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Fahrzeuge/Oldies

40 Jahre Opel Manta und Ascona A

Zwei Kulzt-Klassiker feiern Jubiläum:

Aus (anfänglichen) Nischenprodukten erfolgreiche Volumenmodelle zu entwickeln, diese Kunst beherrschte Opel schon vor vier Jahrzehnten. Ab 1970 erschlossen der Manta und der Ascona für den Rüsselsheimer Autobauer neue Fahrzeugsegmente. Bis 1975 wurden beide Modelle in fast 1,2 Millionen Exemplaren verkauft. Beide besaßen die gleiche technische Basis, sprachen aber unterschiedliche Käufergruppen an: Der Manta debütierte als dynamisches Sportcoupé, der Ascona als komfortables Familienauto oder als kompakter Lifestyle-Kombi.

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Manta - das familientaugliche Coupé

Es ist „der Tag, an dem der Manta kommt“. Sein Flügelrochen-Emblem ist nach Fotos des Meeresforschers Jacques Cousteau entworfen worden. Das sportliche Coupé wird im September 1970 am Timmendorfer Strand präsentiert. „Das Auto, das wir Ihnen heute vorstellen, stempelt kein anderes Modell zum alten Eisen, sondern gesellt sich zu unserem bisherigen Programm als wirkungsvolle Ergänzung und zur Deckung eines neu entstandenen Bedarfs“, heißt es im damaligen Pressetext. „Das Pendel schlug mal ein bisschen mehr hin zum herkömmlichen Coupé, ein andermal ein bisschen zur Limousine. Wir glauben, dass es sich jetzt beim Manta in den richtigen Relationen eingependelt hat.“ Vorbild sind die populären „Pony Cars“ aus den USA: formschöne und familientaugliche Coupés.

Der Manta entspricht den Erfordernissen des Marktes. Ende der 1960-er Jahre finden immer mehr junge (und jung gebliebene) Autokäufer Gefallen an attraktiven Coupés. Individualismus ist gefragt, die formal eigenständige Linie des Manta kommt diesem Wunsch entgegen. Berits im ersten halben Verkaufsjahr 1970 setzt Opel 55.393 Einheiten ab. 




Vielfalt – ein Auto für Alle

Die Bodengruppe und das Fahrwerk teilt sich der Manta mit dem Ascona. Neu sind, wie beim Ascona, die 1,6-Liter-Motoren mit 68 und 80 PS. Der für das sportliche Manta „SR“-Modell angebotene 1,9-Liter-S-Motor stammt aus dem Rekord. Er leistet 90 PS und bleibt vorerst dem Manta vorbehalten. Den günstigsten Einstieg in die Manta-Baureihe markiert ab 1972 die 1,2-Liter-Version mit 60 PS, 1973 feiert der Manta GT/E auf der IAA Frankfurt Premiere. Sein 1,9-Liter-Einspritzmotor mit Bosch L-Jetronic leistet 105 PS. Als erster Opel verfügt der Manta A über eine elektronische Einspritzung. Damit bietet der GT/E ein Leistungsplus von 15 PS im Vergleich zum 1,9-Liter-S-Motor. Im Stil der Zeit verzichtet der Manta GT/E weitgehend auf Chromschmuck. Er setzt auf mattschwarz.

Im April 1975, kurz vor dem Debüt des Manta B, erscheint das letzte Sondermodell: Der Manta „Black Magic“ ist ganz in schwarz lackiert, als Kontrast trägt er rot-orange Zierstreifen auf den Flanken. 498.553 Exemplare entstehen vom Manta A.

Ascona - Das Auto der technischen Vernunft

Der Ascona A wird auf dem Turnier Salon präsentiert. Der Neuling ist laut Pressemappe das „Auto der technischen Vernunft“, positioniert sich zwischen Kadett und Rekord und bedient damit einen größer werdenden Kundenkreis. Angeboten wird der Ascona als zwei- und viertürige Limousine in Normal- und Luxus-Ausführung. Als Triebwerk steht ein 1,6-Liter-Vierzylinder mit 68 PS und eine höher verdichtete S-Variante mit 80 PS zur Verfügung. Wie die größeren Vierzylinder des Rekord verfügt das Ascona-Triebwerk über eine seitlich im Zylinderkopf angeordnete Nockenwelle, „camshaft-in-head“ (cih) genannt. Ab März 1972 wird ein 1,2-Liter Motor mit 60 PS angeboten und somit ein kostengünstiges Einstiegsmodell geschaffen. Chassis, Fahrwerk und Antriebstechnik sind bei Ascona und Manta identisch. Die Vorderachse besitzt einzeln aufgehängte Räder mit Schraubenfedern und Teleskopstoßdämpfern, die Zentralgelenk-Hinterachse wird von zwei Längslenkern sowie einem Panhardstab geführt. Bis März 1975 rollen 691.438 Ascona A vom Band.

Ascona Voyage – Die neue Mitte

Eine echte Neuheit im Modellprogramm ist der Ascona Voyage. Die zweitürige Caravan-Variante ist kein Kombi im klassischen Sinn, sondern eher ein Freizeit-Mobil,. Er bietet Platz für Gummiboot und Fahrrad und ist ein Wagen für die junge Familie, eine Art Vorreiter der aktuellen Lifestyle-Kombis. „Die heutige Reisefreudigkeit, die Camping-Bewegung, die Neigung zu sportlichen und oft transportabhängigen Hobbies wie Wassersport, ... verlangen nach einem Personenwagen mit großzügigen Raumverhältnissen und Transportkapazitäten. In Sachen Komfort darf aber der Personenwagen-Charakter keinesfalls getrübt werden. Den nach diesen Vorstellungen gebauten Wagen nennen wir Ascona Voyage.“, textet Opel für die Pressemappe. Der Ascona Voyage wird nur als L-Version geliefert, erst 1974 ergänzt eine weniger luxuriöse Caravan-Version die Baureihe.

Ascona SR – Das Zeug zum Sieger

Im Frühjahr 1971 werden der Ascona 1,9 S und der Ascona SR vorgestellt. Motorisiert ist die SR-Variante mit einem 80 PS starken 1,6 Liter-S-Triebwerk oder dem 1,9-Liter-Aggregat, das 90 PS leistet. In Kombination mit den beiden stärkeren Motorisierungen gibt es gegen Aufpreis eine Dreigang-Automatik. Die SR-Ausstattung ist - ein Novum für das Kombi-Segment - auch im dreitürigen Voyage lieferbar.

In der Limousine zeigt sie das sportliche Potenzial des Ascona auf. Mit einer zweitürigen Limousine gehen 1974 Walter Röhrl und Jochen Berger in der Rallye-Europameisterschaft an den Start. Der Ascona des Opel-Euro-Händler-Teams hat einen Vierzylinder-Motor, der durch Aufbohren auf zwei Liter Hubraum und mit seinem Aluminium-Querstrom-Zylinderkopf über 200 PS bei 6.700 U/min leistet. Röhrl und Berger siegen bei sechs von acht Läufen und gewinnen die Rallye-EM mit der bis dahin unerreichten Maximal-Punktzahl von 120 Zählern.

1975, kurz vor der Ablösung durch den Nachfolger Ascona B, gewinnen Walter Röhrl und Jochen Berger die Rallye Akropolis und verbuchen damit den ersten Opel-Sieg bei einem Rallye-WM-Lauf.

Quelle: Gerhard Prien