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4x4-Fahrzeuge/Fernreisemobile

Unicat 6x6 Unimog


Sechs out of the city: Expeditionsfahrzeug MD52h auf Basis Unimog U4000 6x6

Zur diesjährigen "Abenteuer & Allrad" in Bad Kissingen präsentierte Unikat aus Dettenheim wieder mal ein besonderes Schmuckstück, einen Unimog U4000, der sich durch einige "Besonderheiten" auszeichnet. Weniger auffällig als das Äußere des Fahrzeugs mit seinen beeindruckenden Abmessungen ist die Modellbezeichnung: Sie lautet schlicht auf MD52h, ein überraschend schlichter und wenig spektakulärer Name für ein Expeditionsfahrzeug der absoluten Extraklasse.

Das Fahrgestell

Basis des 5.200 mm langen Aufbaus ist ein Unimog U4000, den Unicat - auf Wunsch des Besitzers - auf 6x6-Antrieb umgebaut hat und dessen Fahrerhaus verlängert wurde. Damit ist das Basisfahrzeug etwa so selten wie ein Politiker des Bundestags, der seine Doktorarbeit selbst geschrieben hat. Fahrer und Beifahrer nehmen auf zwei luftgefederten und beheizbaren Recaro Komfortsitzen Platz, obendrein gibt es einen weiteren Notsitz. Eine integrierte Klimaanlage sowie Musikanlage mit CD Player und I-Pod Anschluss und ein Funkgerät sorgen für Komfort und Kommunikation unterwegs, ein Sicherungsautomat für leichtes Beheben elektrischer Defekte. Ebenfalls an Bord: Temperaturanzeigen für Achsen und Getriebe und eine Regelanlage für den Reifendruck sowie ein Druckluft-Anschluss. Auf dem Dach des Fahrerhauses ist der Halter für das Reserverad untergebracht, wegen des Gewichts des Reserverads mit einem Ladekran kombiniert.

Durch den Umbau des Fahrgestells hat das hoch geländegängige Universalmotorgerät jetzt einen Radstand von 3.250 plus 1.350 mm und eine Gesamtlänge von 8.126 mm. Und außerdem ein zulässiges Gesamtgewicht von satten dreizehn Tonnen. Da bleibt dann auch ausreichend "Luft" für Zuladung. Unverändert blieb die Motorleistung des Euro 5 erfüllenden Antriebsaggregats, die bei 160 kW / 218 PS liegt. Gekoppelt ist es an ein Achtgang-Getriebe mit Telligent-Schaltung, verbaut sind außerdem ein Verteilergetriebe mit Gelände-Untersetzung, Längssperren zwischen den Hinterachsen sowie Differenzialsperren in den Vorder- und Hinterachsen. Verzögert wird der Unimog mit Scheibenbremsen an allen sechs ABS-gebremsten Rädern, als Bereifung sind schlauchlose 395/85 R 20-Reifen auf zweiteilige Aluminium-Räder (Beadlocks) aufgezogen. Für ausreichend Treibstoff auch abseits befestiget Straßen, wo der Unimog ja eigentlich hin gehört, sorgt eine Zweikammer-Kraftstoffanlage mit rund 540 Litern Diesel, selbstverständlich kombiniert mit einem Diesel-Vorfilter und einem Wasserabscheider. Das ist durchaus notwendig, denn die Wat-Tiefe des Unimog liegt bei bis zu 120 Zentimetern.



Der Aufbau

Die packt der Unimog auch mit seinem selbsttragenden Aufbau, einer Sandwichplatten-Konstruktion, gefertigt aus GfK-Verbundplatten mit einer Wandstärke von 60 mm und PU-Hartschaum-Isolierung und einer zwei bzw. drei mm starken und gewebeverstärkten Deckschicht. Der 520 cm lange und 230 cm breite Aufbau (Höhe 215 cm) ist kältebrückenfrei mit GfK-Profilen verklebt, die Bodenplatte enthält eine eingeschäumte Stahlrahmen-Verstärkung. Auch die Einstiegstür und die Kofferklappen bestehen aus den sechs Zentimeter dicken GfK-Verbundplatten, für doppelte Abdichtung gegen das Eindringen von Staub oder Wasser sorgen kombinierte Hohlprofil- und Lippendichtungen. Edelstahl-Scharnierbänder halten die Klappen, die mit gleich schließenden stabilen Fallenschlössern mit Anpreßschnecke versehen sind und über oben und unten über Zusatzverriegelungen verfügen. Die Profilzylinder der Schlösser sind mit Schutzkappen versehen. Eine Dreipunkt-Lagerung mit Haupt- und Pendellager dient zur verspannungsfreien Befestigung der Wohnkabine mit dem verwindungselastischen Rahmen des Fahrgestells.

