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4x4-Fahrzeuge/Fernreisemobile

Zetros als Jagd- und Expeditionsmobil

Sechs sells

Der Allrad-Hauber Zetros 2733 A von Mercedes-Benz als Jagd- und Expeditionsmobil

In der Gemeinde der Fernreisenden haben Basisfahrzeuge mit dem Stern an der Haube. Nicht umsonst rollen heute noch etliche Rundhauber mit Wohnaufbauten weltweit durch die Lande, mit reise- und abenteuerlustiger Besatzung an Bord. Über den Allesüberwinder Unimog mit seinen phantastischen Geländeeigenschaften müssen wir ja an der Stelle gar nicht reden. Nun schickt sich Mercedes an, auch in der „großen“ Klasse mit einem aktuellen Produkt Weltreisenden ein adäquates Angebot zu machen: Mit dem Zetros.

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Überall dort, wo höchste Geländegängigkeit und hohe Nutzlasten gefragt sind, ist der allradgetriebene Mercedes-Benz Zetros in seinem Element. Eigentlich ist das allradgetriebene Haubenfahrzeug für den Einsatz als geländegängiges Nutzfahrzeug gedacht. Dass es auch als Basis für Fernreise- und Expditionsmobile taugt, stellen zwei Mercedes-Benz Zetros 6x6 mit speziellem Auf- und Ausbau unter Beweis.

Der Zetros bietet als Dreiachser bei einem zulässigen Gesamtgewicht von maximal 25 oder 27 Tonnen ohne Aufbau eine Nutzlast von rund 16 Tonnen. Da kann man dann einiges draufpacken, was Wohnaufbau und Ausstattung sowie Versorgungstechnik angeht. Über mangelnde Zuladung muss man sich jedenfalls nicht beschweren.

Das Triebstrang und Chassis des Zetros basieren auf den Baureihen Actros und Axor. Entwickelt wurde er im Werk in Wörth, wo er auch gebaut wird. Unter der Haube des Zetros werkelt in allen Varianten der 7,2 Liter große Reihensechszylinder OM 926 LA. Er bringt es auf eine Leistung von 240 kW / 326 PS und liefert ein maximales Drehmoment von 1.300 Nm bei 1.200 bis 1.600 U/min.

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Zur Wahl stehen zwei Getriebevarianten: Standard ist das hydraulisch-pneumatisch geschaltete Neunganggetriebe G 131-9 (mit acht Vorwärtsgängen plus Crawler) mit direkt übersetztem höchsten Gang. Optional ist ein sechsstufiges Automatikgetriebe Allison 3000 SP/PR (Vollautomat) zu haben. Seit Jahrzehnten bewährt ist das Verteilergetriebe VG 1700 für den permanenten Allradantrieb. Mit 1,690 ist die Geländeübersetzung gut 20 Prozent kürzer ausgeführt als bei den Allrad-Fahrzeugen der Baureihen Actros und Axor (Geländeübersetzung dort: 1,403). So sind besonders niedrige Geschwindigkeiten möglich, was etwa bei steilsten Passagen bergab ausgesprochen wichtig ist. Die Zugkraft gegenüber den Straßengängen wird generell um rund 70 Prozent erhöht. Die Drehmomentverteilung zwischen Vorder- und Hinterachse(n) beträgt im Ausgleichsgetriebe 1 : 3,21, bei zugeschalteter Differenzialsperre 1 : 1.

Serienmäßig wird der Zetros mit drei mechanischen Differenzialsperren ausgeliefert. Die kann der Fahrer über einen praktischen Drehschalter einlegen. Der Schalter gibt die sinnvolle Reihenfolge vor, in der die Sperren bei zunehmend schwierigem Gelände einzulegen sind: erst längs, dann hinten quer und schließlich vorne quer.

Bei den guten Anlagen ist es kein Wunder, dass sich die Zetros-Baureihe bei Energieversorgern, in der Exploration sowie bei der Feuerwehren und Rettungsdiensten großer Beliebtheit erfreut.

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Schließlich kombiniert der Hauber höchste Geländegängigkeit mit außergewöhnlich gutem Offroad-Fahrkomfort. Diese Vorzüge überzeugen auch private Kunden, die auf der Suche nach einem Basisfahrzeug für Fernreisen abseits befestigter Straßen sind.

