ADVENTUREMEDIA4U

4x4-Fahrzeuge/Pickup-Kabinen

Unser "alter" Woki aufgehübscht

Unser Woki hat ein neues Zuhause gefunden. Liebevolle Neubesitzer haben sich ihm angenommen und ihn aufgehübscht!
Der folgende Bericht stammt von Herrn Keilinger, dem neuen Besitzer.

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Kann das klappen

Ein Offroad-Camper für 10.000 Euro?

Andrea und Zoltán Keilinger standen vor einer Herausforderung. Ein 4x4 Reisemobil musste her. Es sollte günstig sein, nicht zu alt, maximal um die zehn Jahre, eine Autobahngeschwindigkeit von 130 – 140 Km/h schaffen und „für uns europäische Warmduscher“ musste es auch eine Klimaanlage haben. Die Kabine nicht zu groß, um auch in engeren Passagen durchzukommen, dafür brauchte es nur Platz für zwei Personen zu haben.

Keilingers erster Gedanke: Ein Landrover Defender? Nach einigen Probefahrten stand fest: Der ist zu langsam für die oft lange Anreise über die Autobahn. Ein Toyota? In der Alterskategorie, die Keilingers vorschwebte: Zu teuer. Bei der Durchforstung der einschlägigen Internet Auto-Verkaufsportale wird schnell klar, dass ein älteres Pick-Up Modell der Baujahre um 2002 am günstigsten zu haben wäre (ohne Kabine etwa 3.000 bis 4.000 Euro) und den Vorgaben hinsichtlich Geschwindigkeit und Klima gerecht werden würde.
Die Auswahl wurde also immer enger, diverse Pick-Ups mit Kabine – oder mit kleinem Aufbau – für 7.000 bis 15.000 Euro wurden besichtigt. Die Kabinen waren letztlich alle zu hoch, so blieb die Variante mit einem Aufstelldach übrig. Gesagt, getan. Nach einer mehrmonatigen Suchphase war das Reisefahrzeug WoKi gefunden (der Wagen war von einem der Vorbesitzer auf den Namen WoKi – als Abkürzung für „Wohnkiste“ getauft worden). Ein Mazda B2500 mit aufgesetzter isolierter Alukabine von ORTEC (Off Road Technik), inklusive Solaranlage für die Zweitbatterie und einer Standheizung, zwar mit minimalistischem Ausbau von Intercamp, dafür aber mit reichlich Abenteuer- und Reise-Erfahrung, zusammen für 9.400 Euro. Eifrige Leser von Adventuremedia4u.de kennen das Fahrzeug – es ist das ehemalige Reise-Gefährt von Horst Fischer.
Von früheren Reisen wusste Keilinger, dass man in die Situation kommen kann, spontan im Auto übernachten zu wollen, oder zu müssen. Sei es im Hafen vor der Fähre, am Rastplatz, auf einem öffentlichen Parkplatz oder in der Innenstadt einer zu besichtigenden Stadt. Geschlafen werden sollte also nicht nur unter dem Aufstelldach, sondern – bei geschlossenem Dach – auch unten im Fahrzeug. Das hat den zusätzlichen Vorteil, dass bei stürmischem, schlechtem Wetter das Dach nicht geöffnet werden muss. Da sich die Reisenden beim Essen gegenüber – und nicht nebeneinander – sitzen wollten war klar, dass der Tisch in der Mitte stehen musste. So kann man auch unabhängig voneinander aufstehen und sich freier bewegen. Nach der Besichtigung verschiedener Konzepte stand fest, dass es die Version mit absenkbarer Tischplatte sein sollte. Einen passenden absenk-, dreh-, schwenk- und verschiebbaren Tischfuß hat Keilinger im Internet ersteigert. Das schwierigste dabei war einen zu finden, der bis auf das Niveau der vorhandenen Staufächer absenkbar war – und nicht gleich 500 Euro kosten sollte. Da der Pick-Up ein Doppelkabiner ist und die Ladeflächenlänge demzufolge nur rund. 1,5 Meter beträgt, somit auch die Grundfläche der Kabine nur maximal ebenso lang ist, konnte man also unmöglich ausgestreckt schlafen.