Zur Verbesserung des Böschungswinkels bei Fahrten im Gelände ist das Heck angeschrägt, um den Luftwiderstand zu reduzieren und die Optik des Fahrzeugs zu verbessern ist auch der Frontbereich mit einer Schräge versehen. Der Durchgang zum Fahrerhaus ist mit einem hochflexiblen Faltenbalg versehen, der auch die Verwindungen im Offroad-Betrieb mitmacht.

Im Aufbau kommen kratzfeste und einbruchsichere Ausstellfenster mit GfK-Rahmen zum Einsatz, die Scheiben bestehen aus Verbund-Sicherheitsglas mit Isolier-Zwischenraum. Sie sind durch kombinierte Hohlprofil- und Lippendichtung doppelt abgedichtet, die Aufsteller und Verriegelungen sind aus Edelstahl gefertigt. Abgedunkelt werden können die Fensterflächen durch Aluminiumrahmen-Rollos mit Sonnenschutz und Moskitonetz. Als Dachluke in der Dusche kommt ein kratzfestes, einbruchsicheres Modell aus dem Yachtbau zum Einsatz, mit einer Scheibe aus 12,7 mm Acrylglas. Über dem Bett ist eine Unicat-Dachluke verbaut, versehen mit GfK-Verbundplatten und Profilen.



Der Ausbau

Der Möbelbau besteht aus Tischlerplatten mit Möbeloberflächen aus Schichtstoff, versehen mit stabilen Metall-Riegelschlössern und Scharnieren. Die Oberflächen sind in Weiß mit Teakholz-Kanten gehalten, der Fußboden ist ein Teak-Schiffsboden. Wände und Decke mehrfach lackiert, alle Sitzpolster aus Alcantara gefertigt.

Ans Fahrerhaus schließt sich auf einem Podest die Sitzgruppe mit zwei Längsbänken und bis zu vier Sitzplätzen an. Sie kann mit einem schwenk- und absenkbaren Tisch zum Bett umgebaut werden.
Ein festes Doppelbett nimmt quer angeordnet den Platz im Heck ein; es bietet eine Liegefläche von 150 x 200 Zentimetern und ist mit Unterlüftung, Heizung und Komfort-Matratze ausgestattet. Ergänzt wird die Ausstattung des Schlafgemachs durch Oberschränke und Staufächer.

Mittag auf der Fahrerseite ist der kombinierte Dusch- und Toilettenraum - mit Tür zur Abtrennung zum Innenraum hin - installiert. Die separate Duschkabine wird durch einen Duschvorhang verschlossen, obendrein gibt es einen Varicor-Waschtisch mit Unterschrank und integriertem Waschbecken sowie darüber angeordnet einen Oberschrank mit Spiegel. Im Sanitärbereich ist auch eine Kombination aus Handtuchtrockner Heizkörper montiert. Für dringende menschliche Bedürfnisse ist eine Sealand-Porzellan-Toilette mit Wasserspülung vorgesehen. Um die geplante und geforderte Verlautbarkeit des Unimog in einen Container nicht zu gefährden, war die Gestaltung des Innenraums eine Herausforderung für das Team um Unicat-Geschäftsführer Söllner. Das Fahrzeug durfte nicht zu lang werden und trotzdem sollte nicht auf den Komfort einer Dusche verzichtet werden. Deshalb haben die Konstrukteure die Dusche hinter einem ausziehbaren Schrank versteckt. Zieht man den Schrank in den Gang, entsteht hinter ihm die Dusche.

Mittag auf der Beifahrerseite liegt - links der Einstiegstür - die reichhaltig ausgestattete Küche. In die
Varico- Arbeitsplatte ist eine Edelstahl-Spüle eingelassen, ein Induktions-Kochfeld mit zwei Kochstellen dient der Zubereitung von Speisen. Wenn es mal fix gehen soll, hilft die Mikrowelle mit Backofen und Grill.
Ein 130 Liter fassender Kühlschrank mit ***-Gefrierfach kühlt Speisen und Getränke. Die Unterschränke mit ihren praktischen Schubladen fahren auf kugelgelagerten Vollauszügen ein und aus, pistenfeste Unterteilungen für Geschirr, Töpfe und Küchengeräte sorgen dafür, dass auch auf Rüttelpisten alles Küchengerät an seinem Platz - und geil - bleibt. Für Stauraum sorgen diverse Küchenoberschränke, eine klappbare Platte sorgt für Arbeitsfläche in der Küche.

