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4x4-Fahrzeuge/Basisfahrzeuge

TRM 2000

TRM 2000, der bessere.........!?

Mit dem Philosophieren über Fernreisefahrzeuge kann man eine Lawine lostreten. Jeder hat eine gewisse Vorstellung von „SEINEM“ Reisefahrzeug. Irgendwo sind es immer Kompromisse. Egal ob die Fahrzeuge von der Stange sind oder ob sie von namhaften Herstellern auf den Kunden zugeschnitten werden. Sogar das selbst aufgebaute ist nur ein Kompromiss. Ich möchte hier aber nicht auf das Thema Ausbau, Koffersystem oder Lagerung zu Sprechen kommen. Mir geht es um das Basisfahrzeug.

Vom Pickup bis zum Allrad LKW ist alles auf Reisen vertreten. Während sich Toyota seinen Namen bei den Stations und Pickups gemacht hat, ist im LKW-Bereich Mercedes mit seinen Rundhaubern 1113 usw, dem 1017 und dem Unimog ein Begriff. Fahrzeuge wie der Bremach und der neue Iveco Daily füllen eine Nische.

Ein Stern am Fernreisehimmel ist Mitte-Ende der 80er Jahre aufgegangen. Fernab von all den Fernreiselustigen. In Frankreich, bei Renault. Der TRM 2000! Eine reine Militärkonstruktion.
Damals schon mit Portalachsen und Frontlenkerkabine, so wie der Unimog U20 heute.

Das wichtigste ist und war für mich immer die Möglichkeit abseits von Teerstraßen fahren zu können, immer und überall. Unsere letzte Reise durch Zentralasien zeigte uns mit unserem Pickup immer wieder die Grenzen auf. Dennoch waren wir mit den Möglichkeiten zufrieden. Ohne Reisepartner mit kräftigem Zugfahrzeug hätten wir aber oft umkehren und andere Routen wählen müssen. Somit war das Fahrzeug ein größerer Kompromiss.

Welches Fahrzeug könnte das Richtige sein?

Der Unimog ist für Fernreisen aufgrund seiner Konstruktion als Universal Motorgerät einfach zu schwer. Geschätzt ließe sich eine Tonne Stahl am Unimog sparen. Der Stabile Rahmen, gemacht für Anbaugeräte ist übertrieben für ein Fernreisefahrzeug. Der OM 352 mit 5,6 Litern Hubraum und wenigstens 20 Litern Diesel Verbrauch ist schmerzend im Geldbeutel. Zudem sind die Schraubenfedern in schwerem Gelände im Kriechgang zwar unschlagbar, auf flotten Wüsten- und Schotterpassagen aber die Hölle. Ich weis wovon ich spreche, wir hatten einen.
Legendär sind seine Portalachsen! Hier setzt er Maßstäbe in fast jeder Klasse. Allerdings ist er nicht der Einzige mit dieser Achskonstruktion!

Der Mercedes 1017/917 usw. ist schon eine andere Nummer. Ein richtiger Frontlenker-LKW mit kippbarem Führerhaus, dies verspricht wenig Platzverlust auf der Pritsche für den Aufbau. Allerdings ist auch hier der große Sechzylinder in der Turboversion verbaut. Trotz bis zu über 170 PS muss der Motor, fertig für die Reise, 7,5 Tonnen und mehr bewegen. Der Spritverbrauch steigt weit über die 20 Liter. Das Gewicht resultiert auch hier aus der Tatsache das die Baureihen für höhere Gewichte konstruiert wurden und somit äußerst stabil gebaut sind, zu stabil. Gefedert wird hier mit Blattfedern.

Die Station und Pickup Varianten sind auch nicht zu verachten. Es gibt genug brauchbare Fahrzeuge. Soll eine Absetzkabine verbaut werden sind meiner Meinung alle Modelle ungünstig. Die Lange Motorhaube kostet zudem viel zu viel Platz, der auf Kosten des Wohnraums verloren geht. Das gesamte Gewicht thront auf der Hinterachse und kastriert das Fahrzeug im Gelände. Kleine Hardtopkabinen sind leichter und bei Pickups zu empfehlen. Die Geländegängigkeit auf Fernreisen kann einen aber vor größere Probleme stellen. Mit den üblichen 3,5 Tonnen Gesamtgewicht sind sie meistens überladen und arbeiten am Limit. Sowohl das Fahrwerk als auch der Motor und die Kupplung.

Bremach Iveco und Co. Sind feine Fahrzeug, moderne Technik mit viel Elektronik. Dies macht sie nicht gerade zu Reisefahrzeugen in FERNE-Länder.
Ihre Kapazität mit um die 5,00 bis 7,5 Tonnen macht sie interessant. Durch die schmale Bauform sind sie allerdings als Kabinenfahrzeug mit Vorsicht zu bewegen! Als Allrad-Kastenwagen gibt es nur den Bremach.

Aus all diesen Fahrzeugen eines ERSCHAFFEN, daß wäre was!

Portalachsen und Frontlenkerführerhaus kippbar, ein Gesamtgewicht von unter 7,5 Tonnen, reisefertig ab 4,8-5,0 Tonnen inkl. Diesel und Wasser Gesamtlänge zwischen 5,0 und 5,5 Metern, Breite 2,2 Meter, Radstand 2,7 Meter, Reifengröße 12,5/20 bzw. 335/80/20, befeuert mit einem elektronikfreien Turbo-Motor und versehen mit einem ZF-Getriebe, rollend auf Portalachsen.

