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Fahrzeuge/Oldies

Die Bulli Garage

Ende März 2012 endet die Ära Harald Schaumburg. Er hat als Markenvorstand von Volkswagen Nutzfahrzeuge in den vergangenen Jahren das "VW Bus Oldtimer Projekt" beflügelt. Alles begann im Jahre 2007, als in Hannover mit dem großen VW Bus-Treffen zum 60-jährigen Jubiläum des Volkswagen Busses die Idee der Oldtimer Abteilung geboren wurde. Schomburg war der Mann der ersten Stunde, er machte nach dem überwältigendem Erfolg des Treffens mit rund 12.000 Bussen das Budget für die Bullitruppe locker.

So entwickelte sich nach und nach ein neuer Bereich in Hannover. Über die Jahre sammelten sich rund 100 Fahrzeuge - im Zustand von super bis super-schlecht im Werk in Hannover Stöcken, so dass die Räumlichkeiten aus allen Nähten platzten. Im Jahre 2011 wurde dann grünes Licht für die Werkstatt von VW Nutzfahrzeuge Klassik gegeben, die Fahrzeuge inklusive Werkstatt, Teilelager und Mannschaft bekamen in Hannover Limmer - werksnah und gleich gegenüber der Fertigung des California - ein neues Zuhause. In den neuen Räumlichkeiten auf dem ehemaligen Firmengelände der Firma Wabco fanden die Bullis aller Generationen, von T1 bis T5, und weitere alte und neue Nutzfahrzeuge ein neues Domizil, mit ausreichendem Platz.Die Oldtimer-Mannschaft bekam großzügige Büroräume und endlich genügend Raum zum Schrauben. Natürlich wurde auch an die Ersatzteile gedacht, selbst eine eine Lackierstraße soll noch installiert werden. Alles hat in Limmer seinen Platz gefunden.

Der „Herr der Bullys“, wie man Harald Schomburg in Hannover liebevoll nennt, hat sich mit diesem Projekt zum Ende seiner Dienstzeit noch einmal Arbeit ans Bein gebunden. Der Manager, der mit einem Lächeln davon spricht, dass er ganz gerne eine werkseigene Doppelkabine "mit etwas Pfeffer im Heck" bewegt, hat die Werksrestaurierungen, die VW Nutzfahrzeuge künftig anbietet, zu seinem Projekt gemacht. Egal, ob ein Kunde seinen Bulli in Neuzustand zurück versetzen lassen oder einfach nur eine große Inspektion machen will, alles soll hier möglich gemacht werden. Volkswagen Nutzfahrzeuge Oldtimer wird den Liebhabern und Fans des Busses einen Rundum-Service mit detaillierter Dokumentation anbieten. Das Ganze hat seinen Preis. Die Mechanikerstunde kostet um die 80 Euro, durchaus ein handelsüblicher Kurs. Volkswagen Classic Parts unterstützt die Restaurationen und arbeitet bei der manchmal nicht ganz einfachen Teilebeschaffung zu. Bei Interesse an einer Restaurierung des eigenen Mobils - oder eines Firmenfahrzeuges - bekommt man in Hannover eine fachkundige Beratung, es wird bis ins Detail geplant, welche Arbeiten erledigt werden sollen. Umgesetzt werden auch Wünsche in Richtung Tuning oder Optik, für alle, die es mit der Originalität nicht so ganz genau nehmen. Alles ist möglich, der Bus ist eine ideale Basis für einen individuellen Umbau. Davon zeugen nicht zuletzt die rund 100 Fahrzeuge aller Baureihen, die in den Hallen stehen. Teils mit reichlich Patina, teils bereits fertig restauriert und mit glänzendem Lack.