Zwei Mercedes-Benz Zetros wurden etwa von Hartmann Spezialkarosserien in Alsfeld (Aufbau) und der Firma Huenerkopf in Neukirchen (Ausbau) individuell nach Kundenwunsch umgebaut. Die beiden Fahrzeuge wurden in die Mongolei geliefert, wo sie als Jagd- und Expeditionsmobile zum Einsatz kommen werden. Die Mobile sind weitgehend identisch aufgebaut, eines der beiden Exemplare verfügt über eine zusätzliche Heckgarage. Dort passt ein Quad hinein, zur Erkundung. Die Luxus-Fernreisemobile sind 1.070 cm lang (bzw. plus 60 cm beim Modell mit Heckgarage), 270 cm breit und 420 cm hoch.

Als Basisfahrzeug dient dabei je ein Mercedes-Benz Zetros 2733 A mit 6x6-Antrieb (Radstand 5.350 mm) und dem Standard-Fahrerhaus. Das wurde, dem angepeilten Einsatzzweck entsprechend, ein wenig aufgerüstet. So gibt es unter anderem eine aufgepolsterte Liege für den Fahrer, eine eigene Klimaanlage, 24 V Audio-System mit CD-Spieler, CD-Wechsler, Bluetooth-Freisprecheinrichtung und einen 7” Touch-Screen mit angeschlossener Rückfahrkamera. Selbstverständlich ist auch GPS-Navigation an Bord.

Auf dem Dach des Fahrerhauses ist ein Lastträger installiert, dem Lasten mit einem Gesamtgewicht von bis zu 100 Kilogramm aufgebürdet werden können. Am Dachträger wurden vier Zusatzscheinwerfer für Nachtfahrten und ein Doppel-Drucklufthorn montiert – falls mal ein lautstarkes Warnsignal gebraucht werden sollte. Ob es für die vier Flashlights in rot und blau, die sich im Kühlergrill verbergen,
wirklich einen dringend notwendigen Grund gibt, weiss sicher nur der Kunde. Aber was soll’s, nett ist so eine Light-Show sicher anzusehen.

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Am anderen Fahrzeugende, am Heck, dominiert ein Träger für zwei Reserveräder die Ansicht. Er bietet ein eigenes Lift-System, mit dem nicht nur die Reserveräder angehoben und abgesenkt werden, sondern über das auch Ladung aufs Kabinendach geschafft werden kann. Die Rückfahrkamera aktiviert zusätzliche Suchscheinwerfer am Heck, für sicheres Rangieren in der Nacht.

Neben widrigen Straßenverhältnissen mussten beim Auf- und Ausbau ganz besonders die speziellen Witterungsverhältnisse in der Wüste, wo die Fahrzeuge zum Einsatz kommen sollen, berücksichtigt werden. Extreme Temperaturschwankungen verlangen nach besonders guter Isolierung. Alle Innenausbauten wurden so geplant und ausgeführt, dass sie auch starken, im Offroad-Betrieb auftretenden Erschütterungen gewachsen sind. Der Möbelbau ist speziell ausgerichtet auf die Nutzung in tropischen und Wüstengebieten. Den Bedingungen in „wüsten“ Regionen angepasst sind auch die Treibstoffvorräte. Für ausreichende Reichweite – auch abseits von Zivilisation und gut ausgebautem Tankstellennetz – sind Dieseltanks mit 300 und 200 Litern Inhalt verbaut.

Als Wohnkabine für die gut zehn Meter langen Mobile dient ein voll isolierter Sandwich-Aufbau. Wände, Dach und Boden bestehen aus einteiligen, mit PU-Hartschaum isolierten und miteinander verklebten Sandwich-Paneelen. Zusätzliche Kantenprofile verstärken den robusten Aufbau. Die Wandstärke liegt für Boden und Decke bei rund 100 mm, die Seitenwände sind rund 50 mm stark. Der komplette Wohnaufbau ist in Farbe des Fahrerhauses lackiert.

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Auf der rechten Fahrzeugseite liegt der 800 mm breite Eingang zum Wohnbereich.. Eine integrierte Treppe und Haltegriffe erleichtern den Einstieg, ein robuste Sicherheitsschloss mit Dreifach-Verschluss kann von innen und außen bedient werden. Alle Fenster der Wohnkabine sind doppeltverglast. Sie lassen sich allesamt öffnen und sind mit Moskitonetzen und Verdunkelungsrollos ausgestattet.

Der Innenraum hat eine angenehme Größe von 710 x 255 x 200 cm und ist klar in verschiedene Funktionsbereiche gegliedert. Das Schlafzimmer befindet sich im Heck, die bequeme Leder-Sitzgruppe für vier bis sechs Personen in der Front. Obendrein gibt es ein Badezimmer mit Marmorboden und Fußbodenheizung sowie eine große Küche fürs leibliche Wohl.