Gibt es schon!
Renault TRM 2000

Der TRM 2000 vereint gewissermaßen die Vorzüge des Mercedes 1017, die des Unimog und die der schweren Geländewagen. Aus dem zGG. von 6,3 Tonnen resultiert sein geringes Eigengewicht des Fahrgestells von ca. 3,6 Tonnen, dies ist deutlich unter dem der Mercedes Pendanten. Mit Wohnaufbau und den benötigten Flüssigkeiten wie Wasser und Diesel sind ein Reisegewicht ab 4,8 Tonnen realisierbar. Die Portalachsen und die 12,5er Reifen versprechen eine hohe Geländegängigkeit, gefedert auf Blattfedern, entfällt aber das lästige Schaukeln wie beim Unimog.
Die 12,5er Reifen müssen für Fernreisen auch nicht gegen 14,5er getauscht werden um das Fahrzeug in die Höhe zu bringen. Das Frontlenker-Führerhaus mit Kippfunktion lässt ausreichend Platz für einen geräumigen Wohnaufbau. Revisionen an Motor und Getriebe sind einfach zu bewerkstelligen.
Renault hat das Fahrzeug kompromisslos für den Geländeeinsatz konstruiert. Es ist keine nachträgliche Allradvariante wie der 1017 oder gar ein Universal Motorgerät, wie der Unimog.
Bei der Motor- und Getriebewahl war sich Renault nicht zu schade in das Zulieferregal zu greifen. Der robuste Turbo-Motor mit 117 PS und das ZF Getriebe sprechen eine deutliche Sprache. Hier wurde nicht versucht, auf eigenen Beinen zu stehen, sondern Bewährtes zu verbauen. Der Turbo-Motor mit Bosch-Elektrik lässt somit auch eine weltweite Teileversorgung zu.
Auch Rahmen und Führerhaus stammen nicht von Renault, sondern von Iveco. Wie auch diverse andere Anbauteile sich bei diversen LKW-Teileanbietern wiederfinden lassen.
Ein Dieselverbrauch zwischen 16 und 18 Litern liegt hier im verschmerzbaren Bereich. Lediglich Auobahnfahrten mit Vollgas werden mit um die 20 Liter Dieselverbrauch belohnt. Auch hier darf wieder der Vergleich zu den Mercedes Pendanten getroffen werden, diese benötigen auf der Straße im Schnitt 4-7 Liter mehr auf 100 km. Im Geländeeinsatz sind hier noch deutlichere Unterschiede zu erwarten. Bei Reisen über größere Distanzen, was bei Fernreisen ja üblich ist, können hier Summen im vierstelligen Euro-Bereich zusammenkommen.

Der Radstand von 2,7 Metern verspricht äußerste Agilität im Gelände und in verwinkelten Gassen. Ganz abgesehen von der Bauch- und Bodenfreiheit aufgrund des kurzen Radstandes in Verbindung mit Portalachsen. Eine serienmäßige Sperre der Hinterachse hilft im schweren Gelände. Einzig der Rahmen mag sich nicht recht verwinden. Hier kommt es aber noch auf Versuche an.

Seine Höhe von 2,7 Metern macht ihn trotz LKW Bauform noch akzeptabel nieder.
Die intelligente Reserveradhalterung hinter dem Führerhaus mit KRAN ist sinnig, vereitelt aber einen Durchstieg zum Führerhaus. Da aber auch die hochgezogene Luftansaugung hinter dem Führerhaus platziert ist, macht ein Umbau wenig Sinn. Ein Zyklon auf dem hochgezogenen Ansaugrohr hält das Gröbste vom Luftfilter fern.
Links am Fahrzeug hinter der Kabine wird der Luftfilter, das Motoröl, das Lenkservo-Öl und der Alkohol für die Bremsanlage kontrolliert.

Zusammenfassend kann gesagt werden:
Der TRM 2000 ist ein interessantes Fernreisefahrzeug. Resultierend aus dem Zusammenfügen verschiedenster Zulieferprodukte zu einem Gelände LKW ist der TRM hoch geländegängig mit moderaten Abmessungen und Spritverbrauch. Zugleich aber groß genug für die Langzeitreise.

Wer sich also ernsthaft Gedanken über ein Fernreisefahrzeug macht, kommt bei der näheren Fahrzeugwahl an einem TRM 2000 nicht vorbei!

Der Haken an der Sache ist allerdings:
Die TRM 2000 sind nicht neu zu erwerben.
Nur gebraucht, so wie die guten alten Mercedes 1017 auch. Die TRM 2000 haben ihren Dienst vorwiegend bei der französischen und belgischen Armee geleistet.
Hier gilt es, gepflegte und gewartete Fahrzeuge zu suchen und zu finden.

Sicher ist, die Preise für diese Fahrzeuge werden steigen, denn die Nachfrage tut es bereits.

Ob der TRM 2000 nun wirklich über alle Zweifel erhaben ist und ein Geheimtipp unter Fernreisenden wird, muss sich zeigen. Das Zeug dazu hat er allemal.

Quelle/Fotos: Horst Fischer