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4x4-Fahrzeuge/Ausbauten

Terracamper Vito 4matic

Reise-Express mit Allrad und Stern:

Terracamper Tecamp auf Mercedes-Benz Vito 4x4

Seit 2004 baut bei Terracamper individuelle Fernreisemobile und Expeditions-Fahrzeuge nach Kundenwunsch. Jetzt hat sich die Hagener Manufaktur um Firmenchef Martin Hemp den Mercedes-Benz Vito 4x4 (Baureihe W 447) vorgenommen - und zum Tecamp umgebaut. Der ist weltweit das erste Reisemobil auf Basis des Vito mit Allradantrieb. Er kann mit Tempo 200 km/h auf der Autobahn bewegt werden, wühlt sich durchs Gelände und lässt sich durch herausnehmbare Möbelmodule auch höchst flexibel und vielseitig nutzen.

Seit mehr als einem Jahrzehnt setzt die Hagener Manufaktur auf einen Innenausbau mit einzelnen Modulen aus Aluminium. Das macht den Möbelbau leicht, aber dennoch stabil und robust. Der Tecamp ist die familientaugliche Version eines modernen, flexiblen Camping-Fahrzeugs mit alltagstauglichen Abmessungen (L x B x H: 5.140 x 1.928 x 2.000 mm).

Basis des neuen Modells ist der der Mercedes-Benz Vito (Radstand 3.200 mm) mit Allradantrieb und einem zulässigen Gesamtgewicht von 3.050 Kilogramm. Den verkaufen die Stuttgarter jedoch nur mit dem stärksten verfügbaren Antriebsaggregat: Einem Vierzylinder-Turbodiesel (OM 651), der aus 2.143 ccm Hubraum 140 kW / 190 PS holt. Das maximale Drehmoment des stärksten angebotenen Selbstzünders von 440 Nm liegt zwischen 1.200 und 2.400 U/min an. Das Antriebsaggregat erfüllt Euro 6 Gr. I und ist an das Automatikgetriebe 7G-Tronic Plus gekoppelt. Das hält mit sieben Gänge die Motordrehzahlen in jeder Fahrsituation niedrig. Die breite Spreizung des Getriebes und die fein abgestuften Gänge reduzieren Drehzahlsprünge beim Gangwechsel. Das sorgt für komfortables Schaltverhalten und spart obendrein Kraftstoff. Bei gleichem Drehmoment soll die 140 kW leistende Top-Motorisierung der Baureihe rund 2,5 l/100 km weniger verbrauchen als eine vergleichbare Motorisierung der Vorgänger-Baureihe.

Bedient wird die Sieben-Gang-Automatik über den Direct Select-Wählhebel rechts am Lenkradstock. Manuelle Gangwechsel machen Lenkrad-Schaltpaddles möglich. Der Afility Select-Schalter stellt dem Fahrer verschiedene Programme zur Wahl. Er kann mit ihnen den Charakter des Automatikgetriebes und des Motors nach Wunsch mit einem Fingertipp einstellen kann: komfortabel, besonders effizient oder sportlich.

Zum Ausstattungsumfang des allradgetriebenen Vito gehören unter anderem Tempomat, Anfahrassistent, Kick-down-Schalter und Parksperre. Das gibt es natürlich nicht zum Nulltarif. Für den Werksallrad beim Vito als 119 Bluetec mit 7-G Tronic kassiert der freundliche Mercerdes-Partner einen Aufpreis von 14.625,10 Euro. Für das Geld gibt es nicht nur den traktionsfördernden Allradantrieb, sondern mit 190 Pferdchen unter der Haube auch reichlich Leistung. Die langt dann auch, um den Tecamp auf der Autobahn auf mehr als 200 km/h zu bringen. Damit sich die Anfahrt zum Urlaubsort nicht zu lange hinzieht.

Zumindest aktuell liefert Mercedes-Benz für seinen Allrad-Vito noch keine schwächeren Motoren oder einen Handschalter. Die Zwangs-Kombination aus Allrad, stärkster Maschine und Automatik gilt von den Stuttgartern zunächst einmal als gesetzt. Ebenso sind ab Werk auch (noch) keine Differenzialsperren lieferbar. Diese Lücke wird der Allrad-Spezialist Iglhaut füllen, dessen Umbauten Terracamper-Chef Martin Hemp ebenfalls anbieten wird. Von Iglhaut stammt zudem eine breite Palette von Offroad-Zubehör, die den Vito 4x4 auch abseits asphaltierter Straßen weiter bringt und beispielsweise die Antriebstechnik vor Beschädigungen schützt. Auf Wunsch verbaut Terracamper auch ein Voll-Luftfeder-Fahrwerk von VB Airsuspension, das eigens auf den Vito abgestimmt ist.

