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4x4-Fahrzeuge/Pickup-Kabinen

VW Amarok: Der Lust-Laster

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Weltweit ist der Pick-Up die meist verkaufte Karosserieform. Weit, ganz weit vor Kombis, Limousinen, SUVs oder gar Cabrios. Kein Wunder, dass auch Volkswagen Nutzfahrzeuge mit dem neuen Amarok (s)ein Stück vom weltweit recht großen Kuchen abhaben will. Eher schon verwunderlich, dass die Hannoveraner (nach einem Zwischenspiel mit dem in Kooperation mit Toyota gebauten Taro in den 1990-er Jahren) so lange mit einem „kleinen“ Pritschenwagen auf sich haben warten lassen.

Zugegeben, Deutschland ist kein Pick-Up-Land und Europa sind nicht die USA. Dort fährt die Hausfrau mit dem Pick-Up zum Supermarkt, der Börsenmakler ins Büro und der Nachwuchs düst damit zum Sport. In Deutschland hilft eine gewisse Vorliebe für Westernstiefel und Cowboyhüte weiter, wenn man einen Pick-Up bewegt. So lautet zumindest das gängige Klischee. So um die zehntausend Einheiten, plus-minus ein paar, werden jährlich in Deutschland verkauft. Und beileibe nicht ausschließlich an Freizeit-Cowboys. Denn so ein Pick-Up hat durchaus seine praktischen Seiten. Im Falle des 525 cm langen VW Amarok sind das: Platz für bis zu fünf Personen, die Pkw-ähnlich untergebracht sind, eine anständig bemessene Ladefläche (Ladeflächentiefe 1 555 mm, Ladeflächenbreite 1 620 mm), die obendrein mit einer Ladekantenhöhe von 780 mm recht niedrig liegt. Oder anders gesagt: Die Ladefläche nimmt eine Euro-Palette (1 200 x 800 mm) auch quer auf, denn der Abstand zwischen den Radhäusern liegt bei 1 222 mm. Damit legt der neue Amarok, der ab September zu haben ist, Bestwerte in seiner Klasse vor. Seine Klasse, das ist die der viertürigen Doppelkabiner mit rund einer Tonne Nutzlast (je nach Version darf der Amarok sogar bis zu 1,16 Tonnen zuladen). Auf die eher nutzorientierte zweitürige Single-Cab Version mit zwei Sitzen und einer entsprechend längeren Ladefläche müssen potenzielle Käufer noch warten. Sie ist für die erste Jahreshälfte 2011 angekündigt. Von einem Anderthalb-Kabiner ist derzeit noch nicht die Rede – der Bedarf sein, bezogen auf die angepeilten Märkte, zu gering.

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Neben der großen Ladefläche bietet der im argentinischen Werk Pacheco gefertigte Amarok gleich drei Antriebsversionen: Heckantrieb, zuschaltbaren (erkennbar an der roten „4“ im Schriftzug am Heck) und permanenten Allradantrieb (den eine schwarze „4“ im Schriftzug kennzeichnet). Kleiner Knüller: Zuschalt- und Permanent-Allrad gibt es zum gleichen Preis. Dummerweise ist die Untersetzung (bisher) nur für die Version mit zuschaltbarem 4x4-Antrieb zu haben – aber das kann sich ja noch ändern. Hilfreich wäre eine Untersetzung etwa beim Slippen eines Bootes. Das kann auch schon etwas größer sein, bis zu 2,8 Tonnen darf der Amarok ziehen.

Man muss kein Prophet sein, um den Modellen mit reinem Heckantrieb auf dem deutschen Markt nur eine Außenseiterrolle vorherzusagen. Der Wettbewerb hat das erkannt – und bietet in Deutschland folgerichtig nur noch Allrad-Varianten an. Denn offenbar genießen die Kunden das Gefühl zu können – wenn man denn wollte (oder müsste). Können bedeutet beim Amarok: Er schafft 100-prozentige Steigungen (also 45 Grad), auch bei voller Beladung. Alle Antriebsaggregate bieten eine elektronische Differenzialsperre mittels automatischem Bremseingriff. Wem das nicht langt: Optional ist eine mechanische Differenzialsperre für die Hinterachse zu haben.

