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4x4-Fahrzeuge/Basisfahrzeuge

Mercedes-Benz Zetros

Der Allrad-Hauber

Das Programm von Mercedes-Benz für den hochgeländegängigen allradgetriebenen Hauben-Lkw, den Zeros, kann man auf eine knappe Formel bringen: Es gibt Zweiachser mit 16,5 oder 18 Tonnen Gesamtgewicht, außerdem Dreiachser für maximal 25 oder 27 Tonnen. Aber das wäre - wie so oft im Leben - zu einfach.

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Der Zeros basiert weitgehend auf bewährter, für schweren Geländeeinsatz modifizierter Großserientechnik. Für die Kunden bringt dieses Baukastenprinzip Vorteile bei Kosten, Service und Qualität. Eine Neuentwicklung ist das Haubenfahrerhaus, Triebstrang und Chassis basieren auf den Baureihen Actros und Axor. Die Nutzlast beim Zweiachser beträgt knapp zehn Tonnen, der Dreiachser darf 16 Tonnen zuladen (jeweils ohne Aufbau). Entwickelt wurde der Zetros im Werk Wörth, dort wird er auch dort gebaut. Die Produktion läuft auf demselben Band, auf dem auch der Unimog mit seinen drei Baureihen sowie das Niederflurfahrzeug - der Econic - gefertigt werden.

Die Gestaltung des Fahrzeugs als Hauber ist aus Sicht von Mercedes-Benz für ein Offroad-Fahrzeug erste Wahl. Es soll kompakte, niedere Konturen sowie einfachen Service ermöglichen. Obendrein soll es unter extremen Bedingungen deutlich besser beherrschbar sein und mehr Fahrkomfort als ein Frontlenker bieten.

Die Zetros-Baureihe hat gerade bei Energieversorgern, Explorationsunternehmen sowie bei der Feuerwehr und Rettungsdiensten großes Interesse geweckt. Der gute Offroad-Fahrkomfort des Haubers soll den Fahrer im Gelände Geschwindigkeiten dauerhaft beherrschen lassen, die mit einem Frontlenker allenfalls kurzzeitig durchzuhalten wären.

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Triebstrang aus bewährten Komponenten

Als Triebstrang nutzt der Zeros aus der Lkw-Großserie von Mercede-Benz bewährte Komponenten. Unter der Haube des Zetros kommt bei allen Varianten der 7,2 Liter große Reihensechszylinder OM 926 LA mit einer Leistung von 240 kW (326 PS) sowie einem maximalen Drehmoment von 1.300 Nm von 1.200 bis 1.600 U/min zum Einsatz. Grundsätzlich liefert Mercedes-Benz dieses Aggregat in Euro 5, auf Wunsch sind Euro-3-Varianten zu haben.

Zwei Getriebe-Varianten stehen zur Auswahl: Standardmäßig kommt das hydraulisch-pneumatisch geschaltete Neunganggetriebe G 131-9 (acht Vorwärtsgänge + Crawler) mit direkt übersetztem höchsten Gang zum Einsatz. Als Option ist der Zetros mit dem sechsstufigen Automatikgetriebe Allison 3000 SP/PR (Vollautomat) erhältlich.

Das Verteilergetriebe für den permanenten Allradantrieb ist das seit Jahrzehnten bewährte Aggregat VG 1700. Seine Geländeübersetzung mit 1,690 gut 20 Prozent kürzer ausgeführt ist als bei den Allradfahrzeugen der Baureihen Actros und Axor (Geländeübersetzung dort 1,403). So sind besonders niedrige Geschwindigkeiten möglich, wichtig bei steilen Bergabpassagen. Die Zugkraft wird gegenüber den Straßengängen generell um rund 70 Prozent erhöht. Die Drehmomentverteilung zwischen Vorder- und Hinterachse(n) beträgt im Ausgleichsgetriebe 1 : 3,21, bei zugeschalteter Differenzialsperre 1 : 1.

Ebenfalls seit Jahrzehnten bewährt sind die Außenplanetenachsen AL 7/HL 7, immer noch unverzichtbarer Bestandteil bei den Baufahrzeugen der Reihen Actros und Axor. Serienmäßig liefert Mercedes-Benz den Zetros mit drei mechanischen Differenzialsperren. Die kann der Fahrer über einen praktischen Drehschalter einlegen. Dieser Schalter gibt die sinnvolle Reihenfolge vor, in der die Sperren bei zunehmend schwierigem Gelände einzulegen sind: Erst längs, dann hinten quer und schließlich vorne quer. Mit dieser "Logik" soll das Risiko von Fehlbedienungen ausgeschlossen werden.