Kernstück des Tecamp-Ausbaus sind ein Schienensystem im Boden und die Möbel-Module. Im Schienensystem werden sowohl die Möbel als auch die Sitze verankert. Terracamper setzt ganz bewusst auf Einzelsitze. Bis zu vier davon lassen sich im hinteren Bereich des Vito installieren, so taugt der Tecamp zur Beförderung von bis zu sechs Personen. "Einzelsitze lassen sich auch von einer Person noch halbwegs bequem entfernen", erläutert Martin Hemp den Verzicht auf eine Sitzbank-Lösung. Denn nicht nur die Sitze, auch die einzelnen Möbel können von einer Person installiert und demontiert werden.

Im Fahrzeug selbst verbleiben die Technikseitenteile, mit denen Terracamper ausgetretene Pfade beim Ausbau des Wohnraums verlässt. Die Idee von Martin Hemp ist so ungewöhnlich wie naheliegend. Statt einer fest installierten Möblierung, die wegen diverser Strom- und Wasserleitungen und zusätzlicher Installationen zwingend permanent im Fahrzeug verbleiben muss, wird die komplette Bordtechnik in den beiden im Heck untergebrachten Seitenteilen verbaut. Dort finden der 40 Liter fassende Frischwassertank ebenso Platz wie die Druckpumpe und der Zusatzheizer, der 80 AH Bordakku wird hier installiert, außerdem Ladegerät, Inverter, Warmwasser-Boiler und die Diesel-betriebene Standheizung. Auch mit ausgebauten Möbel-Modulen bleibt die Technik des Tecamp komplett und damit jederzeit nutzbar. Das ist ganz nützlich, wenn man am Wochenende mit Sportgerät unterwegs ist und sich nach ausgiebiger körperlicher Betätigung ein wenig waschen möchte. Wer einen Kaffee trinken oder ein warmes Süppchen schlabbern will, findet den zweiflammigen Spiritus-Kocher aus Edelstahl ebenso wie eine Waeco CF 25 Kompressor-Kühlbox und ein Edelstahl-Waschbecken in einem der Möbel-Module. Da der Kocher unabhängig von Gasleitungen betrieben werden kann, lässt er sich wahlweise im Wohnbereich oder "outdoor" nutzen. Ein Knüller des Ausbaus ist ein Tablet als Teil des Technik-Seitenteils, mit dem sich vom Bett aus oder von draußen verschiedene Funktionen der Bordelektrik wie etwa die Beleuchtung steuern lassen und das auch als Navigationsgerät oder zum Abspielen von Musik und Videos dienen kann.

Die Möbel-Module werden wie die Einzelsitze im Fond in einem Schienensystem befestigt. So können die schnell demontierbaren Elemente an mehreren Positionen eingesetzt werden. Die einzelnen Module sind relativ leicht und lassen sich daher problemlos in Garage oder Keller zwischenlagern. Bei ausgebauten Sitzen und Möbeln steht der Vito 4x4 als Transporter zur Verfügung, der auch mit der Bewältigung von Pisten oder Schotterstrecken keine Probleme hat. Der Allradantrieb des Tecamp bringt mehr Traktion und Fahrstabilität speziell bei schwierigen Straßenverhältnissen, etwa bei Nässe, Schnee oder auf unbefestigten Wegen. Damit taugt er auch zum Anfahren von Urlaubszielen, die für "klassische" Wohnmobile unerreichbar wären. Um das Rangieren in Innenstädten und auf engen Parkplätzen noch weiter zu erleichtern, ist eine Rückfahrkamera an Bord.

Ohne Allradantrieb ist der Tecamp auf Basis des Mercedes-Benz Vito ab 46.900 Euro zu haben. Der Aufpreis für den werkseitigen Allradantrieb liegt beim Vito 119 Bluetec mit 7-G Tronic bei 14.625,10 Euro. Hinzu kommen 7.170 Euro für das SCA 194 Aufstelldach mit Dachbett und Lackierung oder 10.970 Euro für das Open Sky Schlafdach. Diese Eigenentwicklung von Terracamper lässt sich teilweise nach hinten klappen und erlaubt während der Fahrt Cabrio-Feeling im Reisemobil. Die per Tablet steuerbare Power Elektrik von Votronic kommt inklusive aktivem Halter auf einen Aufpreis von 1.190 Euro (ohne Tablet). Absolut komplett ausgestattet, also mit Allrad, allen möglichen Assistenz- und Sicherheits-Systemen von Mercedes-Benz, aufstellbarem Schlafdach, Stand- und Fußbodenheizung sowie Warmwasser-Boiler liegt der Preis des Allrad-Reisemobils mit Stern - potenzielle Interessenten müssen jetzt ganz tapfer sein - mit rund 107.900 Euro bereits satt im sechsstelligen Bereich.

Text: Gerhard Prien, Fotos: Werk.