ADVENTUREMEDIA4U

Fahrzeuge/Oldies

Brooklands Rennstrecke

Very british: Brooklands

Angeblich hatte Hugh Fortescue Locke-King in Brescia (s)eine brillante Idee. Der wohlhabende Brite reist 1906 nach Italien. Dort erlebt er bei der Targa Florio und beim Großen Preis von Frankreich die fulminante Frühzeit des europäischen Motorsports. Er beobachtet die Jubelstürme, die den Fahrzeugen entgegenschlagen, wenn sie mit Getöse und ihrem Odeur von Benzin und Öl am Publikum vorbei fahren. Aber britische Fahrzeuge sichtet er nicht. Er ist Geschäftsmann und Patriot. Schnell ist ihm klar, dass sich diese Situation nur ändern wird, wenn die britischen Fahrzeugbauer ihre Kreationen auf einem Hochgeschwindigkeitsgelände bis an die Grenzen der Belastbarkeit ausprobieren können. Auf öffentlichen Straßen ist die Geschwindigkeit in Großbritannien per Gesetz auf 32 km/h (20 Meilen je Stunde) festgelegt. Erst 1930 wird sie angehoben. Die Lösung ist eine private Strecke. Der Entschluss fällt schnell.

Locke-King stellt Gelände seines eigenen, umfangreichen Besitzes in der Nähe des rund 30 Kilometer südwestlich von London gelegenen beschaulichen Städtchens Weybridge für eine Rennstrecke zur Verfügung. Und obendrein auch Geld aus seiner Privatschatulle, damit sie möglichst schnell entsteht. Er investiert 150.000 Pfund, damals eine gewaltige Summe. Die Rennstrecke soll Brooklands heißen, benannt nach dem Familienwohnsitz auf dem Gelände. Der Streckenverlauf wird die Form eines Ovals mit zwei Steilkurven haben, eine davon mit etwas größeren Radius und auch mehr Überhöhung.

Der Bau

Locke-King ist ein Mann der Tat – auch wenn er die Fortentwicklung des Automobils nachdrücklich beeinflusst, selbst aber nie einen Führerschein hatte. Baubeginn ist im Oktober 1906. In wenigen Wochen verwandelt sich das Gelände in einen Tummelplatz von Maschinen und Männern. Sie sind rund um die Uhr tätig, zum Transport von Baumaterials werden sieben Meilen Eisenbahngleise gelegt, auf denen sechs Loks emsig rangieren. Bäume und Büsche werden gerodet, Unmengen Erde bewegt.Für Streckenteile wie die Zielgerade wird Boden eingeebnet; die Erde findet andernorts Verwendung, etwa als Fundament für die beiden Steilkurven. Der River Wey wird umgeleitet, damit das Gelände die Rennstrecke besser aufnehmen kann. Ganz ausweichen kann man dem Fluss nicht: Die Steilkurve namens Members Banking führt über den Wasserlauf – die gebogene, dem Streckenverlauf folgende Brücke aus Stahl und Beton gilt als ingenieurtechnische Großtat. 200 Zimmerleute bauen Zäune, Tribünen und Schuppen. Insgesamt werden rund 270.000 Kubikmeter Erde bewegt, 180.000 Tonnen Beton fließen in die Fahrbahnoberfläche. Ein gewaltiger Aufwand.

In einem zeitgenössischen Zeitungsbeitrag heißt es: „Den ganzen Tag stürzen Bäume ins Unterholz, die dann von zähen Zugmaschinen gezogen und gezerrt werden, welche wie Spinnen aus ihrem Inneren Stahlseile ausspucken, um die gefällten Bäume zu umgarnen. Große Dampfbaumaschinen – Dutzende gibt es auf verschiedenen Teilen des Geländes – hacken unermüdlich, um den Hügel weiter abzutragen. Mehr als 600 Arbeiter sind dort tätig, und ihre Zahl wird immer größer.“ Rund 2.000 Arbeiter sind mit dem Bau beschäftigt. Beobachtern bietet sich ein markantes Bild aus der Zeit des technischen Übergangs: Die Kraft von Dampfmaschinen ebnet dem Verbrennungsmotor den Weg.

Im Dezember 1906 wird der Brooklands Automobile Racing Club gegründet. Er ist später für die Veranstaltung der Rennen verantwortlich . Praktisch: Das Clubhaus auf dem Gelände wird gleich mit eingeplant.

