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Fahrzeuge/Oldies

100 Jahre Morgan

British Open:

Beinahe unbemerkt von deutschen Automobilisten geht in diesem Jahr ein hundertjähriger Geburtstag über die Bühne. In einer Garage in Malvern Link in Großbritannien gründet Harry Frederick Stanley Morgan (Kurz: H.F.S. Morgan) die Morgan Motor Company. Sein erstes Mobil ist ein Dreirad mit zwei gelenkten Vorderrädern und nur einem Hinterrad, das ein sieben PS starker Zweizylinder von Peugeot antreibt.

Eigentlich will H.F.S. gar nicht Automobilhersteller werden. Aber seine Freunde sind von seinem Mobil angetan, Morgan lässt sich zum Bau weiterer Fahrzeuge überreden und gründet noch im selben Jahr die Morgan Motor Company. Auf der London Motor Show präsentiert er seine Dreiräder, die skurrilen Three Wheeler werden zum Verkaufserfolg. Sie sind steuerlich begünstigt, da sie nur über ein angetriebenes Rad verfügen und so zur Gattung der Motorräder gezählt werden. Rund 3.000 Dreiräder werden in den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts in Malvern Link in der Nähe von Birmingham gebaut. Im Jahre 1927 steht der Umzug auf ein größeres Firmengelände in der Pickersleigh Road an.

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Im Lauf der Jahre wächst die Modellpalette, die Threewheeler gibt es als Zwei- und Viersitzer, sogar als Lieferwagen mit Kastenaufbau werden sie gebaut. Und sie treten auf Rundstrecken und bei Geländetrials an, außerdem lassen die bezahlbaren Spaßmobile etliche Geschwindigkeitsrekorde purzeln. So schafft schon 1928 ein Threewheeler Tempo 180. Als Antrieb der preiswerten Dreiräder kommen Anzani-, JAP- und Matchless-Motoren zum Einsatz, eingebaut in Chassis mit Holzboden und Holzrahmen. Noch heute werden die Rahmen, wie im Kutschenbau, in Handarbeit aus Eschenholz gesägt und gehobelt. Mit einer aus dem Jahr 1915 stammenden, handbetriebenen Maschine und einem geglätteten Baumstamm bringt man auch noch im dritten Jahrtausend Karosserieteile in Form.

Die Erfolge im Motorsport machen die junge Marke bekannt. Und sorgen für den Slogan „race on Sunday, sell on Monday“. Die Kunden erwerben einen alltagstauglichen Sportwagen, mit dem sie am Wochenende Rennen fahren. Ideal für die Briten, die mit allem, was Räder hat, Motorsport treiben.

1935 kommt der erste vierrädrige 4/4 (Four Four) ins Programm, ein leichter Sportwagen mit vier Zylindern und Vierzylinder-Motor, der 1936 auf Londoner Motor Show präsentiert wird. Wie gehabt kümmert man sich bei Morgan um die Fertigung von Fahrwerk, Rahmen und Karosserie, die Motorentechnik kauft man von Fremdfirmen dazu. Eine bis heute beibehaltene Praxis des Unternehmens. Den ersten 4/4 befeuert ein Coventry Climax-Motor, der aus 1,1 Liter Hubraum muntere 34 Pferdchen traben lässt. In den folgenden Jahren und Jahrzehnten kommen Antriebsaggregate von Triumph, Ford und – how shocking – sogar von Fiat zum Einsatz.



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1935 kommt der erste vierrädrige 4/4 (Four Four) ins Programm, ein leichter Sportwagen mit vier Zylindern und Vierzylinder-Motor, der 1936 auf Londoner Motor Show präsentiert wird. Wie gehabt kümmert man sich bei Morgan um die Fertigung von Fahrwerk, Rahmen und Karosserie, die Motorentechnik kauft man von Fremdfirmen dazu. Eine bis heute beibehaltene Praxis des Unternehmens. Den ersten 4/4 befeuert ein Coventry Climax-Motor, der aus 1,1 Liter Hubraum muntere 34 Pferdchen traben lässt. In den folgenden Jahren und Jahrzehnten kommen Antriebsaggregate von Triumph, Ford und – how shocking – sogar von Fiat zum Einsatz.

Neben wechselnden – und immer stärker werdenden – Motoren erfährt der 4/4 in den mehr als sieben Jahrzehnten seiner Bauzeit gerade mal eine optische Überarbeitung – in einem anderen, weniger traditionellen Unternehmen würde diese „Facelift“ heißen. Im Jahre 1954 integriert Morgan die einst frei stehenden Scheinwerfer in die Karosserie, die Frontpartie bekommt ihre typische Wölbung. Der Rest ist „traditionell“, die Vorderachse etwa entspricht immer noch der Konstruktion von 1909 aus dem ersten Threewheeler. Die Dreiräder werden noch bis 1952 gebaut. Nach dem Tod von H.F.S. Morgan übernimmt im Jahr 1959 sein Sohn Peter die Leitung des Unternehmens.