Neben dem Schlafgemach im Heck steht im Wohnbereich ein weiterer Schlafplatz zur Verfügung. Denn der Tisch in der Sitzgruppe lässt sich elektrisch anheben und absenken. Bei abgesenktem Tisch entsteht so ein zusätzliches großes Bett. Ausgesprochen praktisch, falls mal unverhofft Gäste auftauchen sollten und über Nacht bleiben wollen.

Wie nicht anders zu erwarten bei Fahrzeugen dieser Größenordnung und Preisklasse ist die Küche komplett ausgestattet. Keramik-Kochfeld, Mikrowelle mit Grill, Kühl- und Gefrierschrank, Bar und Kaffeemaschine, alle da, was man in einem modernen Haushalt so erwartet. Die Spüle wird mit Warm- und Kaltwasser versorgt, an Bord ist außerdem ein maßgenau eingepasstes Geschirr-Set für acht Personen, das bis zu den Weingläsern reicht. Für die Outdoor-Nutzung verfügen die Fahrzeuge über mobile Zweiflamm-Gaskocher mit zwei 11 kg Gasflaschen. Das kann dann erlegtes Wild gleich in der freien Natur lecker zubereitet werden.

Im Sanitärraum, nein, sagen wir doch besser: Badezimmer, gibt es eine abgetrennte Duschkabine, eine WC-Bidet-Kombination, Waschbecken und einen dreiflügeligen Spiegelschrank.

Durch eine Wand mit integrierten Flat-Screen TV-Geräten (40” und 46”, je eines in Richtung Schlafzimmer und Sitzgruppe) ist das Schlafzimmer vom Wohnbereich getrennt.

Dem geplanten Einsatz als Jagdfahrzeug entsprechend sind in beiden Mobilen je ein Safe für Wertsachen (400 x 400 x 300 mm) sowie ein Waffenschrank für Jagdgewehre fest integriert.

Logisch, dass auch für Unterhaltung auf aktuellem Stand der Technik bestens gesorgt ist. Mit auf die Reise gehen ein SAT-Receiver sowie eine elektrische und sich selbst ausrichtende SAT-Antenne, DVD-CD-Player, MP3-Player, ein Hi-Fi-Sound-System von Bose sowie ein Mac Mini plus W-LAN Router. So ausgerüstet, können auch unterwegs jederzeit die Börsenkurse oder der Wetterbericht per Internet abgerufen werden.

Umfassend präsentiert sich auch die Bord-Technik. Sie wird von einem zentralen Schaltschrank mit separat abgesicherten Schaltkreisen aus gesteuert und überwacht. Ein wassergekühlter Diesel-Generator sorgt für Unabhängigkeit vom Stromnetz, ein Batterie-Set mit vier Akkus mit je 220 Ah puffert die Energie. Geladen werden die Akkus von einem automatischen und mit dem Generator verbundenen Ladegerät oder über die Solaranlage auf dem Dach, die aus zwei Moduln mit je 80 Watt besteht. Alle elektrischen Geräte sind ans bordeigene 230 Volt-System angeschlossen und werden über einen automatischen 24/230 Volt-Wandler versorgt.

Vom Generator versorgt wird die stufenlose Klimaanlage für den gesamten Aufbau betrieben, die für alle Räume getrennt regelbar ist. Zusätzlich arbeiten elektrische Ventilatoren in Bad und Küche, die eventuelle unangenehme Gerüche nach draußen befördern. Für angenehme Wärme im gesamten Wohnbereich sorgt während kalter mongolischer Wüsten-Nächte eine mit Diesel betriebene Kraftstoff-Heizung, die während der Fahrt und im Stand betrieben werden kann.

Für Trink- und Brauchwasser (Dusche, Toilette) gibt es getrennte Wassersysteme mit einem Gesamtvolumen von rund 250 Litern (Volumen des Abwassertanks: Rund 100 Liter), das Trinkwasser durchläuft einen eigenen Wasserfilter. Eine separate Pumpe dient zur Füllung des Frischwassertanks von außen, ein 230 V Warmwasser-Boiler mit 20 Liter Inhalt sorgt für Warmwasser in Küche und Bad. Wenn es das Wetter zulässt, kann auch eine Außendusche genutzt werden.

Die Jagd- und Expeditionsmobile auf der Basis des hochgeländegängigen Mercedes-Benz Zetros verbinden den Komfort eines Luxus-Reisemobiles mit den Offroad-Eigenschaften eines Expeditions-Fahrzeugs. Billig ist der ganze Spaß jedoch nicht. Preise gibt es auf Anfrage, mit einem sechsstelligen Betrag ist zu rechnen.

Quelle: Gerhard Prien