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Die Lösung war ein Durchstieg: Der Zusatztank, dessen Platz zu Zeiten von Horst Fischer an Stelle der Rücksitzbank eingebaut war, befand sich nicht mehr im Fahrzeug. Eine Rücksitzbank war auch nicht vorhanden, also klaffte hinter den Vordersitzen ein blecherner – für Keilingers Bedürfnisse zu großer - Stauraum.
An dieses Projekt wollte er sich als (wie er selbst sagt) „Hobbyschrauber“ nicht alleine und ohne fachkundige Hilfe wagen. Da ihm auch die Konstruktion der Kabine nicht bekannt war, kontaktierte er erst den Hersteller, Heinz Hormann in der Nähe von Bremen. So brachte er in Erfahrung, wie groß ein Durchstieg möglich wäre. Letztendlich war die Anreise von Süddeutschland bis in den hohen Norden dann doch zu weit, vor allem weil nicht klar war, wie oft man bei auftretenden Komplikationen hätte hinfahren müssen. Keilinger erkundigte sich nach (im besten Wortsinne) näher liegenden Alternativen, auf seine Anfragen hin meldeten sich lediglich vier Firmen (Offroadschmiede, 4x4 Maxe, Alpha-Cab und Desert-Service). Nach den Angeboten (die von 700 bis 2.000 Euro reichten) und den dazugehörigen Terminvorschlägen (von drei bis elf Monaten Wartezeit) entschied Keilinger sich für den schnellsten und ihm persönlich auch sympathischsten Kontakt: Thomas Schiffzicks „Desert Service“ in Pausa. Obwohl Desert-Service eher auf Mercedes G spezialisiert ist, war Thomas Schiffzick dem Projekt gegenüber gleich aufgeschlossen. Die Heckscheibe des Mazda wurde entfernt, die Fensteröffnung noch vergrößert, indem ein Teil der Fahrzeugrückwand ausgeschnitten wurde, außerdem wurde die Kabinenwand heraus getrennt. Für die nötige Stabilität sind Hilfsrahmen am Fahrzeug und an der Kabine installiert, die mit einer isolierten Plane verbunden wurden. Zudem wurde oberhalb des Durchstiegs eine Airline-Schiene angebracht, um diverse Gegenstände aufhängen zu können. Mit Hilfe von Thomas Schiffzick ist auch der Innenausbau professionell gelungen, obendrein fertigte er auch gleich die abklappbaren Sandblechhalterungen, so dass eine Tischfläche entlang der Wagenseite zur Verfügung steht.
Nichts auf dem Dach
Um das Fahrverhalten des Allrad-Mazda nicht zu verschlechtern, sollte der Schwerpunkt so niedrig wie möglich gehalten werden. Jedoch sollte auf alle Fälle ein zweites Ersatzrad mit auf Reisen gehen. Das serienmäßige Ersatzrad befindet sich unter dem Fahrzeugheck, aber wohin mit dem zweiten? Es musste ein zusätzlicher Reserveradträger ans Heck. Das größte Angebot findet sich für den Landrover Defender. Also ab ins Internet und günstig einen Heck-Reserveradhalter erstanden. Der musste jetzt bloß noch so an die Rückwand und die Kabinentür angebracht werden, dass diese nicht durch das Gewicht des Rades herausbricht und sich obendrein auch noch öffnen lässt. Hilfe gab es bei einer benachbarten Schlosserei, die ein passendes Metallprofil herstellen konnte, das auf der Innenseite der Kabine sowohl Kabinenwand als auch die Karosserie mit dem Reserveradträger verbindet. Das Profil wurde verklebt, vernietet und verschraubt und soll die Zugkräfte des Ersatzrades auf die Längsseite der Karosserie übertragen. Als Abstützung nach unten dient ein weiteres, zweites Metallprofil, das mit der Stoßstange verschraubt ist und zusätzlich Gewicht aufnimmt. Natürlich mussten auch die Halteschrauben am Träger abgeändert werden, da der Landy nicht den gleichen Lochkreis wie ein Mazda hat.

