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4x4-Fahrzeuge/Fernreisemobile

Bocklet Dakar U 685

Bocklet Dakar U 685

Es war auch echt an der Zeit, dass mal wieder jemand ein Fernreisemobil auf der Basis des Unimog auf die grobstolligen Räder stellt. Noch vor einigen Jahren war er Globetrotters Liebling, mittlerweile sind neue Unimog als Basis für die rollenden Behausungen, die zur Weltreise antreten, beinahe seltener als Kondomautomaten im Vatikan. Michael Bocklet aus Koblenz und seinem Team gebührt das Verdienst, endlich, endlich mal wieder einen reisetauglichen Allesüberwinder auf dem UniversalMOtorGerät, wie der Unimog mit vollem Namen heißt, zu präsentieren.

Ort der Premiere: Der Caravan Salon 2009 in Düsseldorf. Da fällt der Mercedes unter all der „Weißware“ in den Messehallen auf wie ein Wal im Rhein. Irgendwie gehört er da nicht so richtig hin, zu den ganzen Alkovenmobilen, den Teilintegrierten und Integrierten auf der Basis front- oder heckgetriebener Transporter. Der U 4000 sieht mit dem Bocklet-Aufbau nicht nur aus wie das leibhaftige Abenteuer – man kann es auch mit ihm wagen. Was ist schon der Wochenend-Trip an die Ostsee gegen die Tour nach Ouagadougou?

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Und für diese Tour ist man mit dem U4000 bestens gerüstet. Dafür sorgt etwa sein einzigartiges Fahrwerkskonzept. Portalachsen sorgen für eine exzellente Bodenfreiheit und den ständigen Bodenkontakt aller vier Räder. Die Achsaufhängung mit Schubrohr, Querlenker und Schraubenfedern sorgt für lange Federwege und eine große Achsverschränkung (eine diagonale Achsverschränkung bis zu 30 Grad ist möglich). In Verbindung mit den kurzen Rahmenüberhängen schafft der Unimog mühelos Hindernisse, Kuppen, Hanglagen oder Böschungen. Wassergeschützte Aggregate und ein Ansaugkamin in Höhe des Kabinendachs sorgen für eine Watfähigkeit von 120 cm. Der Unimog hat Single-Bereifung (statt wie ein Allrad-Lkw Zwillingsbereifung), damit bietet er hohe Traktion bei geringem Rollwiderstand. Bequem vom Fahrersitz aus kann während der Fahrt über die Reifendruck-Regelanlage Tirecontrol der Luftdruck abgesenkt werden, so sinken die Räder auf weichem Boden nicht ein, verbesserte Traktion und Vortrieb sind das Resultat dieser technischen Maßnahme. Für sicheres Bremsen auch bei längeren Gefällstrecken oder unter großer Last hat Mercedes dem Unimog eine Zweikreis-Bremsanlage spendiert. Der Vierzylinder-Diesel schöpft aus 4.249 ccm Hubraum 160 kW / 218 PS, das zulässige Gesamtgewicht des besternten Allradlers (Radstand 3.850 mm) liegt bei 7.490 bzw. 8.500 Kilogramm. Alles, in Verbindung mit dem selbstverständlich vorhandenen Allradantrieb und Differenzialsperren an Vorder- und Hinterachse, beste Voraussetzungen für ein hoch-geländegängiges Reise-Fahrzeug der Extraklasse. Wenn es mal wirklich nicht weiter geht, kann sich der Unimog mit einer hydraulischen Sieben-Tonnen-Frontseilwinde wie Münchhausen am „eigenen Schopf“ aus dem Schlamassel ziehen. Ein Dieselvorrat von 290 Litern (plus zwei mal 20 Liter in Reservekanistern) nimmt auch längeren Strecken ohne Tankmöglichkeit ihre Schrecken, Komfortsitze im Fahrerhaus bieten beste Voraussetzungen, um diese Etappen auch ermüdungsfrei zurückzulegen.

Um die Geländeeigenschaften des Unimog nicht einzuschränken, ist die Wohnkabine im Heck angeschrägt. Sie bietet innen eine Länge von 435 und eine Breite von 220 cm (Stehhöhe 195 cm), der Drei-Punkt-gelagerte, kältebrückenfreie GfK-Koffer hat Dach- und Wandstärken von 50 mm, der Boden ist 60 mm dick ausgeführt (je mit zwei mm starker und gewebeverstärkter Deckschicht). Wie bei Bocklet üblich sind die Klappen und Türen mit Hohlgummidichtungen und Mehrfachverriegelung ausgeführt, die Stauräume also gegen eindringenden Staub oder Wasser geschützt.

Hinter dem Fahrersitz liegt das Sanitärabteil der Wohnkabine, ausgestattet mit Kassetten-WC, Rundwaschbecken und Haushaltsarmatur mit Einhebelmischer. Für warmes Wasser und Duschvergnügen sorgt ein kombinierter Truma Gas-/Elektroboiler mit zehn Litern Inhalt. Zum Heck hin schließt sich die Winkelküche an, ausgestattet mit Zweiflammkocher, Spüle und Abtropfbecken.

Zum Fahrerhaus hin bleibt ein (verschließbarer) Durchgang frei, hinter dem Beifahrersitz ist der Kleiderschrank untergebracht, den Raum bis zur Einstiegstür nimmt der 110 Liter fassende Kompressor-Kühlschrank ein.

Zwei Sitzplätze bietet die mit noblem Alcantara-Bezug ausgestattete Sitzgruppe mit ihren beiden längs zur Fahrtrichtung angeordneten Bänken, unter denen sich im Doppelboden die Tanks und Stauraum befinden. Rund 300 Liter Frischwasser sind an Bord, der Abwassertank fasst 200 Liter Grauwasser. Den kompletten Heckbereich nimmt das Doppelbett ein, das mit 200 x 135 cm eine ausreichend große Liegestatt bietet. Unter dem Heckbett befindet sich ein großer, von außen zugänglicher Stauraum.

Für warme Nächte auch in kälteren Regionen oder während der dunklen Jahreszeit sorgt eine Diesel-betriebene Eberspächer Warmluftheizung. Damit der nicht so schnell der Saft ausgeht, hat Bocklet 220 Ah Batteriekapazität verbaut, uterstützt durch eine 260 Watt-Solaranlage, ein Automatik-Ladegerät (24 V / 50 A) und einen 1,2 kW Wechselrichter. Zur Überwachung gibt es ein Kontrollpanel mit Amperestunden-Zähler, für niedrigen Energieverbrauch sorgen die verbauten Energiesparleuchten und LED-Spots. Für Unterhaltung und Information auch während der Reise sorgen, selbst fern der Heimat, ein TFT-Fernseher plus SAT-Antenne und ein DVD-Player.

Preis des 6,85 Meter langen (Breite: 235 cm, Höhe: 350 cm) Fernreisemobils auf Basis des Mercedes-Benz Unimog U4000 vom Rhein: 248.300 Euro.

Quelle: Gerhard Prien