Die geplante Eröffnung im Mai 1907 fällt zwar flach, aber nach rund neun Monaten Bauzeit wird am 17. Juni 1907 die weltweit erste professionelle Rennstrecke für Motorsport eröffnet. Seine Ansprache hält Locke-King sehr knapp: Es gebe keinen Grund für viele Worte, die Rennstrecke sei nun da. Ob das Unterfangen erfolgreich sein werde oder nicht, das werde nun die Automobilwelt zeigen. Nach den Formalitäten, besteigen die Gäste ihre Autos. Sie dürfen die ersten Runden drehen. Locke-King erlebt den nun folgenden Aufschwung und auch die Blütejahre seines Großprojekts – er stirbt 1926. Seine Ehefrau Ethel Locke-King steht voll hinter dem Projekt. Sie leitet die Rennstrecke und das Anwesen bis 1936.

Was bietet die Strecke

Die Rennstrecke ist, inklusive der Zielgeraden, 5,2 Kilometer lang. Davon sind 3,2 Kilometer ebene Strecke, rund 30 Meter breit. Die längere der Steilkurven, Byfleet Banking, hat einen mittleren Radius von 472 Metern, ist rund sechs Meter hoch und hat eine Überhöhung von fünf Metern. Diese lang gestreckte Kurve senkt sich ab, bevor die Strecke den River Wey überquert und sich an der „Fork“ teilt: Links die Zielgerade, rechts steigt der Kurs wieder an in Richtung der kürzeren Members Banking. Die hat einen mittleren Radius von 305 Metern, ist 8,5 Meter hoch und hat eine Überhöhung von 10 Metern, bevor sie in eine flache Gerade übergeht, die entlang der Eisenbahnlinie („Railway Straight“) wieder zum Byfleet Banking führt.

5.000 Sitzplätze sind vorhanden, der Raum für Stehplätze wird auf 250.000 geschätzt. Entlang der Strecke gibt es sieben Ausweichbuchten, alle 275 Meter (300 Yard) stehen Streckenposten-Hütten, miteinander über elektrische Glocken und Telefon verbunden. Die Boxenanlage befindet sich auf der kursinneren Seite der Zielgeraden, dort ist auch das repräsentative Clubhaus untergebracht. Fahrzeuge gelangen auf den Kurs durch einen Tunnel unterhalb des Members Banking und eine Straße Richtung Boxenanlage.

Die Gesamtanlage wird sich nicht mehr grundsätzlich ändern. Eine Änderung erfährt Brooklands 1909 mit dem Bau des „Test Hill“. Am Hügel können die Autohersteller die Steigfähigkeit und die Bremsen ihrer Fahrzeuge testen. Die schmale Betonfahrbahn läuft über 107 Meter in unterschiedlichen Steigungsgraden von 1:4 bis 1:8, die durchschnittliche Steigung beträgt 1:5. Eine weitere Ergänzung erfolgt 1937, der „Campbell Circuit“. Er zweigt auf der Railway Straight von der Hauptstrecke ab und führt über eine kurvenreiche Strecke im Innern des Ovals, bis er auf die Zielgerade trifft. Diese moderne Strecke ist eine Antwort auf viele Fragen. Reine Rundstreckenrennen haben wegen der hohen Geschwindigkeiten für die Zuschauer an Attraktivität verloren. Sie finden mehr Spannung an langsameren, aber vielfältigeren Kursen mit vielen Kurven. Gleichzeitig ist der Campbell Circuit Brooklands’ Antwort auf Konkurrenz im eigenen Land: 1933 wird die Rennstrecke Donington Park eröffnet, 1937 ein Kurs am Crystal Palace.

Außerdem hat die Entwicklung der Kraftfahrzeugtechnik Auswirkungen: Die schneller gewordenen Fahrzeuge überschreiten die physikalischen Grenzen der Steilkurven-Strecke; die überhöhte Fahrbahn genügt nicht mehr, um die Fahrzeuge bei großen Fliehkräften und extrem hohen Geschwindigkeiten auf dem Asphalt zu halten. Die Rekordfahrzeuge rollen auf langen ebenen Flächen, etwa ausgetrockneten Salzseen in Nordamerika.

