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4x4-Fahrzeuge/Fernreisemobile

Ausbaustory von Uli Dolde Teil 1

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Die Lotto-Tante ist schuld!

Wir schreiben das Jahr 2007 a.D. Es ist später Oktober, als am helllichten Tag mein Telefon klingelt und am anderen Ende eine Frau Krause von der Süddeutschen Klassenlotterie mit guten Nachrichten ihre Aufwartung macht. Nein, ich habe nicht im Lotto gewonnen, schade eigentlich. Aber wie denn auch, denn ich habe ja noch gar nicht Lotto gespielt. Doch Frau Krause´s Ansinnen ist vertrieblicher Art: Sie will mir schlicht ein Los verkaufen. Normalerweise würge ich solcherlei Telefonate innerhalb von wenigen Sekunden ab. An diesem Tag habe ich aber gerade nichts Besseres zu tun, als mich von ihr in die Welt der Hoffnung entführen zu lassen. Sie faselt etwas von Sonderlos mit Millionenchancen und derlei mehr.

So lasse sie zwar fabulieren, aber zuhören tue ich kaum. In vorauseilendem Gehorsam enteilt meine Phantasie bereits in die (hoffentlich) nahe Zukunft, um den Bären zu verteilen bevor er noch erlegt ist.
„Was würdest du tun, wenn du eine Million im Lotto gewännest?“ ist die Frage, die sich mir durch die Hirnwindungen bohrt, während die gute Frau mit blumigen Worten ihr Los anpreist. Die Antwort schießt mir nur Millisekunden später durch den Kopf:

"Wohnmobil kaufen und die Welt bereisen!"

Und da ist er wieder: Der seit langem verschüttete Traum, von dem Frau Krause ohne ihr Wissen gerade den Staub des Vergessens geblasen hat. Als Wind- und Kitesurfer träume ich schon seit mehr als 20 Jahren davon, mit einem Allrad-Wohnmobil all die windigen Strände rund um die Erde zu bereisen. „Wenn nicht jetzt, wann dann?“ stelle ich mir die alles entscheidende Frage. Schließlich habe ich schon 46 Lenze auf dem Buckel und mit 60 fängt man einen solchen „Furz“ sicherlich nicht mehr an.

So verdanke ich es Frau Krause, die mit Ihrem Lottolosvertriebstelefonat in mein Leben platzte und mir völlig unbewusst den Globetrotter-Floh wieder ins Ohr setzte, der mein ganzes Leben verändern sollte. Natürlich kaufe ich der guten Frau ein Los ab, denn sicher steckt der Liebe Gott dahinter, der mich auf wundersame Weise von meinem Schreibtisch in die große weite Welt entsenden will. Auf den Millionengewinn warte ich allerdings bis heute. Doch das konnte mich nicht davon abhalten, meinen Traum endlich zu realisieren.

An dieser Realisierung möchte ich Dich hier teilhaben lassen, Dir demonstrieren, wie ich meinen Traum verwirklichte und Dich inspirieren, auch Deine Träume in die Tat umzusetzen. Die nachfolgende Ausbau-Story kann dabei nur das Super-Konzentrat aus rund 2000 Stunden Ausbauarbeit zeigen, in der auch ebenso viele Ausbau-Bilder entstanden sind. Wer´s aber genau wissen will, der kann sich in meinem Buch „Wohnmobil-Selbstausbau“ über all die kleinen und großen Details informieren und sich 1000 Tipps und Tricks für den Ausbau seines eigenen Fahrzeugs abholen. Denn nach 8 Monaten Ausbauzeit und einer ebenso langen Reise durch Südeuropa, Marokko und die Westsahara, habe ich meine Ausbauerfahrung in einem 375-seitigen Buch zusammengefasst, das ich seit Juni 2010 im Eigenverlag auf CD-ROM verlege.

