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4x4-Fahrzeuge/Basisfahrzeuge

Oberaigner Sprinter NCV3 6x6

Let's talk about Sechs

Im November 2009 stellte die Wilhelm Oberaigner Fahrzeugtechnik aus dem oberösterreichischen Nebelberg die beiden ersten Prototypen des Mercedes-Benz Sprinter (NCV3) 6x6 fertig. Bei Oberaigner ist man der Auffassung, dass der Weltmarkt einen leichten Offroad-Transporter bis zu sieben Tonnen Gesamtgewicht gebrauchen kann. Diese Annahme ist Basis des 6x6-Projekts der Österreicher.

Oberaigner beweist seit Jahren als „Certified partner“ und „Qualified system supplier“ von Mercedes-Benz seine technische Kompetenz. Im Auftrag der Daimler AG hat Oberaigner beispielsweise den „Werks-Allrad“ des Mercedes-Benz Vito/Viano 4x4 (NCV2) und des Sprinter 4x4 (NCV3) entwickelt. Seit Beginn der Serienproduktion liefern die Nebelberger die Allrad-Komponenten direkt an die Mercedes-Werke in Deutschland und Spanien. Außerdem hat Oberaigner die Antriebskomponenten der allradgetriebenen Vito/Viano und Sprinter weiter entwickelt: Die Fahrzeuge werden, zusätzlich zum Mercedes-Programm, auch mit Differentialsperren und weiteren, ab Werk nicht erhältlichen, Optionen angeboten.

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Basis für den Oberaigner NCV3 6x6 ist der Mercedes Sprinter mit 4x2-Antrieb und einem zulässigen Gesamtgewicht von fünf Tonnen. Den Antrieb übernehmen Triebwerke von Mercedes-Benz, verfügbar als Diesel und Benziner mit Nennleistungen von 120 bis 190 kW (163 bis 258 PS). Der NCV3 6x6 wird als EURO3-, EURO4- und EURO5-Variante zu haben sein. Die Wartung und Ersatzteil-Versorgung kann weltweit durch Mercedes-Benz Service-Betriebe übernommen werden, ebenso die Versorgung mit Verschleißteilen.

Für die 6x6-Version hat Oberaigner dem Sprinter verschraubte Rahmenverstärkung zur Aufnahme des höheren Gesamtgewichts spendiert. Obendrein bekam der Mercedes-Transporter eine patentierte asymmetrische Doppel-Pendel-Aufhängung der Hinterachsen mit permanentem Achslastausgleich. Alle drei Achsen sind angetrieben, das Fahrzeug kann mit bis zu fünf mechanischen Differenzialsperren ausgestattet werden. Dazu gibt es größere Felgen und Reifen mit verschiedenen Profilen.

Der Dreiachser NCV3 6x6, bei dem der Fahrkomforts des Serien-Sprinters erhalten bleibt, soll zahlreiche Vorteile haben. Alle Räder sollen durch die großen Federwegen am Boden bleiben. Die patentierte Achskinematik sorgt dafür, dass etwa beim Einfedern eines Rades der vorderen Achse das hintere Rad stärker an den Boden gepresst wird und somit mehr Moment absetzen kann. Durch die Doppelpendel-Aufhängung der Hinterachsen mit permanentem Achslastenausgleich wird die Rahmentorsion reduziert. So kommt es zu insgesamt geringerer Belastung des gesamten Fahrzeugs. Die drei angetriebenen und in einer Spur laufenden Achsen schaffen, in Verbindung mit den bis zu fünf Differenzialsperren, eine extrem gute Traktion. Das hilft beim Einsatz in schwerem Gelände ebenso beim Durchkommen wie die Wattiefe von 600 mm. Durch die breitere Spur wird die Fahrstabilität, auch mit hohen Aufbauten, verbessert. Und die kann der Dreiachser durchaus aufladen, denn er bietet (je nach Aufbau) eine Nutzlast von bis zu 3,9 Tonnen.

Aktuell läuft der NCV3 6x6 in der Fahrerprobung nach VDA-Norm. Die Prototypen eins und zwei wurden im Oktober 2009 fertig, drei weitere Prototypen folgen Anfang 2010. Der Oberaigner 6x6 durchläuft während der Erprobung das gesamte Testprogramm, dem jeder Mercedes-Offroader unterzogen wird. Dazu gehören etwa der Dauerlauf, die Schlechtwegeerprobung, die Gelände- und Wintererprobung. Dadurch unterscheidet sich Oberaigner wesentlich von Aufbauherstellern, die in der Regel nur eine verkürzte „Unbedenklichkeits-Erprobung“ fahren. Diese stellt lediglich einen Bruchteil des Oberaigner-Programms dar. Parallel läuft die technische Abstimmung mit der Daimler AG. Deren Abschluss wird in der Freigabe des Fahrzeugs durch Mercedes-Benz enden. Die Serienproduktion wird voraussichtlich im dritten Quartal 2011 anlaufen. Damit könnten die ersten Kunden ihre Fahrzeuge Anfang 2012 erhalten.

Oberaigner kann das Fahrzeug damit direkt weltweit vertreiben und sowohl die fertigen Fahrgestelle als auch beliebige Aufbauten nach Wunsch in allen Konfigurationen liefern.



Foto: Oberaigner/Mimra