Renngeschichte schreibt Morgan weiter, Höhepunkt ist 1962 in Le Mans der Klassengewinn eines werksseitig eingesetzten Morgan Plus Four. Den 4/4 verkauft Morgan noch heute – hier und da ein wenig modifiziert, aber konzeptionell im Prinzip unverändert. Damit dürfte der 4/4 weltweit das am längsten in Serie gebaute Fahrzeug sein. Die Frage, warum Morgan seit mehr als 70 Jahren ein und dasselbe Auto baut, beantwortet der Charles Morgan, der das Familienunternehmen seit 1999 in dritter Generation leitet, ebenso routiniert wie knapp und präzise: „Weil die Kunden es so wollen“. Aktuell treibt ein 82 kW / 112 PS starker 1,6-Liter Ford Duratec Motor den rund 800 Kilogramm leichten Roadster an – die Spitze liegt bei rund 185 km/h.

Im Jahre 1963 greift Morgan mit dem Coupé Plus 4 Plus mal so richtig daneben. Der Wagen ist geschlossen und hat eine Kunststoffkarosserie. Beides offenbar nicht so nach dem Geschmack der Morgan-Fans. Nur 26 Exemplare werden in der zweijährigen Bauzeit verkauft.

Dafür gelingt dem Unternehmen 1968 mit dem Plus 8, dem wohl klassischsten aller Roadster, der große Wurf. Im Prinzip ist der Plus 8 ein 4/4 mit längerem Radstand - und einem Rover-V8 unter der verlängerten Motorhaube. Für Morgan wird der Plus 8 zur zweiten – und erfolgreichen – Baureihe. Auch in Deutschland wird Morgan mit dem Verkaufszahlen bringenden Plus 8 zum Mythos unter Sprtwagen-Freunden.

Im Jahr 2000 kommt mit dem Aero Eight die dritte Modellreihe, für Morgan nach mehr als sechs Jahrzehnten die erste komplette Neuentwicklung. Für eingefleischte Morgan-Fans ist das Design mit den „schielenden“ Frontscheinwerfern, vorsichtig gesagt, gewöhnungsbedürftig. Die schräge Optik ist auch Resultat einer vom Windkanal diktierten aerodynamischen, aber weiterhin unverkennbaren Roadster-Linienführung. Unter der Haube kommt ein Achtzylinder von BMW zum Einsatz, mit 4,4 Liter Hubraum und satten 325 PS – die sich heute zu höchst erwachsenen 4,8 Litern und 368 Pferdestärken entwickelt haben. Mittlerweile ist der Aero 9 sogar mit Automatik zu haben.

Der Plus 8 bleibt parallel zum Aero Eight im Programm, zur Freude seiner Anhänger. Die müssen 2004 einen schweren Schlag wegstecken: Motorenlieferant Rover stellt die Produktion des starken V8 ein. Und Morgan packt 203 PS starke V6-Triebwerke von Ford beziehungsweise Jaguar unter die Haube des von nun an schlicht Roadster genannten Mobils. Drehfreude statt Drehmoment heißt ab jetzt die Devise. Der ab 2006 ausgelieferte „V6 Roadster Lightweight“, eine Clubsport-Version ab Werk, versöhnt da ein wenig.

Im Jahr 2008 startete die Produktion des Aero Max, ein in lmitierter Auflage von 100 Exemplaren gefertigtes Touring Coupé auf Basis des Aero 8. Im aktuellen Jubiläumsjahr baut Morgan vermutlich um die 700 Fahrzeuge, so viele wie nie zuvor seit Ende des Zweiten Weltkriegs. Rund 100 davon dürften nach Deutschland kommen. Von Wirtschaftskrise also keine Spur. Und das alles in einer Manufaktur, die für den Bau eines Fahrzeugs 14 Tage braucht. Hier ist Handarbeit noch Trumpf. So ganz nebenbei ist Morgan die wohl älteste im Familienbesitz befindliche Automarke der Welt – und, neben Bristol, aktuell der wohl letzte noch existierende rein britische Autohersteller.

Für die Zukunft scheint Morgan gerüstet. 2008 zeigte man auf dem Genfer Autosalon das Lifecar, ein Null Emission Fahrzeug mit Brennstoffzellen und Bremsen-Energie-Rückgewinnung. Rund 650 Kilo leicht soll das Fahrzeug sein, das über vier aufs Chassis montierte Elektromotoren verfügt. Die Reichweite soll bei rund 400 kilometern liegen, der Kraftstoffverbrauch bei 1,8 Liter Kraftstoff auf 100 Kilometer Fahrstrecke. Beste Chancen also für das Werk, auch die nächsten Jahre als Familienunternehmen zu bestehen.

Quelle: Gerhard Prien