Zur Wohnmobil-Selbstausbau Homepage

So begebe ich mich im November 2007 völlig unvoreingenommen – soll heißen ohne jegliche Ahnung - auf die Suche nach einem Allrad-Mobil. Das Pflichtenheft ist umfangreich und dementsprechend schwierig gestaltet sich die Suche. Ein Fernreisemobil soll es werden, das 14 Tage Autarkie bietet. Es muss also ausreichend Lade-Kapazität für Wasser, Strom und Lebensmittel, mein Wind- und Kitesurfgeraffel und für meine Süße bieten. Wobei deren knappe 50 kg das kleinste Problem darstellen.

Bei näherer Beschäftigung mit der Materie macht sich die Erkenntnis breit, dass es wohl ein LKW werden müsse, falls ich nicht bereit wäre, deutlich an meinem Pflichtenheft abzuspecken. Ich bin nicht bereit! Und so machen wir uns auf die Suche nach einem 7,5-Tonner, der unsere Anforderungen so weit erfüllt, dass wir einsteigen und losfahren können.

Der nachfolgende, dreimonatige Such- und Probefahr-Prozess führt zu einer weiteren Einsicht: Je konkreter die eigenen Vorstellungen vom Fahrzeug sind, desto unwahrscheinlicher ist es, dieses auch zu finden. Mal passt das Fahrgestell, aber der Ausbau nicht, mal ist es umgekehrt. Mal ist der Grundriss überzeugend, aber die Mühle hat zu viele Kilometer, und wo alles passt, da stört ein klein wenig der Preis.

Nur drei Monate nach der Initialzündung werden wir im Januar 2008 im bayerischen Landsberg fündig: Fabian Heidtmann hübscht gerade einen Mercedes 914 vom niederländischen Heer auf, um ihn dann im Internet feilzubieten. Das kann er sich sparen, denn nach einer Probefahrt über ein nahes Baustellengelände ist unsere Liebe für den Benz entfacht. Mit 20 Jahren auf dem Buckel ist der zwar nicht mehr taufrisch, aber die 36.000 km auf der Uhr zeigen, dass er gerade erst eingefahren ist.

Die Gründe, die für den Mercedes sprechen sind vielfältig und man könnte alleine darüber ein halbes Buch über die Fahrzeugauswahl füllen. Hier nur die wichtigsten Fakten in aller Kürze:

Bei aller Liebe auch zu anderen Marken und Modellen muss doch die Ersatzteilversorgung von Mercedes als die weltweit beste angesehen werden. Auch die Ersatzteilpreise sind – trotz Apothekenniveaus – oft günstiger als die von der Konkurrenz.

Der 914er von Benz stammt aus der leichten Klasse, dessen Fahrgestell ein paar hundert Kilo leichter ist, als ein nahezu vergleichbarer 1017er. Damit bietet der 914 zumindest eine reelle Chance, die 7,5t-Grenze nicht zu überreizen.

Die leichte Klasse von Mercedes fährt sich fast schon wie ein PKW. Die Schalldämmung ist besser als bei Unimog, Rundhauber oder 1017, der ja auf dem Konzept des Rundhaubers basiert.

Mit 3,10 Meter Radstand ist er super kurz und wendig wie ein Smart, aber lang genug, um einen Zeppelin FM 2-Shelter mit einer Innenlänge von 4,10 m zu montieren, in dem eine Zweizimmerküchebadwohnung auf 8 m2; üppig Raum findet.

Mit Permanent-Allrad, Untersetzungsgetriebe sowie Hinterachs- und Mittelsperre und einem sehr verwindungsfähigen Fahrgestell bietet er eine tolle Geländegängigkeit.

Der 6 Liter Saugdiesel (OM 366) ohne Turbo trägt nicht gerade zur „Wheeliefreudigkeit“ des Fahrzeugs bei, reicht aber für gemütliches Reisen allemal aus.

Mit der größeren Einzelbereifung von 365/80-20 ist er lang genug übersetzt, dass er im LKW-Verkehr mitschwimmen kann. Auf ebener Strecke beträgt die Höchstgeschwindigkeit 100 km/h.

Uns ist vor allem wichtig, dass das Fahrzeug keine Elektronik an Bord hat, was bei Fahrzeugen vor Baujahr 1996/1998 in der Regel der Fall ist. Denn bis man im fernen Ausland den Umgang mit Laptop und Diagnosesoftware gelernt hat, können noch ein paar Jährchen ins Land gehen.