Die erste Rekordfahrt

Noch vor dem Eröffnungsrennen gibt es auf der Rennstrecke eine erste Rekordfahrt. Selwyn Edge startet am 28. Juni 1907 zu einer 24-Stunden-Fahrt. Er will den Streckenrekord von 1.754 Kilometern brechen, den zwei Amerikaner halten. Der Fahrt von Edge geht eine Diskussion voraus, ob der Mensch solche Anstrengungen und Geschwindigkeiten aushalten könne – und ob das Auto überhaupt solange halten werde. Die Diskussion bringt der neuen Rennstrecke unverhoffte Werbung. Damit nachts gefahren werden kann, beleuchten hunderte von Straßenlaternen den inneren Streckenrand – eine surrealistische Szene. Edges Fahrzeug ist ein weitgehend serienmäßiger Napier 60 PS, der seiner Touringkarosserie beraubt ist. In 24 Stunden legt Edge bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 107,87 km/h rund 2.531 Kilometer zurück. Gleichzeitig schafft er Weltrekorde für sämtliche Zeitenstrecken von einer bis 24 Stunden sowie Zeitrekorde für 50 und 1.000 Meilen.

Der Eröffnungstag

Die erste offizielle Rennveranstaltung mit sechs Einzelrennen wird für den 6. Juli 1907 terminiert. Es gibt kaum Vorbilder für solche Veranstaltungen, die Regeln lehnen sich an Pferderennen an: Um die Fahrzeuge voneinander unterscheiden zu können tragen die Fahrer – wie Jockeys – farbige Rennjacken. Gefahren wird gegen den Uhrzeigersinn. Jeder Teilnehmer legt die vorgegebene Rundenzahl zurück und biegt nach der letzten Runde in die Zielgerade ein. Hinter der Ziellinie geht es ein kurzes Stück über die Strecke, dann führt eine Straße links zur Boxengasse. Es gilt die fulminante Rekordfahrt vom 28. Juni zu überbieten. Doch das geht schief. Die Rennen sind wenig spannend. Nur wenige Fahrzeuge sind zu Geschwindigkeiten von mehr als 145 km/h fähi, der größte Teil der ihrer Karosserie beraubten Standard-Chassis schaut auf der breiten Betonbahn sehr langsam aus. Bemängelt werden fehlende Imbissmöglichkeiten, die Kieswege taugen nicht für Damenschuhe. Die Ausfahrtstraße, auf der die Rennwagen von der Strecke gelangen, ist steil. Viele kommen nicht hinauf, mancher Wagen fängt sogar an zu brennen. Rundenzeiten und Geschwindigkeiten werden nicht angesagt. Der Start lässt viele Wünsche offen. Aber die Veranstaltung wird tapfer durchgeführt. Unter den ausgelobten Preisen: Die „Gottlieb Daimler Memorial Plate“ über eine Entfernung von gut 25,5 Kilometern . Das Rennen führt zunächst ein gelber Minerva 35 PS an, dahinter fechten ein Daimler und ein Ariel-Simplex ein hartes Duell aus. Der Minerva und der Ariel-Simplex scheiden wegen technischer Probleme aus, der Daimler gewinnt mit fast einer Runde Vorsprung. Auf den zweiten Platz rollt ein Darracq. Das war’s. Kein weiteres Auto erreicht das Ziel.

Größtes Ereignis des Nachmittags ist der erstmals ausgetragene „Montague Cup“ über 48 Kilometer. Ausgesetzt ist eine Siegessumme von 1.400 Pfund. Nach einem spannenden Rennen fährt ein Mercedes 120 PS als Erster über die Ziellinie; eine offizielle Zeit gibt es nicht, aber man vermutet eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 132 km/h. Auf Platz zwei: Ebenfalls ein Mercedes 120 PS.

Die weitere Saison

Historische Bedeutung hat ein Rennen im August 1907: Die Rennleitung will mehr Klarheit ins Feld bringen und wehrt sich gegen die Kennzeichnung der Fahrzeuge ausschließlich mit farbiger Fahrer-Kleidung. So rollen erstmals nummerierte Rennwagen über die Strecke.
Während der ersten Saison wird auch die offizielle Zeitnahme eingeführt. Vorher genügte die Reihenfolge der Fahrzeuge im Ziel, um Sieger und nachfolgende Autos festzustellen. Spezielle Geräte zu Zeitmessung werden in den Folgemonaten entwickelt und ständig verbessert. Die Preissummen der ersten Saison sind außergewöhnlich hoch. Während der ersten drei Renntage holen Mercedes Fahrzeuge 2.800 Pfund, Napier 1.760 Pfund und Darraq 1.000 Pfund.

Aber Brooklands ist nicht nur für Autos gedacht. Schon während der ersten Saison donnern auch Motorräder über die Rennstrecke. Der desaströse Eröffnungstag hält den Aufstieg von Brooklands nicht auf. Immer wieder finden Rennveranstaltungen statt, die große Zuschauerzahlen anziehen. Brooklands wird zur wichtigen Rennstrecke auf der europäischen Landkarte, die Teilnehmer nicht nur aus Großbritannien anzieht.