Benötigt man einen Zusatztank? Wie groß soll er sein? Der 250 Liter Diesel Tank, der seinen Platz an Stelle der Rücksitzbank hatte, befand sich nicht mehr im Fahrzeug. Nun schreiben wir mittlerweile das Jahr 2012, und auch wenn in manchen Gebieten der Erde die Zeit stehengeblieben scheint, so sind doch die Anzahl der Tankstellen (bzw. der Möglichkeiten um an Diesel zu kommen) erstaunlich hoch. Man benötigt nicht unbedingt einen so großen Zusatztank. Im Gegenzug muss man natürlich in Kauf nehmen, dass man Unterschiede in den Spritpreisen diverser Länder nicht so gut abpuffern und ausnutzen kann. Andererseits schleppt man auch deutlich weniger Gewicht mit, was dem Verbrauch und dem Fahrverhalten zu Gute kommt. Also fiel die Entscheidung für vier je 20 Liter fassende Reservekanister, die Wokis Reichweite locker verdoppeln. Lange wurde überlegt, wohin mit den Kanistern. Letztlich kam es dann zu einem Kompromiss. Die Halterungen sind geklebt und verschraubt, wobei erneut auf die fachkundige Beratung und Hilfe der benachbarten Schlosserei zurückgegriffen wurde. Die Zusatzkanister sind an der Seitenwand natürlich etwas ungeschickt platziert, da recht weit oben, aber im Innenraum gab es durch den Durchstieg keinen Platz mehr. Und ganz weit rauf aufs Dach sollte das Gewicht dann auch nicht. Dafür ist es innen richtig geräumig geworden und da man eh nicht ständig mit gefüllten Kanistern rumfährt, ist diese Lösung vertretbar. Sollte festgestellt werden, dass das Fahrverhalten sehr negativ beeinflusst wird, dann werden die Kanister im vollen Zustand im Fahrzeuginneren transportiert und nur leer wieder an der Seitenwand hängen.
Ähnlich verhält es sich mit dem 150 Liter Wassertank zum Waschen und Duschen. Das, so Keilingers, „brauchen wir nicht“. Duschen: Im Fluss oder im See, und wenn dies nicht möglich ist, dann werden zwei 20 Liter Wassersäcke aufgehängt und durch die Sonne erwärmt. Die haben bislang (sogar für vier Personen in der Sahara) immer gereicht.
Trinkwasser wird ausschließlich aus Wasserflaschen entnommen, die man mittlerweile selbst an den entlegensten Orten der Welt kaufen kann.
Tägliche Hygiene: Ein kleines Waschbecken mit fließend Wasser innerhalb der Kabine war Vorausstzung beim Ausbau. Die Mindestanforderung waren Händewaschen und Zähneputzen. Dazu reichen ein zwölf Liter fassender Frischwasserkanister mit Tauchpumpe und ein ebenfalls zwölf Liter fassender Abwasserkanister. Die Aufteilung der Wasserreserven auf verschiedene Behälter bietet zudem den Vorteil, dass eventuell verunreinigtes Wasser nicht den ganzen restlichen Vorrat verdirbt und bedenkenlos aus Brunnen, Bächen oder Flüssen nachgefüllt werden kann. Auch ist die Wartung und Reinigung der „primitiven“ Wasseranlage denkbar einfach. Zu diesem kleinen Luxus-Hygiene-Standard kommt noch ein absolutes „must have“ für die Damenwelt hinzu: Die obligatorische Campingtoilette. Nach vielen Messungen war klar, das kleinste Modell (Porta Potti 335) passt in den hinteren Staukasten, wenn es dort eine seitliche Tür an besagtem Kasten gäbe. Die kam dann gleich mit auf den Planungszettel für den Innenausbau.
Folgendes gehörte noch zur Planungsliste des Innenausbaus:
- Ein Staukasten für lange Gegenstände auf der gesamten Fahrzeugbreite (z.B. für Campingstühle, Tisch, Schlauchboot, etc.), durch beide hinteren Türen zu beladen. Um innen noch etwas mehr Platz zu gewinnen, wurden die recht voluminösen, inneren Türgriffe demontiert.