Weitere Gründe sowie die Vor- und Nachteile gegenüber anderen in Betracht gezogenen Fahrzeugen beschreibe ich ausführlich in meinem Buch.

Vorstellung des fertigen Fahrzeugs

Bevor wir jetzt ins „Eingemachte“ gehen möchte ich Euch aber an dieser frühen Stelle das Ergebnis unserer achtmonatigen Ausbauarbeit präsentieren. Sozusagen als Appetitmacher auf die Entstehungsgeschichte, die hier natürlich nur fragmentarisch erscheinen kann.

Das Ergebnis nach 8 Monaten Fulltime-Bauzeit:

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Grundriss-Planung

Nachdem Fahrzeug und Koffer definiert sind, gilt es, sich mögliche Grundrisse für die Raumaufteilung zu überlegen. Bei der Planung des Grundrisses muss man sich, wie auch beim Gesamtfahrzeug, zunächst einmal fragen, wo, wie, wie oft und wie lange man das Fahrzeug einsetzen möchte.

Bei uns steht das Bereisen ferner Länder im Vordergrund. Und je länger, desto besser. Deshalb sind für uns Gemütlichkeit, Wohnkomfort und eine möglichst lange Autarkie von Strom- und Wasserversorgung wichtig.

Unsere Grundriss: Bad im Eingang, Küche gegenüberl

Vorbereitende Arbeiten am Koffer

Ausbau der Befestigungs-Schienen

Als erstes gilt es, die Befestigungsschienen auszubauen, mit denen die Bundeswehr ihr Inventar in den Shelter geschraubt hat.

Isolierung des Shelters

Eigentlich sollte man ja davon ausgehen, dass ein Shelter mit seinen 60mm PU-Schaum besser isoliert ist, als jede andere Womo-Kabine, die teilweise mit nur 35 mm PU-Schaum als Isolierung daherkommen. Dem ist aber nur bedingt so. Die thermischen Schwachpunkte eines Zeppelin-Shelters – liegen in den relativ massiven Front- und Heckwänden sowie in den Ecken und Kanten des Koffers. Die umlaufende Alu-Rahmenkonstruktion kommt hier mit dem Innenraum in Verbindung und bildet Kältebrücken, an denen sich Kondenswasser bilden kann.

Im Dauer-Wohnbetrieb bei Außentemperaturen unter 5 Grad zeigt sich, dass meine Isolierung der Ecken und Kanten des Shelters mit der Baumarkt-PE-Rollware nicht ausreichend ist. Es bildet sich Kondenswasser in den Kabelkanälen und an der Decke/Wand entlang der umlaufenden Kantenspriegel. Besonders problematisch ist es, wenn das Dämm-Material nicht fest an der Wand anliegt und sich im dazwischen entstehenden Spalt Feuchtigkeit und in späterer Folge Schimmel bildet.

Nach einer 100-stündigen Nachisolierung des Shelters denke ich, die Probleme weitgehend im Griff zu haben.

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Einbau von versenkten Fenstern

Bei den Fenstern entscheiden wir uns recht schnell für Seitz Aufstellfenster - obwohl die – wie fast allen Wohnmobilisten leidlich bekannt – immer noch unter Kinderkrankheiten im Seniorenalter leiden. So können an den Lüftungsschlitzen oberhalb und unterhalb des Fensters sowie an den Außenrändern der Moskitogitter Stechmücken und teilweise sogar Wespen und andere Plagegeister ins Fahrzeuginnere gelangen, obwohl das Moskitonetz aktiviert ist.

Versenken der Fenster in die Wand mit Z-Profil-Alu

Da die Wandstärke des Shelters 60mm beträgt und die Seitz-Fenster beim Aufsetzen auf die Außenwand ca. 2 cm überstehen, entscheide ich mich dazu, die Fenster mittels eines Alu-Z-Profil-Rahmens in die Wand zu versenken.

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Fortsetzung folgt!