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4x4-Fahrzeuge/Ausbauten

Tuning & Fun Mercedes G

Flach-G-schoss

Bernd Seyberth aus Haldenwang im Allgäu widmet sich seit Ende der 1980-er Jahre dem Aus- und Umbau von Freizeit-Fahrzeugen und allradgetriebenen Mobilen. Durch das Hobby "Offroaden" und die Teilnahme an Trial- und Trophy-Wettbewerben entstand in den letzten Jahren ein weiteres Standbein: Der Auf- und Ausbau von reisetauglichen Offroadern wie diesem Mercedes-Benz G mit langem Radstand.

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Seyberth bringt zur Führung seines kleinen, handwerklich orientierten Betriebs zwei abgeschlossene handwerkliche Berufsausbildungen und ein technisches Studium an der TU-München mit. Einige Wohnmobil-Ausbauten dienten der Finanzierung seines Studiums, im Jahre 1996 gründete er, nach erfolgreichem Studienabschluss, die Firma „Tuning & Fun“, mit der er sich mit dem Veredeln von Fahrzeugen ebenso befasst wie mit dem Bau von Reisemobilen. Bei Arbeiten, die über das Können des Chefs hinausgehen, helfen qualifizierte Meisterbetriebe wie beispielsweise Lackierbetriebe oder Autosattler. Die Aus- und Umrüstung von Fernreise-tauglichen Geländewagen ist für Seibert der natürliche Schnittpunkt zwischen Reisemobil und Offroad-Fahrzeug.

Dem hier gezeigten G mit langem Radstand sollte Seyberth ein möglichst flaches Aufstelldach verpassen, die Höhe der Garage des Kunden war mit einer maximalen Höhe von 208 cm das Maß der Dinge. Denn da sollte der G auch mit Schlafdach nach dem Umbau noch herein passen. Um die vom Kunden gewünschte Gesamthöhe einhalten zu können, wurde beinahe die gesamte Dachhaut abgetrennt. Wenn die Dachhaut nach vorn bis über die B-Säule hinweg entfernt wird, fordert der TÜV zu Abstützung der B-Säulen das Einbringen eines Querspriegels. Der soll die Säulen gegeneinander abstützen, wenn im Falle eines Crashs die Gurte an den Säulen ziehen. Bevor die Karosse geöffnet wurde, musste Seyberth feststellen, dass der Kunde vergessen hatte zu erwähnen, dass der Wagen mit Window-Airbags ausgestattet ist. Diesen Fakt hatte der Kunde beim Kauf des Wagens "übersehen". Diese kleine, weitere Komplikation machte neuerliche Absprachen mit dem TÜV erforderlich. Aber schließlich konnte das Dach doch entfernt werden.

Wie auch bei anderen Umbauten besteht der Dachaufbau aus einer Unterschale, die sich der Form des Wagens anpasst, und der eigentlichen Schale des Aufstelldachs. Bei diesem G steht der Unterbau in der serienmäßigen Regenrinne, er ragt hinten nur minimal über die ehemalige Dachhaut. Das Dach selbst ist aus drei Millimeter starkem, glatten Alu gefertigt, das anschließend lackiert wurde.
Um die Dachschale möglichst flach zu halten liegt die Bettplatte nicht, wie sonst üblich, auf dem Unterbau auf. Stattdessen senkte Seibert die Bettplatte mittels Z-förmiger Auflageprofile im geschlossenen Zustand so weit ab, dass sich die 60 mm starke Matratze und die 20 mm dicke Dämmung an der Innenseite der Schale nicht in die Quere kommen. Und obendrein bleibt sogar noch ein wenig "Luft". Das Dach wird vorne durch Scheren geführt, zwei Gasdruckdämpfer erleichtern das Aufstellen. Die Scherenführung ermöglicht eine bessere Nutzung des Platzes im Fußbereich, denn bereits von vorn an steht mehr Höhe im Innenraum zur Verfügung. Zusätzlich wird das begehbare Dach, das mit Aircargo-Schienen bestückt ist, durch zwei Spreißel aus Edelstahl versteift. Seitlich und am Heck ermöglichen Kederschienen die Anbringung eines Tarps. Der aus grauem Airtex gefertigte Zeltbalg ist mit seitlichen Moskitonetzen und einem Folienfenster am Heck ausgestattet. Die Ausstattung des G mit den Window-Airbags machte, so weit möglich, den Wiedereinbau der originalen Verkleidungen im Dachbereich notwendig. Nur so kann die ordnungsgemäße Funktion der Luftsäcke sichergestellt werden. Der im Bereich der B-Säule verbaute Spriegel wurde ebenfalls verkleidet, im Fahrerhaus wurde eine Dachkonsole montiert. Der Preis für das Dach liegt bei genannter Ausstattung bei rund 6.500 Euro, durch die Window-Airbags wurde allerdings ein Aufpreis notwendig.

In Sachen Innenausbau hatte der Besitzer des G ausgesprochen klare Vorstellungen, Seyberth erledigte "lediglich" die technische Umsetzung der Kundenwünsche. Beim Material entschied sich der Kunde für 15 mm Pappelsperrholz mit einer HPL-Beschichtung im Dekor „Olive“, das mit graphit-farbenen ABS-Kanten kombiniert wurde.

Der Ausbau des G besteht aus drei Teilen, die sich einzeln mit wenigen Handgriffen von der neuen Bodenplatte lösen lassen. Die L-förmige Anordnung lässt den Passagieren genug Raum, um auch bei Regenwetter einmal im Fahrzeuginneren durch den Tag zu kommen. Für das leibliche Wohlergehen ist, neben einer Spüle mit Glasabdeckung, ein Wallas-Dieselkocher mit Ceran-Kochfeld an Bord. Der Clou des 1.400 Watt starken Kocher ist sein so genannter Heizdeckel. Wird diese Abdeckung geschlossen, aktiviert sich nach Betätigung des Schalters ein Gebläse. Es bläst Luft zwischen Deckel und Ceranfeld hindurch und heizt den Wagen so mit einer Leistung von 1,4 kW auf. Der Edelstahlkamin des Kochers liegt am Heck, weit über der Watt-Tiefe des Wagens.

Für Wasser und Abwasser wurden eigens Edelstahltanks angefertigt und bestmöglich an die Konturen des Wagens und der Sitzlehnen angepasst. Die Tanks liegen zwischen den verbauten Möbeln und den Sitzen des Fahrerhauses. Unmittelbar neben der Fahrzeugbatterie über dem Mitteltunnel fand eine zusätzliche AGM-Batterie ihr neues Zuhause. Sie versorgt über einen eigenen Sicherungskasten das Stromnetz des Ausbaus. Geladen wird die zusätzliche Batterie über die Lichtmaschine mittels Trennrelais und D+-Plus-Detektor.

Quelle: Gerhard Prien