Für Wagen wie den berühmten Benz 200 PS („Blitzen-Benz“) ist Brooklands wie gemacht. Nur auf solchen Strecken kann das Potenzial ausgenutzt werden. Wer richtig schnell fahren und Grenzen verschieben möchte, muss nach Brooklands kommen. Werksfahrer Victor Hémery präsentiert den Wagen am 8. November 1909 in Brooklands. Er stellt einen neuen Geschwindigkeitsrekord auf. Mit fliegendem Start erreicht er über eine halbe Meile eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 205,666 km/h. Damit durchbricht er erstmals in Europa die magische Marke von 200 km/h. Ein Rekordwagen ist geboren. Er erreicht noch weitere Bestwerte, etwa den Kilometer mit stehendem Start in 31,326 Sekunden und die Meile mit 41,268 Sekunden.

Am 22. Dezember 1913 übertrifft L. G. „Cupid“ Hornsted in Brooklands den Rekord von Hémery. Er setzt mit 118,4 km/h einen neuen Bestwert über den stehenden Kilometer. Am 14. Januar 1914 stellt er sieben neue Rekorde auf. Das höchste Mittel aus Hin- und Rückfahrt erzielt er dabei über eine halbe Meile mit fliegendem Start. Der Wagen erreicht 199,3 km/h. Eine Woche zuvor muss er sein ganzes fahrerisches Können unter Beweis stellen, als ihm bei etwa 190 km/h ein Reifen platzt. Nach einigen Drehern bekommt er den Benz 200 PS wieder unter Kontrolle.
Am 24. Juni 1914 tritt Hornsted erneut an. Mit Erfolg: Der Weltrekord für eine Meile mit fliegendem Start steht nun bei 199,71 km/h. Seine Höchstgeschwindigkeit von 206,25 km/h stellt einen neuen Klassenrekord dar und ist auch die bis dahin höchste in Brooklands gemessene Geschwindigkeit. Der Erste Weltkrieg bereitet allem Renntreiben erst einmal ein Ende. Während der Kriegsjahre dient Brooklands der Luftfahrt.

Der Neustart nach dem Ersten Weltkrieg

Nach dem Krieg dauert es einige Jahre, bis Brooklands wieder voll genutzt werden kann. Die Kriegsaktivitäten haben Schäden auf der Fahrbahn hinterlassen, die Treibstoffrationierung dauert an. Das erste Rennen nach dem Krieg findet 1920 statt. Autos gibt es genug, die meisten verbrachten die Kriegsjahre sorgfältig konserviert.

Zu Berühmtheit gelangt 1921 ein ganz besonderes Fahrzeug: Graf Louis Vorow Zborowski bringt seinen „Chitty Chitty Bang Bang“ nach Brooklands. Er lässt auf ein Vorkriegs-Chassis von Mercedes einen Maybach-Flugmotor mit rund 23 Liter Hubraum montieren, der rund 300 PS 221 entwickelt. Der Auspuff besteht im Wesentlichen aus einem armdicken Rohr. Chitty I, wie es auch heißt, erfährt einige Änderungen, bis es 1922 mit 182,58 km/h seine schnellste Runde fährt. Chitty I ist in Brooklands das erste Ungetüm auf Rädern mit einem Flugzeugmotor. Weitere folgen. Etwa der Napier-Railton mit einem Napier-Lion-Motor, der zwölf Zylinder, einen Hubraum von fast 24 Litern und eine Leistung von über 500 PS hat.
John Cobb bricht mit ihm um Ostern 1934 den Rundenrekord mit 216,79 km/h und setzt dann mit 230,84 km/h einen Rekord, der in Brooklands nicht mehr übertroffen wird. Der Napier-Railton mit seiner Karosserie aus poliertem Aluminium kann heute im Brooklands-Museum bewundert werden.

Der 1937 neu geschaffene Campbell Circuit wirkt sich aufs Renngeschehen in Brooklands und die Fahrzeugtechnik aus. Auf der kurvenreichen Streckenführung zählt nicht nur der reine Vorwärtsdrang mit möglichst hohem Tempo. Das Kurvenfahren stellt ganz andere Anforderungen an Auto und Fahrer. Das gesamte Fahrwerk muss anders ausgelegt werden, ebenso die Lenkung, damit das Fahrzeug Kurven sicher durcheilen kann. Auch die Gewichtsverteilung zwischen Vorder- und Hinterachse spielt eine wichtige Rolle.