Die Standardübersetzung der Hinterachse(n) in Kombination mit dem Handschaltgetriebe lautet i = 5,33 (was bei der Standardbereifung 14.00 R 20 einer Höchstgeschwindigkeit von 94 km/h bei Nenndrehzahl entspricht). Alternativ ist eine etwas länger übersetzte Hinterachse mit i = 4,83 lieferbar (was bei Nenndrehzahl einer Höchstgeschwindigkeit von 103 km/h entspricht).

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Automatikgetriebe optional, ABS serienmäßig

In Verbindung mit dem Allison-Vollautomaten liefert Mercedes-Benz serienmäßig eine Hinterachsübersetzung von i = 7,73 (entspricht bei Standardbereifung 
14.00 R 20 einer Vmax bei Nenndrehzahl von 105 km/h). Wahlweise ist das Allison-Automatgetriebe 3000 SP/PR auch in Kombination mit der längeren Achsübersetzung von 6,82 erhältlich (entspricht Vmax Nenndrehzahl 112 km/h).

Beim Zeros ist die Einzelbereifung mit der Reifengröße 14.00 R 20, Standard. Wegen ihres größeren Durchmesser bietet sie rund 75 Millimeter mehr Bodenfreiheit als es bei der größten üblichen Lkw-Bereifung (13 R 22,5) der Fall wäre. Die 14.00 R 20-Bereifung stellt eine Tragfähigkeit von maximal neun Tonnen pro singlebereifter Achse sicher. Für die Bereifung 315 R 22,5 – ebenfalls singlebereift – wären exakt acht Tonnen das Maximum. Auf Wunsch liefert Mercedes den Zeros mit einer Reifendruck-Regelanlage. Mit ihr kann man während der Fahrt von der Kabine aus den Reifendruck - je nach Geländeanforderung -
variieren.

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Bei den Bremsen setzt der Allrad-Hauber rundum auf klassische Trommelbremsen. Serienmäßig gibt es ein ABS, das sich im Gelände abschalten lässt. So kann sich etwa bei Talfahrten auf Kies oder Schotter ein Bremskeil vor den Rädern aufbauen.

Vorne und hinten kommen als Achsaufhängung/Federung Breitspalt-Parabelfedern in Verbindung mit Stabilisatoren und Stoßdämpfern zum Einsatz. Varianten zur Anpassung an verschiedene Achslasten lassen sich realisieren. Die Watfähigkeit des Fahrzeugs reicht serienmäßig bis 0,8 Meter, auf Wunsch können bis 1,2 Meter ermöglicht werden.

Der Rahmen des Mercedes-Benz Zetros ist ein (für den Straßenbetrieb) biegesteifer, aber (fürs Gelände) torsionsweicher und somit sehr verwindungsfähiger Leiterrahmen mit offenen C-Profil-Längsträgern und geschraubten C-Profil-Querträgern. Er kommt aus der Actros-Baureihe Actros, ist aber für den anspruchsvolleren Einsatz gezielt verstärkt und modifiziert. Der Rahmen ist so ausgelegt, dass das Fahrzeug sowohl am Rahmenkopf wie auch am Heck - selbst voll beladen - nicht nur abgeschleppt, sondern auch angehoben werden kann.

Die Schnittstellen für verschiedene Aufbauten sind beim Zetros identisch mit denen der Baureihen Actros und Axor. Es gibt also für die Adaption von An- und Aufbausystemen keinen zusätzlichen Aufwand. Der glatte, gerade und belastbare Rahmen eignet sich zugleich auch für maßgeschneiderte und individuelle Aufbaulösungen aller Art. Die ersten Fernreisemobile auf Basis des Zeros sind bereits gebaut worden. Der verstärkte und geschraubt ausgeführte Rahmenkopf des Mercedes-Benz Zetros ist außerdem für den Anbau von Frontgeräten ausgelegt.

Da der Zetros bei den Komponenten weitgehend aus dem Großserienfundus von Mercedes-Benz schöpft, ist weltweit die Versorgung mit Ersatzteilen gesichert. Mehr als 5.000 Stützpunkte in 160 Ländern stehen für weltweite Verfügbarkeit, auch an den entlegensten Ecken der Erde.

Quelle: Gerhard Prien