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Fahrzeuge/Oldies

Der erste Brezelkäfer

Aus dem Netz gefischt

Immer wieder geistern durch die Szene Geschichten von legendären, sagenumwobenen Scheunenfunden. Von Schrottplätzen, versteckt und überwuchert, auf denen etliche rostige Schätze zu heben sind. Heute hilft bei der Suche nach vergessenen Exemplaren nicht nur die Wochenend-Tour entlang bäuerlicher Scheunen und Höfe, sondern auch das Internet. Im Netz fanden Traugott und Christian Grundmann, nach eigenen Angaben „zwei verrückte Dachdecker-Meister aus Hessisch Oldendorf im schönen Weserbergland“, den Porsche-Käfer 3806. Die Geschichte des Fundes und der Restaurierung des Fahrzeugs beschreibt Clauspeter Becker, illustriert mit Fotos von Axel Struwe, in seinem Buch „Der erste Brezelkäfer“.

Die Grundmanns sammeln und restaurieren seit Jahren alte Käfer und Sonderkarosserien auf der Basis des Käfer, darunter etliche Rometsch. Mehr als 70 historische Volkswagen umfasst ihre Sammlung derzeit. Den 1938-er Käfer fand Christian Grundmann in einem amerikanischen Internet-Forum, in dem es um Oldtimer von Volkswagen geht. Dort geistern Fotos eines verwitterten Käfers herum. Grundmann nimmt die Spur auf und gelangt zu Arūnas Stepulis, der den Wagen in Ukmerge, 75 Kilometer nördlich von Vilnius gelegen, auf eine Wiese fand. Ambitioniert sind seine ersten Forderungen, sie liegen im sechsstelligen Bereich. Schließlich findet der Schrotthaufen im Tausch gegen einen fahrbereiten Käfer des Baujahres 1942 seinen Weg zurück nach Deutschland. Schließlich hatten sich Grundmanns schon lange den noch fehlenden Baustein in ihrer Sammlung gewünscht: Einen der ersten Brezelkäfer, einen Prototyp, der als Baureihe VW 38 bei Porsche noch in Handarbeit entstand. Als der Käfer in Deutschland begutachtet und zerlegt wird, findet sich die Fahrgestellnummer 38/06 – die letzte Zahl verborgen unter einem angeschweißten Flacheisen. Damit ist klar, auf einer Wiese in Litauen rottete ein 1938-er VW Käfer vor sich hin, einer von nur drei noch erhaltenen Prototypen des VW 38, der später als KdF(Kraft durch Freude)-Wagen bekannt wurde.

Der Fund elektrisiert die Käfer-Szene, kein Wunder, schließlich ist er eine kleine Sensation für die „Gemeinde“. Von den Sitzen ist nicht mehr viel übrig, die Karosserie ist verstümmelt, von der Bodengruppe sind nur noch Reste vorhanden. Es folgte monatelange Arbeit, mit hunderten von Stunden, um das Wrack zu neuem Leben zu erwecken. Das Buch dokumentiert mit zahlreichen Fotos des VW-Freaks und Bielefelder Fotografen Axel Struwe eindrucksvoll die Restaurierung des Käfer-Prototyps. Und die Wiedergeburt einer Legende, die heute wieder glänzt wie vor mehr als 70 Jahren. Auf die Spuren des Wagens hat sich der renommierte Motorjournalist Clauspeter Becker begeben. Er erzählt die Geschichte von Nummer 38/06 von Anfang an. Ursprünglich sollte er ab 1939 im neuen Volkswagenwerk bei Fallersleben (später Wolfsburg) gebaut werden. Aber der Zweite Weltkrieg verhinderte die Serienproduktion der bestellten Fahrzeuge, nur wenige KdF-Wagen kamen zur Auslieferung. Stattdessen wurden im neuen Fahrzeugwerk Kübel- und Schwimmwagen hergestellt. Erst nach 1946 erfolgte die Fertigung und Auslieferung des Volkswagens auf Basis des VW 38 in großen Stückzahlen.

Clauspeter Becker / Axel Struwe: „Der erste Brezelkäfer“, 2. Auflage, 144 Seiten, 81 Farbfotos, 15 S/W Fotos, 2 farbige Abbildungen, 1 S/W Abbildungen, Format 21,5 x 28,5 cm, gebunden mit Schutzumschlag, Delius Klasing, ISBN 978-3-7688-3362-2, Preis: 29,90 Euro (D) / 30,80 Euro (A) / 40,90 sFr (CH)

Quelle: Gerhard Prien