Zwischen Sanitärabteil und dem Doppelbett im Heck findet der Wäscheschrank mit Einschüben Platz. Zudem gibt es einen Ausziehschrank mit Schuhfach und einen Kleiderschrank mit Kleiderstange und Staufächern. Weitere Ablage- und Staumöglichkeiten gibt es im Bereich der Sitzgruppe, zudem finden größere Ausrüstungsgegenstände Platz in einem großen Außenstaufach im Heckbereich und verschiedenen Außenstauboxen aus Aluminium. Am Heck montiert ist zudem eine - hydraulisch ablenkbare - Fahrradbox für zwei Fahrräder am Heck und eine Halterung für vier Sandbleche.

Die Beleuchtung im gesamten Fahrzeug ist - über Tisch, Küche, Bett, im Gang, Waschraum und der Dusche auf LED-Leuchten ausgelegt, ergänzt um Leseleuchten bei den Betten und der Sitzgruppe. Für Unterhaltung und Information - im Dunkeln wie im Hellen - ist eine hochwertige Musikanlage an Bord, bestehend aus Radio mit CD-Spieler und MP3 sowie I-Pod Anschluss und Lautsprechern im Bereich der Sitzgruppe.

Hochwertig und funktionell ist auch die elektrische Anlage. Ein Kontrollpanel dient zur Überwachung der Stromversorgung und der Füllstände der Tanks. 430 Liter Trinkwasser sind - wie alle Wasserinstallationen - frostgeschützt im beheizten Innenbereich untergebracht, ein 30 Liter-Warmwasser-Wärmetauscher mit elektrischem Zuheizer sorgt für Warmwasser an den Zapfstellen. Der Abwassertank fasst ebenso wie der Fäkaltank 140 Liter, die Volumen können abgepumpt werden. Die Wasserversorgung beinhaltet auch einen City-Wasseranschluss mit einer integrierten Filteranlage für das Trinkwasser sowie eine - kalte und warme - Außendusche.

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Die Elektrik

Personen-Schutzschalter, Sicherungsautomaten und Batterie-Hauptschalter sind ebenso selbstverständlich wie eine eigene, unabhängige Stromversorgung für den Aufbau durch AGM-Batterien mit einer (24 V) Batteriekapazität von 420 Ah. Die Ladung der Bordakkus erfolgt über einen Ladestromverteiler durch die Fahrgestell-Lichtmaschine. Die Batterien versorgen verschiedene Steckdosen im Aufbau mit 12 und 24V (DC) sowie 230 V (AC). Zur Elektroinstallation zählen auch ein Netz-Ladegerät (28 V – 25 A), ein kombinierter Wechselrichter/Ladegerät 230 V AC mit einer Dauerleistung von drei kW (Spitzenleistung sechs kW) und einer Ladeleistung von 70 A. Nicht zu vergessen: Ein internationaler Stromanschluss 90 bis 260 V AC (45 Hz-65 Hz).

Für ausreichend Nachschub an "Saft" sorgt ein wassergekühlter Fischer Panda Dieselgenerator mit Einzylinder-Dieselmotor, der es auf eine Dauer-Ausgangsleistung von 3,4 kW / 4,0 kVA bringt und über einen Tropenkühler mit Nachlaufkühlung verfügt. Dem Einsatzzweck des sechsradgetriebenen Unimog angemessen kann der Generator zum Schutz vor eindringendem Wasser bei Furt-Durchfahrten mit Druck beaufschlagt werden.

Für anständige Klimatisierung des Wohnbereichs sorgt eine integrierte Klimaanlage mit einer Kälteleistung von 3,2 kW, die - über Generator oder Landstrom - im Dauerbetrieb laufen kann. Den Nachtbetrieb sichern die Batterien und der Inverter. Für kalte Nächte ist eine dieselbetriebene Warmwasser-Zentralheizung (fünf kW) Fan Bord, die Heizkörper im Wohn-, Schlaf- und Sanitärraum versorgt.

Knüller des Fahrzeugs: Trotz seiner Größe von rund 812 cm Länge, 230 cm Breite und 352 cm Höhe kann der Unimog in einem 40 Fuß Highcube-Container verschifft werden. Dazu hat Unikat eigens eine hydraulische Absetz- und Verladevorrichtung zur selbstständigen Verladung von Aufbau und Fahrgestell konstruiert.

Quelle: Gerhard Prien

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