Seit Eröffnung von Brooklands tut sich auch im Umfeld der Rennstrecke einiges. Das Örtchen Weybridge wächst und wächst, mittlerweile stehen Wohnhäuser dicht am Begrenzungszaun. Die Bewohner beschweren sich über den Lärm der Rennfahrzeuge. Schließlich gibt es 1924 eine neue Richtlinie: Jedes Auto und Motorrad auf der Strecke, ob für Rennen oder Rekorde genutzt, muss einen Schalldämpfer in einer vorgeschriebenen Bauart haben. Der eigentümlich geformte Schalldämpfer wird als „Brooklands Silencer“ berühmt.

Der Zweite Weltkrieg kündigt sich an

Im Jahr 1938 erlebt Brooklands die letzte volle Rennsaison. Ein Jahr später stehen die Zeichen wieder auf Weltkrieg. Am 7. August 1939 findet das letzte Rennen in Brooklands statt. Dreizehn Fahrzeuge liefern sich einen spannenden Kampf, den schließlich ein Graham-Paige gewinnt.
Während des Zweiten Weltkriegs dient Brooklands wieder der Landesverteidigung. Die Flugzeughersteller Vickers-Armstrong und Hawker sind Alleinnutzer des gesamten Geländes. Sie bauen militärisches Fluggerät. Die vorhandene Startbahn wird erweitert. Die Aktivität ist nicht ohne Folgen für die Rennstrecke: Ein Teil des Members Banking in der Nähe der Members Bridge dient dem Bau einer Werkhalle. Auf der Zielgeraden und auf der Railway Straight entstehen Hangars. Aus dem Byfleet Banking wird für eine neue Zufahrtstraße ein Segment entfernt. Ein weiteres Stück des Byfleet Banking muss weichen, da startende und landende Flugzeuge zu dicht vorbeikommen. Zur Tarnung des Members Banking werden Bäume gepflanzt. Die Rennstrecke ist deutlich entstellt, ein Fahrbetrieb wie früher nicht mehr möglich. Hinzu kommen Bombenschäden während des Zweiten Weltkriegs, die ehrwürdige Rennstrecke ist ziemlich mitgenommen.

32 Jahre Renngeschichte

Man hofft nach dem Ende des Weltkriegs den Rennbetrieb wieder aufzunehmen. Aber das geschieht nicht. Im Januar 1946 fällt der Entschluss, für 330.000 Pfund das Gelände an den Flugzeughersteller Vickers-Armstrong zu verkaufen. Ein Denkmal mit der Aufschrift „Brooklands 1907 – 1939“.fasst es zusammen: Brooklands steht für das erste Kapitel „Rennstrecken dieser Welt“, und für 32 Jahre Renngeschichte. Aber es sind nicht nur die Zeitläufe, die Brooklands das Ende bescheren. Der 1937 gebaute Campbell Circuit ist, ohne es zu wollen, der Schlusspunkt der ruhmreichen Hochgeschwindigkeits-Vergangenheit von Brooklands. Und damit vielleicht auch der Anfang vom Ende dieser Rennstrecke. Eine Hochgeschwindigkeitsstrecke und ein Kurven-Kurs sind zwei völlig unterschiedliche – und kaum miteinander vereinbare – Dinge. Doch genau das hat man mit dem Campbell Circuit versucht. Man hätte die Strecke rigoros umbauen müssen, Brooklands wäre nicht mehr Brooklands gewesen. Genau in diese Phase fällt der Zweite Weltkrieg. Er verhindert dauerhaft tiefgreifende Änderungen. Aber der Geist der alten Rennstrecke lebt bis heute. Dafür sorgen die Vereinigungen „Friends of Brooklands“ und die „Brooklands Society“. Sie richten immer wieder Veranstaltungen aus und erinnern an die Blütejahre von Brooklands. Für Leben sorgt auch das Brooklands Museum, das mit seinen Exponaten einen Einblick in die Mutter aller Rennstrecken gibt. Das Clubhaus ist komplett erhalten und mit original erhaltenen Räumen in die Ausstellung einbezogen. Drum herum gruppieren sich die restaurierten Holzschuppen der früheren Rennwerkstätten, die wie früher Autos und Motorräder beherbergen – fast alle Ausstellungsstücke sind fahrfähig. Das Brooklands Museum ermöglicht einen Blick auf Teile der ehemaligen Rennstrecke und auf den Test Hill. In Hangars und auf dem Freigelände stehen zahlreiche Flugzeuge, inklusive einer Concorde, auch dieser Teil der Geschichte wird dargestellt. Weitere Infos: www.brooklandsmuseum.com.