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Fahrzeuge/Elektroauto+Hybrid

Lorinser Easybrid

Nachrüst-Radnabenmotor für Kleinwagen

Mehr Leistung im Kleinwagen, ohne Mehrverbrauch und damit einher gehende erhöhte Umweltbelastung. Das soll Lorinsers Easybrid möglich machen, ein nachrüstbarer elektrischer Radnabenmotor mit 30 kW / 41 PS zusätzlicher Nennleistung, den die Schwaben exemplarisch in einem Smart Fortwo verbaut haben.

Schon zu Anfang des 20. Jahrhunderts experimentierten Autohersteller, darunter auch Ferdinand Porsche, mit Radnabenmotoren. Allerdings verschwand diese Entwicklung bald in den Schubladen, Industrie und Kunden setzten auf den Verbrennungsmotor. Wegen immer weiter steigender Kraftstoffpreise und der aktuellen Umwelt-, Klima- und CO2-Debatte machen sich jedoch vermehrt Firmen Gedanken um die Zukunft der Individualmobilität. Auf Messen werden Elektro- und Hybridfahrzeuge gezeigt, von denen jedoch viele in absehbarer Zeit aus dem Status von Konzeptautos nicht heraus kommen werden.

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Bei der für sportliche Veredlungen von Mercedes-Benz Fahrzeugen bekannten Manufaktur Sportservice Lorinser aus dem schwäbischen Waiblingen machte man sich Gedanken über Hybridtechnik als Nachrüstlösung, zu realistischen Kosten. Projektleiter Martin Oberdörfer-Schmidt kam zu dem Schluss: „Der Umbau ist möglich und das sogar auf verhältnismäßig einfache und damit günstige Art und Weise.“

Voraussetzung sind Trommelbremsen an der Hinterachse des umzurüstenden Wagens, bei Klein- und Kleinstfahrzeugen häufig zu finden. An die Bremsankerplatten werden die so genannten Statoren adaptiert. Dabei handelt es sich um eine Ansammlung von elektrischen Spulen, in die durch eine Steuerungselektronik gezielt Strom gegeben wird, um sie zu magnetisieren. Damit wird der auf der Radnabe angebrachte Rotor, der rundum in Laufrichtung mit Permanentmagneten bestückt ist, zum Drehen gebracht. So fallen jegliche Arten von Getrieben, Differentialen und Antriebswellen weg. Der Motor wirkt direkt auf das jeweilige Rad und beschleunigt dieses. Die Nennleistung des Elektromotors kommt nahezu ohne Reibungsverlust auf der Straße an. Über ein Steuergerät wird die Kraft der Radnabenmotoren zur eigentlichen Leistung des Verbrennungsmotors dazugeschaltet. Da der Einbau grundsätzlich an der Hinterachse stattfindet, werden viele der umrüstbaren Fahrzeuge somit auf Allradantrieb aufgerüstet. Das bringt, etwa im Winter, obendrein Traktionsvorteile.

Das Easybrid genannte Nachrüstsystem von Lorinser unterstützt die vorhandenen Benzin- oder Dieselantriebe der umgerüsteten Fahrzeuge. Mit rund 30 kW (41 PS) zusätzlicher Leistung sorgt das System für verbesserte Werte bei Beschleunigung und Endgeschwindigkeit. Gleichzeitig sollen die Verbrauchs- und CO2-Werte sinken. Da Elektromotoren ihr maximales Drehmoment sofort und ab der ersten Umdrehung erreichen, können umgerüstete Fahrzeuge rein elektrisch bewegt werden.

Lorinser ermöglicht dem Fahrer mit der Nachrüstlösung die Wahl des Betriebsmodus. Mit dem Wahlhebel kann er sich, neben der Kombination aus beiden Antrieben, auch für den rein elektrischen oder rein verbrennungsmotorischen Antrieb entscheiden. Er wählt damit, ob er Kraftstoff oder Strom – oder eine Kombination aus beiden Energiearten – verbrauchen möchte.

Die Lithium-Ionen-Akkus des E-Antriebs werden, je nach Modell, entweder in der Reserveradmulde oder unter dem Fahrzeug verbaut. Um sie aufzuladen, wird das Fahrzeug entweder an eine handelsübliche Steckdose angeschlossen oder während der Fahrt die so genannte Rekuperation genutzt. Dabei wird beim Bremsen oder Bergabfahren entstehende Energie in die Batterien eingespeist. Die Reichweite soll zwischen rund 30 Kilometern (im rein elektrischen Betrieb) und, je nach Modell, weit über 500 Kilometern im kombinierten Hybridmodus liegen. In Kombination mit modernen Turbodieselmotoren sind nach Aussage von Lorinser noch höhere Reichweiten denkbar.

Auf der Essener Motorshow 2010 stellte Lorinser auf Basis eines Smart Fortwo einen ersten fahrbaren Prototyp mit Nachrüst-Radnabenmotor vor. Eine Nachrüstung wäre auch für Fahrzeuge wie VW Polo, Renault Twingo oder Fiat 500 denkbar. Auch ältere Modelle sollen sich eignen. Die Techniker von Lorinser arbeiten bereits seit Mai 2009 gemeinsam mit externen Entwicklungspartnern am Nachrüst-Radnabenmotor und damit ausgerüsteten Prototypen. Bis Mitte 2011 soll die Testphase abgeschlossen sein, dann könnten erste Kundenfahrzeuge umgerüstet werden.

Eine Umrüstung lohnt sich, gerade für Kleinwagenfahrer, natürlich nur, wenn
sie finanziell im Rahmen bleibt und nicht den Wert des Fahrzeugs übersteigt. Bei Lorinser hat man da eine Idee: Man könnte Verträge einführen, mit denen sich die Kunden langfristig an Energieversorger binden, denen die Akkus des Fahrzeugs gehören. Der Autofahrer würde die Akkus also – über einen erhöhten Strompreis – langsam abbezahlen. Für Großabnehmer mit einer Flotte von E-Fahrzeugen könnten die Energie-Konzerne eine Strom-Flatrate anbieten. Ein solches Konzept zur Akku-Finanzierung könnte die Kosten für eine Umrüstung auf rund 5.000 Euro bringen.

Technische Daten Easybrid (nachrüstbarer Radnabenmotor):
Elektrische Nennleistung: ca. 30 kW /41 PS
Reichweite (rein elektrisches Fahren) rund 30 km
Reichweite (Hybrid-Fahrbetrieb) rund 550 km

Quelle: Gerhard Prien