In der Bulliwerkstatt arbeiten Schrauber aus Leidenschaft: Mario, Werner, Thomas, Henning, Veit, Christian, Christof und Ralf schaffen aus Rost und altem Blech neue Werte. Ob Karosse, Motoren, Fahrwerk oder Innenausstattung, es gibt nichts, was die Jungs nicht wieder hinbekommen würden. Wenn man ihnen beim Arbeiten zuschaut, sieht man, mit wie viel Herz sie bei der Arbeit sind. Viele von ihnen haben selbst einen Oldtimer zu Hause stehen - oder hätten ganz gern einen. Es steckt viel Arbeit in den alten Kisten, aber das Endergebnis lohnt die Mühen und den Aufwand. Manche der Fahrzeuge möchten die Jungs gar nicht mehr an den Auftraggeber zurückgeben, so viel Herzblut und Überstunden steckt in den rollenden Zeitzeugen. Wenn man sie fragt, sie würden ihren Job gegen keinen anderen in der Welt tauschen. Man kann es verstehen. Die "heiligen Hallen" in Limmer haben schon ihr ganz besonderes Flair. Man sieht selten so viele Fahrzeuge der Generationen T1 bis T5 auf einem Fleck, in einer Halle. Und fast jedes von ihnen hat seine ganz eigene Geschichte. Die Sammlung reicht von dem einfachen Handwerker-Bus über Prototypen, Offroad-Fahrzeuge und seltenen Modellen wie etwa den nur in wenigen Exemplaren gebauten B 32, einen T3 Bus, befeuert von einem Porsche 911-Triebwerk. Auch wenn die Fahrzeuge nicht erzählen können, wenn man genau hinhört, erzählt jedes seine ganz eigene Story.Zu den guten Geistern in Limmer gehören auch Kerstin, Gerolf und Petra, außerdem Michael und Olly. Sie sitzen hoch oben in der Halle im Büro, mit Blick auf die Fahrzeuge. Sie organisieren die Teilnahme des "rollenden Museums" an Events, sind für das Budget verantwortlich, koordinieren die Restauration, erstellen Dokumentationen oder führen Recherchen durch; damit auch alles so original wie möglich wird. Bei diesem ganzen Aufwand - und dem herrlichen Fuhrpark mit all seinen verschiedenen Mobilen aus allen Baureihen - hat VW Nutzfahrzeuge natürlich nicht nur den privaten Kunden im Visier. Eine Vermietung der Fahrzeuge liegt natürlich nahe. Ob für Messen, Presseveranstaltungen oder Museen, der VW Bulli ist nicht nur ein idealer Sympathieträger, sondern natürlich auch ein markenbotschafter. In den 1950-er und 1960-er Jahren war er für viele Firmen mit seinen großen Werbeflächen auf den Flanken des Kastenwagens "das" Aushängeschild für Unternehmen und Produkte. Er warb für Softdrinks und Bier, für Haushaltsgeräte wie Staubsauger und Waschmaschinen, Unterhaltungselektronik, Kaffee und diverse Nahrungsmittel. Heute erfreut sich der Bulli in Film und Fernsehen großer Beliebtheit. Wer in der TV-Werbung genau hinschaut, sieht vor allem die erste und zweite Generation der Busse häufig als sympathischen und zeitlosen Werbeträger. Die Firmen mieteen nicht nur einen VW Bus, sondern bekommen das „Bulli-Lebensgefühl“ gleich mit dazu. Klar, denn es ist wie eine Zeitreise, wenn man in so einem Fahrzeug sitzt und fährt. Und genau das kann nun jeder haben, wenn er es sich leisten kann. Denn immerhin sind die VW Busse der ersten Generation, speziell in der Samba-Ausführung, in Preisregionen entschwunden, die nicht mehr ganz volkstümlich sind. Da werden schon einmal sechsstellige Euro-Beträge aufgerufen. Was Harald Schaumburg so kommentiert: "Der VW Bus ist bei den Klassikern angekommen".

Rund 100 Fahrzeuge stehen in Hannover. Da mag mancher Interessierter und Bullifan sich fragen: Kann man da hin und die Mobile besichtigen? Nein, das kann man leider nicht, aber man kann die Menschen hinter den Bullis und etliche Fahrzeuge das Jahr über auf Veranstaltungen treffen. Das Team von VWN NFZ Oldtimer ist auf verschiedenen Bulli-Treffen das ganze Jahr über unterwegs, nimmt mit dem "rollenden Museum" Termine bei Old- und Youngtimer-Rallys wahr und ist auf Messen wie etwa der Techno Classica in Essen mit einem Stand vertreten. Hier kann man gute Benzingespräche führen, und sicher die ein oder andere Geschichte über die alten Busse erfahren.Wer diesen kurzen Artikel bis zum Ende gelesen hat, wird sich vielleicht fragen, ob es bei VW nicht auch noch andere Nutzfahrzeuge als "nur" den Bulli gegeben hat. Ja, natürlich. In Hannover steht auch eine kleine, aber feine Sammlung an "Nicht-Bullis". Darunter Modelle wie ein Fridiolin, Taro, Caddy, LT, L80, Amarok, Crafter oder ein Constallation-Lkw. Alles Fahrzeuge, die bei VW ebenfalls unter Nutzfahrzeug laufen. Ihnen wird in Limmer natürlich die gleiche Liebe und Sorgfalt zuteil wie den Bullis, auch wenn diese doch eher seltener eine Fangemeinde haben. Sie gehören mit zur Geschichte des Konzerns, und werden hier gepflegt und repariert. Harald Schomburg verlässt den Volkswagen Konzern Ende März 2012, er hinterlässt ein hoffentlich erfolgreiches, Stück Geschichte. Und ein Team, das sich um die Geschichte von Volkswagen Nutzfahrzeuge kümmert. Die ein oder andere Träne wird in Limmer verdrückt werden, wenn der „Herr der Bullis“ seinen letzten Arbeitstag hat.

Quelle: Gerhard Prien / Christoph Boltze