wie sein Vorläufer, den 128-er, hat auch ihn der Rost dahin gerafft.

Fiat Panda 45
3.380 mm lang, 1.460 mm breit, 1.445 mm hoch, Radstand 2.160 mm, Leergewicht ca. 700 Kilogramm, Frontantrieb, vorne Einzelradaufhängung an Federbeinen, hinten Starrachse an Längsblattfedern , Bereifung/Räder 145/70 SR 13 auf 4 x 13“, vorne quer eingebauter Reihen-Vierzylinder, 903 ccm Hubraum, 33 kW / 45 PS Leistung bei 5.600 U/min, maximales Drehmoment 64 Nm bei 3.000 U/min, Viergang-Schaltgetriebe , Spitze ca. 140 km/h, Neupreis 1980: 9.390 D-Mark

Quelle: Gerhard Prien