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Fahrzeuge/Oldies

50 Jahre TÜV-Plakette

50 Jahre im Dienst der Fahrzeugsicherheit

Der 1. Januar 1961 markiert einen Meilenstein in der Geschichte der deutschen
Verkehrssicherheit. Vor 50 Jahren verankerte der Gesetzgeber die Einführung der
Plakettenpflicht in der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung. Seither klebt der runde, meist „TÜV-Plakette“ genannte Aufkleber auf dem hinteren Kennzeichen von Kraftfahrzeugen in Deutschland. Die erste Plakette von 1961 war noch weiß, seit 1974 etablierte sich das bis heute gültige, jährlich wechselnde Farbschema orange, blau, gelb, braun, rosa und grün.

Bremsmessung 1920

Der wichtigste Grund für die Einführung der Plakette war die seinerzeit der Wunsch nach Verbesserung der Verkehrssicherheit auf den Straßen. Professor Dr. Jürgen Brauckmann, Unternehmensbereichsleiter Mobilität von TÜV Rheinland: „Die Verkehrssicherheit in einem immer stärker motorisierten Land stand damals auf dem Spiel. Die Unfallzahlen stiegen erheblich - zunehmend auch wegen technischer Mängel an den Fahrzeugen auf den Straßen."

Das mündete schließlich 1961 in der Einführung der Plakettenpflicht. Zwar war die technische Prüfung von Kraftfahrzeugen bereits seit 1930 vorgesehen und die Behörden verschickten seit 1951 „Einladungen“ zu regelmäßigen Kfz-Überprüfung, der späteren Hauptuntersuchung, an die Halter. Aber viele ignorierten einfach die Aufforderung. Wirksame Kontrollmechanismen gab es nicht, es fehlte an Personal. Mit der neuen Plakette konnten die Ordnungshüter nun säumige Verkehrssünder, die ihrer Vorführpflicht nicht nachkamen, sofort am Siegel auf dem hinteren Kennzeichen erkennen. Das Siegel wird so angebracht, dass die oberste Zahl den Monat angibt, in dem die Überprüfung des Kraftfahrzeugs durchgeführt werden muss. Durch die schwarze Markierung an der Ziffer zwölf lässt sich der Fälligkeitsmonat auch
aus größerer Entfernung ermitteln.

Prüfhalle in München 1957

Anlässlich des 50-jährigen Jubiläums der TÜV-Plakette hat TÜV SÜD in seine Statistiken geschaut und überprüft, wie sich in den vergangenen knapp 20 Jahren die Mängel bei der Hauptuntersuchung (HU) entwickelt haben. Resultat: Stellte 1992 noch der Rostfraß die höchste Hürde zur Erteilung der Plakette dar, liegen heute andere Bauteile wie Beleuchtung, Bremsen und Lenkung vorne. Das liegt am Sieg über den Rost, am Einzug von immer mehr sicherheitsrelevanter Elektronik selbst bei Massenfahrzeugen und an der insgesamt stark gestiegenen Qualität der Fahrzeuge. Zudem werden sie heute wesentlich länger genutzt als noch vor zwanzig Jahren. Das hat besonders Auswirkungen auf Verschleißteile wie etwa die Bremsen. Die rasante Entwicklung bei den elektronischen Sicherheitssystemen erfordert zudem die ständige Anpassung der Hauptuntersuchung: „Die Qualität der Hauptuntersuchung in Deutschland hat einen bedeutenden Anteil an der hohen Sicherheit auf deutschen Straßen. Diese Qualität gilt es mit Blick auf neue Mobilitätsformen wie bei Elektrofahrzeugen zu halten und auszubauen“, betont Horst Schneider, Vorstand Mobilität der TÜV SÜD AG. 

Lichttest 1938

Denn die nächsten Herausforderungen warten: Immer mehr elektronische Systeme sind bereits heute Bestandteil des Prüfkatalogs und sollen ab 2012 mit einem speziellen Gerät geprüft werden. Dazu Horst Schneider: „Die steigende Komplexität der Fahrzeuge und der Einsatz von elektronischen Komponenten für die Sicherheit der Autos unterstreicht die hohe Relevanz der unabhängigen Fahrzeuguntersuchung.“ 

Die Mängelentwicklung zeigt: Sachverständige brauchen heute mehr den Laptop als den Schraubenzieher. Die Überprüfung sicherheitsrelevanter Fahrzeugelektronik spielt eine zunehmend große Rolle. Auch vor dem Hintergrund, dass Innovationen wie Spurüberwachung oder Totwinkelsensoren immer schneller Einzug in Massenautos halten, wie aktuell am Beispiel des neuen Ford Focus zu sehen ist.

Wertvolle Hinweise für Fahrzeughersteller 

Eine Antwort auf die rasanten Entwicklungen in der Fahrzeugtechnik ist die erweiterte elektronische Hauptuntersuchung seit 2009. „Im kommenden Jahr gehen wir mit der Einführung neuartiger Prüfgeräte einen weiteren wichtigen Schritt", so Schneider. Damit prüfen die Sachverständigen das Vorhandensein und die Funktionsfähigkeit elektronischer Sicherheitssysteme direkt am Fahrzeug. „Damit haben wir nicht nur eine wesentlich zuverlässigere Prüfung, sondern können darüber hinaus auch den Fahrzeugherstellern wertvolle Hinweise für die Fahrzeugoptimierung liefern“, so Schneider.

Die Prüfgeräte sind ein wichtiger und konsequenter Schritt in Sachen Vereinheitlichung und damit ein großer Schritt zur Qualitätsverbesserung insgesamt: „Wenn elektronische Sicherheitssysteme verbaut sind, müssen sie auch über die gesamte Lebensdauer funktionieren. Mit dieser neuen Prüftechnologie tragen wir den immer komplexer werdenden Fahrzeugsystemen Rechnung. Dies wird direkt der Verkehrssicherheit zugute kommen“, sagt Schneider. 

Elektroantrieb fordert neue Standards

Energierückgewinnung beim Bremsen, Isolationswächter, elektrische Spannungsspitzen von bis zu 1.000 Volt - alles Fakten, die belegen: Elektroautos fordern ganz neue Lösungen bei der HU. Im Kern der Sicherheitsfragen stehen die Batterie und der Schutz vor Stromschlag. Dazu haben die Experten von TÜV SÜD im letzten Jahr die ersten Hauptuntersuchungen an Elektroautos durchgeführt. Sie sind Grundlage für die Normenentwicklung in den Gremien, in denen TÜV SÜD-Experten an der Hauptuntersuchung für Elektrofahrzeuge mitarbeiten. „Für die HU an Elektroautos müssen wir einheitliche Prüfkriterien erarbeiten, mit denen wir vor allem die Sicherheit des Komplettsystems Fahrzeug über die gesamte Lebensdauer garantieren können“, so Schneider. „Der Durchbruch der E-Mobilität hängt nicht zuletzt von der Sicherheit der Fahrzeuge ab.“

Quelle: Gerhard Prien