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Fahrzeuge/Oldies

Auto Union Rennwagen im Horch-Museum

Originalgetreuer Nachbau eines Auto Union Rennwagens Typ C im August Horch Museum

Seit Mitte Februar 2011 steht der Nachbau eines legendären Silberpfeils der Auto Union im August Horch Museum Zwickau. Das Ausstellungsobjekt ist in siebenjähriger ehrenamtlicher Arbeit entstanden. Es soll künftig in der Traditionsstätte des Zwickauer Automobilbaues eine Ära dokumentieren, die den Namen der Stadt um die Welt trug.

Mit dem Rennwagen Typ C gewann Auto Union, damals der zweitgrößte deutsche Automobilkonzern, im Jahre 1936 mit den 520 PS starken Boliden drei von fünf Großen Preisen. Also die Hälfte der Rundstreckenrennen und alle Bergrennen, bei denen sich das Unternehmen beteiligte. Über dreißig Weltrekorde stellte man mit den Wagen auf. Damit waren die Zwickauer Silberpfeile in aller Munde.

Aber die bedeutende Ära, die den Namen der Stadt durch Siege und Rekorde um die Welt getragen hatte, ließ sich nicht sichtbar präsentieren. Denn das August Horch Museum, die Traditionsstätte des Zwickauer Automobilbaues, besaß keinen der Wagen. So fasste der Förderverein „Automobilmuseum August Horch“ im September 2003 einen ehrgeizigen Beschluß. Ein Nachbau eines jener legendären Rennwagen des Typs C soll für das Museum realisiert werden. Denn, so Dipl.-Ing. Rainer Mosig, der die Umsetzung des Vorhabens unmittelbar begann und es bis zur Fertigstellung leitete: „Das neu gestaltete August Horch Museum bleibt ohne die dauerhafte Ausstellung eines Silberpfeils der Auto Union ein Torso.“

Sieben Jahre dauerte der Nachbau, für den die Voraussetzungen schwierig waren. Da 1946 alle technischen Unterlagen, Bauteile und Fahrzeuge des Rennwagenbereiches der Auto Union AG als Reparationsleistungen in die UdSSR gebracht wurden und nicht mehr auffindbar sind, konnte ein Nachbau damit nicht gestützt werden. Von der Audi Tradition waren lediglich Zeichnungen zum Motor zu bekommen.

Trotzdem macht sich die Projektgruppe um Dipl.-Ing. Mosig ans Werk. Er ist sich sicher, dass an der Wiege jener herausragenden Rennfahrzeuge einer der Boliden wiedererstehen könnte: „Was unsere Vorfahren in den 1930-er Jahren schafften, wird uns auch heute gelingen.“

Vorhandene, schlechte Kopien einzelner Bauteilzeichnungen aus den 1930-er Jahren legt man schnell wieder beiseite. Bessere Ergebnisse bringt die Vermessung des von der Audi AG leihweise zur Verfügung gestellten Typ C, der – zeichnerisch – geradezu zerlegt wird. Wichtige Erkenntnisse liefert auch das weitgehend original erhaltene Fahrzeug im Deutschen Museum in München. Für die Karosserie steht ein Klopfmodell bereit, das bereits den Nachbauten der Audi AG zur unverkennbaren Form verhalf. Eine „Nachkonstruktion“ in 2 D und 3 D ist dennoch unumgänglich.

Ganz bewusst sucht die Projektgruppe die Verbindung zwischen dem Gestern und Heute: Und begeistert Studenten aus den technischen Studiengängen der Westsächsischen Hochschule Zwickau, insbesondere der Fachrichtung Kraftfahrzeugtechnik, für das Vorhaben. Theorie und Praxis führen zu einem außergewöhnlichen Ergebnis. Der komplizierte Nachbau des Rennwagens erfolgt in zwei Baustufen. Die erste beginnt unmittelbar nach Geburt der Idee 2003. Zunächst entstehen Karosserie und Chassisrahmen, Cockpit mit Instrumententafel und Sitz, Lenksäule sowie Wasser- und Ölkühler. Die Fachkompetenz für den Karosseriebau findet der Förderverein bei der Zwickauer Fahrzeug-Entwicklung Sachsen GmbH FES. Die ist auf dem Gelände der Horch Werke beheimatet, wo die Rennabteilung ansässig war. Damit rückt das Vorhaben auch räumlich der historischen Entstehungsgeschichte nahe. Unter Regie von Berto Schubert, Leiter des Karosseriebaues in der FES GmbH, erfolgt in Handarbeit die schrittweise Fertigung der Außenhautteile in Aluminium durch erfahrene Karosserieklempner.

Der Rennwagen-Nachbau Typ C wird in seiner ersten Baustufe zum 75. Jahrestag der Gründung der Auto Union am 29. Juni 2007 der Öffentlichkeit vorgestellt. Er ist ein Höhepunkt der Sonderausstellung „Rennen, Siege und Rekorde“.

In der zweiten Baustufe geht es um Konstruktion, Bau und Montage des Fahrwerkes mit Vorder- und Hinterachse, Lenk- und Bremssystem, Getriebeschaltung, Gas- und Kupplungsbetätigung, Kraftstoff-, Wasser- und Ölkühlsystem. Insgesamt geht es um 465 mechanisch zu bearbeitende Teile, davon 38 Gussteile, für die 18 Gießformen gebraucht werden, und um 1.517 Norm- und Kaufteilen.

Eine dritte Baustufe, den Bau eines Triebwerkes für den Fahreinsatz, wird es nicht geben. Das würde mindestens 1,2 Millionen Euro kosten, jeder Fahreinsatz 50.000 bis 80.000 Euro. Im Museum wird aber der erste gefertigte 16-Zylinder-Rennmotor vom Typ A gezeigt, er entspricht in Aufbau und Form dem Aggregat des Modells C. Die Geräuschkulisse und der infernalische Klang wird am Rennwagen simuliert.