Weiteres Highlight des Amarok ist sein in Deutschland gefertigter 120 kW / 163 PS starker Zweiliter-TDI mit Common-Rail-Direkteinspritzung und zweistufiger Bi-Turboaufladung. Schon ab 1 500 Touren bringt der Selbstzünder, der auch beim T5 zum Einsatz kommt, ein maximales Drehmoment von 400 Nm ab 1 500 Touren. Und das bei einem günstigen Durchschnittsverbrauch von 7,8 Litern Diesel auf 100 Kilometer Fahrstrecke (beim Amarok 4x2). Die „Szene“ in Deutschland bedauert zwar, dass VW nicht ins Regal gegriffen und einen dort befindlichen Dreiliter-Motor unter die Haube des Amarok gesteckt hat – aber was noch nicht ist, kann ja noch werden. Und außerdem hat VW mit seinem neuen Nützling auch eher andere Märkte im Visier: Südamerika, Australien oder Afrika. Märkte, in denen Wettbewerber wie Toyota anständige Stückzahlen absetzen. Und wo geringer Verbrauch und daraus resultierende höhere Reichweite mehr zählen als imponierende Hubraumzahlen. Erstaunlich ist auf alle Fälle, dass der Amarok gegenüber japanischen Mitbewerbern wie Nissan Navara, Mitsubiski L 200 oder Toyota Hilux nicht das Gefühl aufkommen lässt, untermotorisiert unterwegs zu sein. Und das, obwohl die Wettbewerber einen halben bis ganzen Liter mehr Hubraum zu bieten haben. Für den deutschen Markt dürfte vermutlich die leistungsstärkere Version die größere Rolle spielen. Nicht nur Freizeit-Cowboys stehen auf Leistung. Eine zweite Motorvariante mit 90 kW / 122 PS und 340 Nm Drehmoment ab 1 750 Touren schiebt Volkswagen Nutzfahrzeuge nach. Sie dürfte eher den gewerblichen als den privaten Kunden ansprechen. Beide Motoren erfüllen die Euro-5-Abgasnorm und sind mit einem Sechsgang-Schaltgetriebe gekoppelt. Ein Automatikgetriebe soll, so hört man aus Hannover, jedoch schon in Arbeit sein. Für den Komfort-verwöhnten Mitteleuropäer, der als Urban Cowboy in der Rush-Hour des Großstadt-Dschungels nicht gerne schalten mag.

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Dem harten Mann, der es gerne bequem mag, kommt vor allem die Highline-Version der drei Ausstattungslinien des Amarok entgegen. In der Basisversion funktioniert noch alles manuell: Die Fenster, Türverriegelung und Spiegelverstellung. Stoßfänger, Griffe und Spiegel sind unlackiert – hier deutet alles auf ein künftiges Dasein im Arbeitsalltag, etwa im Garten- und Landschaftsbau, hin. Bei der Version Trendline sind der vordere Stoßfänger, Türgriffe und Spiegelgehäuse in Wagenfarbe lackiert. Die Fensterheber funktionieren elektrisch, ebenso Türverriegelung und Spiegelverstellung. Mit an Bord ist serienmäßig eine halbautomatische Klimaanlage, ein Radio mit CD-Player, Multifunktionsanzeige und Tempomat. Auf der Ausstattungsversion Trendline basiert die Variante Highline, die zusätzliche Goodies bietet. Klimaautomatik, hochwertige Audioanlage, edle Stoff-Sitzbezüge. Und außen gibt es Chrom, etwa an den Spiegelgehäusen oder dem Heckstoßfänger, und lackierte Radlaufverbreiterungen.

Wie fährt er sich nun, der neue Amarok? Erstaunlich gut für einen Pick-Up. Von der angeblichen Anfahrschwäche, über die hier und da schon mal gemunkelt wurde, keine Spur. Außerdem ist der Lust-Laster aus Hannover – für einen Pick-Up – erstaunlich komfortabel. Und das nicht nur auf der Straße, sondern auch im Gelände. Leiser ist er auch, und mit seinen 163 Pferdchen unter der Haube werden auch längere Strecken nicht zur Qual. Dafür sorgt auch die erreichbare Höchstgeschwindigkeit von über 180 km/h. Auch die umfassende Sicherheitsausstattung (Fahrer- und Beifahrer-Airbag, seitliche Kopf-/Thorax-Airbags, Gurtstraffer vorne, ESP) ist auf der Höhe der Zeit.

VW Amarok Double Cab 2,0 L BiTDI:

Vierzylinder-Diesel, Common-Rail-Direkteinspritzung

Hubraum: 1 968 ccm

Leistung: 120 kW / 163 PS bei 4 000 U/min

Drehmoment: 400 Nm bei 1 500 bis 2 000 U/min

Länge: 5 254 mm, Breite: 1 944 mm, Höhe: 1 834 mm

Radstand: 3 095 mm

Länge Ladefläche: 1 555 mm, Breite Ladefläche: 1 222 bis 1 620 mm,

Beschleunigung: 0 auf 100 km/h zwischen 10,8 (4x2) und 11,1 Sekunden (4x4)

Höchstgeschwindigkeit: 182 (4x2) bzw. 181 km/h (4x4) (wird im 5. Gang erreicht)

Durchschnittsverbrauch: 7,6 Liter Diesel (4x2) bzw. 7,8 Liter Diesel / 100 km (4x4)

Kohlendioxid-Emission: 199g/km (4x2) bzw. 206g/km (4x4)

Zulässiges Gesamtgewicht: Bis zu 3 040 kg (mit Heavy-Duty-Paket)

Zuladung: Bis zu 1 160 kg (Mit Heavy-Duty-Paket)

Anhängelast: 750 kg (ungebremst), bis zu 2,8 Tonnen (gebremst)

Wattiefe: 500 mm

Preise:

Amarok Double Cab 2,0 L BiTDI (4x2): 28 940,80 Euro

Amarok Double Cab 2,0 L BiTDI (4Motion): 30 844,80 Euro

Amarok Double Cab Trendline 2,0 L BiTDI (4x2): 32 725,00 Euro

Amarok Double Cab Trendline 2,0 L BiTDI (4Motion): 34 629,00 Euro

Amarok Double Cab Highline 2,0 L BiTDI (4x2): 35 265,65 Euro

Amarok Double Cab Highline 2,0 L BiTDI (4Motion): 37 169,65 Euro

(alle Preise inkl. MwSt.)