- Im Fahrzeug wird nur im Notfall gekocht, die Ideallösung wäre eine mobile Küche, die man sowohl innen als auch draußen benutzen könnte, ohne die einzelnen Utensilien aus den verschiedenen Fächern herbeikramen zu müssen. Obwohl zu 90 Prozent am Lagerfeuer gegrillt wird, sollten - bei Bedarf - gleichzeitig zwei Kocher betrieben werden können. Hierzu brauchte die Küchenbox noch ein seitliches abklappbares Tischchen als Ablagefläche, entweder für den zweiten Kocher oder für einen Topf. Die Box ist komplett herausnehmbar und wird während der Fahrt mit Klemmschnallen fest am unteren Staukasten arretiert. Einen kleinen Kompromiss muss die Besatzung von Woki hinnehmen. Wenn die Küchenbox festgeschnallt ist, dann kann man den Deckel des Staukastens nicht öffnen. Dies stört aber nicht, da sich in diesem Kasten die Standheizung und das Porta Potti befinden, das über eine seitliche Klappe zu entnehmen ist. Den restlichen Platz im Kasten muss man mit Kleinkram füllen, den man nicht täglich benutzen will.
- Wegen der größeren Entfernungen, die man auf einer Reise zurücklegt, verbringt man doch recht viele Stunden hinter dem Lenkrad. Somit war eine Grundvoraussetzung der Zugriff zur Kühlbox während der Fahrt. Natürlich muss man auch am Tisch sitzend an die Kühlbox herankommen. Damit stand der Platz für die Waeco 35 Liter Kühlbox fest: Mittig hinter den Vordersitzen direkt vor der Fahrzeug-Rückwand, mit festem Anschluss an die Zweitbatterie, die über das Solarpaneel geladen wird. Weil der Deckel der Kühlbox gewölbt ist, sollte sie komplett im Staufach verschwinden, damit eine ebene Liegefläche entstehen kann.
- Die Tischplatte ist eher quadratisch und natürlich nicht so groß, als das sie den gesamten Raum zwischen den Sitzbänken ausfüllen würde. Wenn sie faltbar wäre, ließe sich die Plattenfläche leicht verdoppeln und könnte so den gesamten Zwischenraum ausfüllen. Als kleiner Gag sind in der oberen Hälfte der Tischplatte zwei Öffnungen als Cupholder ganz praktisch.
- Beleuchtung gibt es in Form von Halogen Leselampen mit Schwanenhals (Hella), LEDs wären natürlich noch eleganter und sparsamer gewesen, allerdings auch deutlich teuerer.
- Steckdosen und ein 230 V Sinus-Spannungswandler (AEG) für diverse Ladegeräte, Laptop, Handy, Fotoapparat, GPS Navigation, etc. sind ebenfalls mit an Bord.
- Um diverse Gegenstände und Taschen variabel aufhängen zu können, sollten in der Kabine rundum oberhalb des Durchstiegs und der Fenster Airline-Schienen angebracht werden. Nachdem fast all diese Punkte abgearbeitet waren, ging es ans Äußere.
Die bereits in den Fahrzeugpapieren eingetragene 265-er MT Bereifung war nur mit Kotflügelverbreiterung möglich. Die originalen Kunststoffverbreiterungen von Mazda oder dem baugleichen Ford Ranger schienen zu teuer, auf dem Schrottplatz stand auch nichts rum. Die günstigste Lösung waren universale Gummilippen, die das Fahrzeug um 5,5 cm je Seite verbreiterten. Die Gummilippen haben eine eingearbeitete Metallleiste, welche mit der Kotflügelkante verklebt und vernietet oder verschraubt wird.
Auf der Beifahrerseite gibt es unter dem Kabinenfenster eine abschließbare Spatenhalterung - und nach längeren Überlegungen wurden vier Zusatzscheinwerfer (dank Internetbörse sind es Hella Luminator) auf dem Dach montiert. Hierzu wurde eine Verstrebung unter dem Dachhimmel montiert, die alle vier Scheinwerfer miteinander verbindet. Auch wenn Zusatzscheinwerfer nicht zwingend notwendig sind - ein wenig Spaß und Show soll ja auch sein.
Abschließend ist so eine ideale Wohnkiste Typ „universal“ entstanden:
Schlafen kann man mal oben und mal unten, mal getrennt und mal nebeneinander - abhängig von der Tagesstimmung. Maximal gibt es Platz für vier Personen. Für die Frauen dieser Welt wohl obligatorisch ist das „Bad“ mit Waschbecken und WC. Und das „Esszimmer“, mal rustikal und mal nobel, je nach Art und Anlass des Besuchs.
Wer also keine Image–Probleme hat (statt Landy, Mercedes G oder HZJ ist es eben ein Pick-Up) und wer die etwas erschwerte Suche nach Zubehör (oft muss man improvisieren oder auf baugleiche Modelle ausweichen) in Kauf nimmt und selber Hand anlegt, der kann so durchaus günstig und ohne Komfort-Abstriche sein persönliches Fahrzeug-Konzept verwirklichen.

Fragen und konstruktive Kritik bitte an:
adrenalin-junky@alpenjodel.de