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4x4-Fahrzeuge/Ausbauten

Grahammers 290 G

Die eierlegende Wollmilchsau

Die Aufgabe war alles andere als einfach, sie ähnelte der Quadratur des Kreises: Axel Grahammer wünschte sich ein Fahrzeug, das ebenso wüsten- wie alltagstauglich sein sollte. Die Vorgaben: Der Wagen sollte Allradantrieb haben, fünf Sitzplätze bieten und mit einer Gesamthöhe von unter 210 Zentimetern auch noch Garagen-tauglich sein.

Berits in jungen Jahren hat das Wüstenfieber - und das damit beinahe zwangsweise verbundene verbundene Interesse an Geländewagen - Grahammer gepackt. Mit seiner Familie zog er im zarten Alter von fünf, sechs Jahren nach Algerien. "Seitdem war eigentlich klar, dass es nicht anders kommen kann", sagt der 29-jährige, der IBWL studiert hat und derzeit in Schweden als Business Analyst in einer Software-Firma beschäftigt ist.

Als Basis für den wüstentauglichen Aus- und Umbau hat sich Grahammer einen firnweißen Puch 290 TD aus dem Baujahr 1998 ausgesucht. Mit 2.874 ccm Hubraum, einer Leistung von 88 kW / 120 PS bei 3.800 Umdrehungen und einem maximalen Drehmoment von 280 Nm, das zwischen 1.900 und 2.300 U/min anliegt, schien er eine ideale Basis für die geplanten Reisen zu sein. Die Firma Lyndi Spezialfahrzeuge (www.lyndi.at) unter Firmenchef Jürgen Ridler aus dem österreichischen Nußbach hat dem Wagen ein begehbares Schlaf-Hubdach aus Alu verpasst. So wurde Platz für ein Doppelbett im "ersten Stock" geschaffen. Um auch aufs Dach klettern zu können, kam ans Heck eine Leiter von Desert Service (www.desert-service.com). Für eine ausreichende Reichweite, nicht nur in den Wüsten dieser Welt, sorgen zwei je 60 Liter fassende Zusatztanks von Woick. Sie sind für optimale Gewichtsverteilung rechts und links am Rahmen zwischen den Achsen montiert. Um auch abseits befestigter Straßen voran zu kommen, hat Grahammer seinem Puch einen Satz Cooper Discoverer ATR in der Dimension 265/75 R16, auf Racer Alu-Felgen gezogen, spendiert.

Auch am Motor wurden ein paar Veränderungen vorgenommen. Zum Einsatz kommt etwa ein größerer Kühler vom Kühlerbau Schneider (www.kuehlerschneider.de), damit das Antriebsaggregat auch an heißen Wüstentagen kühl bleibt. Parallel dazu wurden eine größere Wasserpumpe und eine verstärkte Motoraufhängung verbaut. Zur Überwachung von Batteriespannung, Öltemperatur und –druck dienen VDO Viewline Zusatzinstrumente.

Auch bei der Elektrik hat sich einiges getan, so wurde etwa eine Banner Fließ-Zusatzbatterie mit einem automatischem Trennrelais angeschlossen. Zwei leicht demontierbare Solarpaneele dienen der Aufladung der Zusatzbatterie. Dazu gibt es ein 220 Volt Ladegerät von Philippi für die Batterie und einen Waeco 220 V Konverter für den Betrieb von Elektro-Kleingeräten und zur Ladung von Akkus. Für die Navigation sind eine Ram-Mount-Halterung und ein Asus EEE PC T-91 an Bord, ein CB-Funk-Gerät dient der Kommunikation mit anderen Mitreisenden.

Beim Innenausbau legte Grahammer selbst Hand an. "Der hat mich etliche Feierabende gekostet". Da er in Schweden, wo er zur Zeit arbeitet, keine passende Garage für seinen Geländewagen gefunden hat, entstand der komplette Ausbau im Wohnzimmer. Grahammer zum Alternativ-Programm zum abendlichen TV-Angebot: "An dieser Stelle auch einen großen Dank an meine zukünftige Ehefrau". Sie hat sich offenbar sehr geduldig gezeigt.

Zur Ladungssicherung dienen Airline-Schienen. Ansonsten hat Grahammer besonderen Wert auf ausreichenden Stauraum und eine Kochstelle gelegt, ein zweiflammiger Gaskocher dient zur Zubereitung warmer Mahlzeiten. Der fest eingebaute Gaskocher war in Schweden Voraussetzung zur Anmeldung des Fahrzeugs als Wohnmobil. Geplant ist es, den Kocher „abnehmbar“ zu machen, so dass er dann im Außenbereich verwendet werden kann. Die entsprechende Konstruktion zur Befestigung des Kochers an den äußeren, in der Dachrinne eingehängten schwarzen Leisten ist bereits fertig, sie muss lediglich noch lackiert werden. Auf einem Vollauszug ist ein Engel Kompressor-Kühlschrank jederzeit gut erreichbar.
 Die Wasserversorgung erfolgt über - je nach Reiseziel und Reisedauer - zwei bis drei je 20 Liter fassende Kanister. Das ist, so Grahammer, "zwar nicht die bequemste Lösung, dafür aber die einfachste und flexibelste". Auf eine Standheizung hat er bisher verzichtet. Für Reisen in Europa wäre eine solche Lösung zwar gelegentlich schön, aber, so Grahammer, "bislang klappte es auch ohne recht gut." Mit dem Wagen, der bis heute über 240.000 Kilometer zurückgelegt hat, ist der Business Analyst höchst zufrieden. Nach einigen anfänglichen Kleinigkeiten wie Tausch von Kühler und Wasserpumpe ist der G nun voll wüstentauglich. Er hat sich bei den diversen Reisen (darunter fünf Reisen nach Libyen, fünf nach Tunesien, je eine nach Marokko, nach Korsika und in die Türkei) durchwegs bewährt. "Wäre bei den neueren Diesel-Gs nicht so viel Elektronik verbaut, würde ich mir einen solchen auch wieder zulegen", sp Grahammer. "Aber einstweilen bleibt der 290 TD und wird hoffentlich auch noch einige Zeit treue Dienste leisten".

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Auch mit dem Ausbau ist er zufrieden, auch wenn er einräumt, "dass es die eine oder andere Verbesserungsmöglichkeit gibt". Derzeit sei alles darauf ausgelegt, dass man Ordnung hält. Man könne eben nicht viel "liegen lassen" im Fahrzeug. "Vermutlich würde ich beim nächsten Ausbau, welcher wohl in rund zwei Jahren (und nach meinem USA-Aufenthalt) kommen wird, die Rückbank wohl doch entfernen, um mehr Platz und Komfort zu zweit zu bekommen". Zwar erfüllt der derzeitige Ausbau seinen Zweck, "aber man kann es schon noch ein Stück bequemer machen, wenn das Fahrzeug als reines Reisemobil genutzt wird. Aber dann muss auch ein zweites Fahrzeug her".

Quelle: Gerhard Prien